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Rezensionstext : Fritzsche Hancl

Erstellt in

Olaf Nollmeyer, Publizist, 22.06.2006:

TIERISCHES INSULIN.
Unverträglichkeit von Humaninsulin? Ist Humaninsulin nicht völlig unbedenklich? Da Humaninsulin laut Herstellerangaben für alle verträglich sein soll, und sich Ärzte und Kassen dieser Sprachregelung offenbar angepasst haben, existieren die Probleme der Diabetiker, die hier zu Wort kommen, offiziell gar nicht.
Die Erzählungen zeigen, wie sehr Patienten oftmals der Unwissenheit, der Gleichgültigkeit oder sogar der Falschinformation von Ärzten, Apotheken und Krankenkassen ausgeliefert sind. Interessant, dass das Internet hier Möglichkeiten bietet, über den Tellerrand hinauszuschauen, und beispielsweise Firmen ausfindig zu machen, die im benachbarten Ausland Tierisches Insulin herstellen, obgleich der Bescheid von Ärzten, Apothekern oder Kassen hierzulande war: "Gibt's nicht mehr:"
Sehr schön wird das deutlich in einem Bericht, in dem eine Diabetikern eine Einigung zur Kostenübernahme des Imports von tierischem Insulin aus der Schweiz übernimmt - ohne dass die Kasse diesen Vorgang aber schriftlich fixieren wollte. Denn die Einigung kam ja einem Bruch mit der offiziellen Sprachregelung gleich.
Trotz aller Betroffenheit findet sich in den Berichten auch trockener Witz. Die beste Medizin für den Leser dieser "Betroffenenliteratur".
Das Buch ist nicht nur für Diabetiker interessant, die bereits von ihrer eigenen Humaninsulinunverträglichkeit wissen. Denn das Buch legt nahe, daß es hier eine große Dunkelziffer gibt. Informativ ist das Buch darüber hinaus auch für Nicht-Zuckerkranke. Denn die geschilderten Beispiele zeigen das kartellartige Zusammenwirken von Pharmaindustrie, Krankenkassen und Ärzten. Eine bittere Pille für jedes Mitglied unseres Gesundheitssystems.