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Rezension: Zucker - na und?

Thomas Fuchsberger mag ihnen durch sein Feinschmeckerkochbuch bekannt sein. Oder er ist ihnen durch seinen Vater Joachim „Blacky“ Fuchsberger bekannt. Ehrlich gesagt, mir sagte der Name in beiden Fällen nichts. Ich kannte Thomas Fuchsberger als durch seine Arbeit mit der DDS als „Diabetes-Botschafter“ in Vorträgen und Fernsehauftritten.

Sein Kochbuch „Feinschmeckerküche für Diabetiker“ ist mittlerweile in der vierten Auflage erhältlich und sein Typ-1-Diabetes feiert mittlerweile den 20. Geburtstag. Nun kam von im Redline Verlag das Buch „Zucker – na und?“ heraus. Es beginnt mit einem Vorwort von Erich Lejeune und ist eigentlich eine andere Art der Autobiografie in acht Teilen. Diese werden unterbrochen durch Informationsseiten zu unterschiedlichen diabetischen Themen. Nach 60 und 128 Seiten findet man ein paar Fotografien aus dem Leben des Autors.

Das Buch ist äußerst leicht zu lesen, da es eine Art Interview zwischen Erich Lejeune und Thomas Fuchsberger ist. Zeitweise hat man jedoch den Eindruck, die Fragen sind ein wenig zu sehr vorher abgesprochen und pädagogisch durchdacht. Gleichzeitig waren die Antworten motivational zu sehr aufgesetzt. Folgend wirkte der Dialog zu aufgesetzt und von mangelnder Authentizität. Dieses Gefühl hatte ich jedoch nur Passagenweise.

Folgend soll eine Leseprobe (Seite 19-20) aus dem Buch zitiert werden.

Aus der Feierstimmung gerissen

EL: Und dann kam doch erst einmal alles anders: Dein Diabetes brach aus.

TF: Ja, und ich war voller Tatendrang, als die Krankheit ins Spiel kam. Nach meinem Abi wollte ich endlich etwas von meiner Freiheit haben. Ich war im Sommer viel mit meinem Freunden am Starnberger See unterwegs, wir gingen schwimmen, grillten, ließen es uns gut gehen. Irgendwann merkte ich, ich muss permanent auf die Toilette […]

EL: Der große Durst und der Harndrang sind ja beim Diabetes Typ 1 die ersten Anzeichen, dass der Blutzuckerspiegel aus dem Gleichgewicht geraten ist.

TF: In der Tat! Mir verging dann auch bald die Feierstimmung. Eines Abends, als ich mit meinen Eltern vor dem Fernseher saß, trank ich drei Flaschen Apfelsaft und eine Flasche Sprudel innerhalb einer Stunde leer. Und das kam meinem Vater verdächtig vor […]

Die Informationsseiten zwischen den Kapiteln haben das gewünschte Basisniveau. Bei dem ersten Block, „Insulin“, ist jedoch beispielsweise anzumerken, dass weitere Informationen über Therapien hier fehlen. Mit der BOT, der CT und der ICT wird das Thema in unseren Augen nur befriedigend angerissen. Gleichfalls die zitierte Seite gesuender-unter-7.de ist zwar eine akzeptable jedoch nicht die beste verfügbare Quelle im Internet. Richtig schockiert waren wir jedoch, als wir auf Seite 114 die Quelle Focus (11.06.2007) fanden, da dieser Artikel damals äußerst schlecht recherchiert war und in vielen Diabetesforen für ein negatives Image der Zeitung führte. Um jedoch mal wieder positive Punkte zu finden: Gleichwohl Risikotests wie beispielsweise der Typ-2-Risiko-Test auf Seite 88 bis 92 kann der Leser in diesen Abschnitten ausprobieren. Bei der äußerst guten Info-Box „So senken Sie ihr Diabetes Risiko“ auf den Seiten 129 bis 131 wurde wieder eine – unserer Meinung nach äußerst seriöse Quelle: Die Deutsche Diabetes Stiftung verwendet. ;)

Im zweiten und dritten Kapitel ist sehr positiv hervorzuheben, dass das Gespräch zwischen Herrn Fuchsberger und Herrn Lejeune auch gesellschaftliche und soziologische Themen der Diabetologie anspricht, wie zum Beispiel die unsinnige Politik der Krankenkassen bei der Übernahme der Blutzuckermessstreifen für Typ-2-Diabetiker oder der Umgang mit der Krankheit in der Öffentlichkeit.
Auf der Seite 145 schließen sich die 10 Gebote von Thomas Fuchsberger an, welche unser ungeteiltes Lob genießen. Zwei Seiten später spricht Erich Lejeune mit den Eltern und der Lebensgefährtin von ihm. Bevor auf Seite 169 das fachliche Nachwort von Professor Hellmut Mehmert anschließt findet man noch den Lebenslauf des biografischen Subjekts.

Zusammengefasst ist das Buch durchaus lesenswert. Es ist eine gut zu lesende Mischung zwischen Motivationsbuch, Biografie, Interview und Ratgeber in einer doch sehr gelungenen Mischung. Was skurril anmutet, wir würde das Buch eher Typ-2-Diabetikern empfehlen, da bei diesen der angesprochene ernährungswissenschaftliche Aspekt wichtiger ist und diese häufiger an Motivationstiefs leiden als Typ-1-Diabetiker und was auch sehr wichtig ist, viel wahrscheinlicher den Namen Fuchsberger kennen ;) . An dieser Stelle findet sich gleich der nächste abschließende Gedanke: Wenn Sie ihren Diabetes kennen – und viele Typ-1-Diabetiker sind leider belesener als ihre Ärzte – entfaltet dieses Buch nicht seine vollkommene Wirkung, da viele Infos – auch das sehr gute Nachwort – nicht weit genug in die Tiefe gehen, was bei dem breiten Publikum der Typ-2-Diabetiker oft nicht nötig oder sogar hinderlich wäre. Auf einer Skala von 5 Sternen verdient es somit 4 und ist beispielsweise als Weihnachtsgeschenk absolut zu empfehlen.