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Diabetes-Rechtsfragen-Buch - Rezension

Diabetes-Rechtsfragen-BuchDer Kirchheim Verlag bat mich das Diabetes-Rechtsfragen-Buch zu rezensieren. Geschrieben wurde das Buch von Rechtsanwalt Oliver Ebert. Oliver Ebert ist die Koryphäe hinsichtlich Diabetes und Recht, er hält auf vielen Veranstaltungen Vorträge und wirkt unter anderem als Jurist in der Redaktion des Diabetes-Journals mit. Oliver Ebert arbeitet als Rechtsanwalt in Baden-Württemberg.

Mir lag die 1. Auflage aus 2008 vor, damit natürlich nicht ganz aktuell.

Aufbau

Optisch ist das Buch nüchtern und übersichtlich gestaltet. Dies ist für juristische Literatur eigentlich typisch. Es gliedert sich zunächst nach Rechtsgebieten, wobei jedes Rechtsgebiet sein eigenes Inhaltsverzeichnis hat, so findet man schnell die Frage, die man sucht. Einzelne Zitate sind optisch hervorgehoben. Gut gefällt mir, dass am Ende auch die relevanten Normen abgedruckt werden, so dass der interessierte Laie die entsprechende Stelle im Gesetzestext nachlesen kann ohne lange im Internet suchen zu müssen. In den Antworten auf die Fragen werden auch immer die einzelnen Paragraphen zum Nachlesen genannt. Dies nimmt aber nicht überhand, so dass es Laien nicht abschreckt.

Möglicherweise könnte man das Inhaltsverzeichnis am Anfang, das nur die Rechtsgebiete auflistet, noch ausführlicher gestalten, damit man beim Suchen direkt zu der gesuchten Frage navigieren kann.

Der Schwerpunkt des Buches liegt ganz klar auf dem Arbeitsrecht, dieser ist gut gewählt, da dies für die meisten Diabetiker der wichtigste Teil sein dürfte.Diabetes-Rechtsfragen-Buch

Inhalt

Schön ist, dass die Themen nicht einseitig beantwortet werden, sondern wie beispielsweise beim Thema Schwerbehinderung sowohl die Vor- als auch die Nachteile behandelt werden. Außerdem hat Oliver Ebert sich von einem Diabetologen unterstützen lassen und so diabetologisches Fachwissen mit in das Buch aufgenommen.

Oliver Ebert schildert die Themen so, dass sie für Laien gut verständlich sind, die Zielgruppe des Buches sind auch eben diese Laien.

Dadurch, dass das Buch 2008 erschienen ist, sind nicht mehr alle Fragen komplett aktuell, beispielsweise werden die Anhaltspunkte (AHP) für die Bewertung nicht mehr herangezogen, sondern die Versorgungsmedizinverordnung (VersMedV).

Gut finde ich, dass Oliver Ebert die Frage anspricht, ob man den Schwerbehindertenausweis zurückgeben kann. Der Laie denkt häufig, dass man den einfach zurückgeben kann oder die Frist auf dem Ausweis verstreichen lässt und dann nicht mehr schwerbehindert ist; das ist nicht so und das wird hier gut behandelt. Das ist ein sehr relevanter Aspekt bei der Überlegung, ob man den Ausweis beantragen sollte oder nicht.

Ob man auf bei einem Einstellungsgespräch auf eine Frage hinsichtlich der Schwerbehinderung wahrheitsgemäß antworten muss oder nicht, ist umstritten. Oliver Ebert bezieht hier eindeutig Position, was für den Laien sehr hilfreich ist. Welche der beiden Rechtsmeinungen stimmen ist eine sehr interessante Rechtsfrage, die leider noch nicht (ausdrücklich) geklärt ist. Hier wäre es schön, wenn es zu genau dieser Frage eine BAG Entscheidung geben würde.

Sehr gut finde ich, dass Oliver Ebert das Thema Aufhebungsvertrag anspricht. Viele Arbeitnehmer kennen die Nachteile eines solchen Aufhebungsvertrages nicht; diese sind für den Arbeitnehmer jedoch immens. Er kann nach Abschluss des Aufhebungsvertrages keine Rechte aus dem Kündigungsschutz mehr herleiten, darüber hinaus muss er die Abfindung versteuern und sich diese Summe auf das Arbeitslosengeld anrechnen lassen (er muss also zuerst die Abfindung veressen), darüber hinaus wird er wahrscheinlich gesperrt, weil er an dem Verlust des Arbeitsplatzes mitgewirkt hat. Hier wird gut auf die Nachteile verwiesen, die in der Regel - wie im Buch geschildert - überwiegen. Eine seltene Ausnahme ist, wenn man bereits einen neuen Arbeitsplatz in Aussicht hat.

In den einzelnen Kapiteln bietet Herr Ebert nützliche Tipps an und verweist auf Webseiten und Datenbanken mit weiterführenden Informationen.

Wichtig - und das wurde mir insbesondere in den letzten Tagen wieder bewusst - ist der Verweis auf die Wahrheitspflicht bei der Beantragung des Führerscheins. Viele Diabetiker glauben - und viele bekommen es auch von ihrem Diabetologen empfohlen - beim Antrag zu lügen und die Diabetes Erkrankung zu verschweigen, wenn sie danach gefragt werden. Dies hat jedoch sehr negative Konsequenzen für den Diabetiker, wenn die Tatsache doch noch bekannt werden sollte. Insofern ist dieser Teil ein Muss für jeden jungen Diabetiker!

Ein wenig negativ fiel mir auf, dass es recht viele Wiederholungen gibt, das ermüdete beim Lesen etwas. Insbesondere durch die hervorgehobenen Zitate, die allesamt aus dem Text entstammten, gab es zu viele Wiederholungen.

Gut gefiel mir, dass Herr Ebert einen Diabetologen hat mitschreiben lassen, so wurden auf sinnvolle Weise Informationen zu der Krankheit integriert, hierdurch gewinnt das Buch.

Hinsichtlich der Auslandsbehandlungen im EU-Ausland ist es nur teilweise richtig, dass es eine Notsituation/akute Behandlungsnotwendigkeit geben muss. Dies trifft zwar auf Krankenhausbehandlungen zu, nicht aber auf die Behandlung durch niedergelassene (Zahn-)Ärzte. Dort gilt die Dienstleistungsfreiheit uneingeschränkt und ich kann auch nur weil ich es möchte ins Ausland fahren und dort eine ambulante medizinische Behandlung in Anspruch nehmen. Hier muss man allerdings zunächst in Vorleistung treten, wichtig ist, dass nur die Leistungen später erstattungsfähig sind, die in Deutschland Regelleistung sind und nur bis zu der Summe, die auch in Deutschland von der Krankenkasse hätte bezahlt werden müssen. Wenn man also im Ausland mehr Geld bezahlen musste, dann ist dies das Problem des Patienten. Darüber hinaus wird die Praxisgebühr und eine Bearbeitungsgebühr (in der Regel zwischen 5-10% abgezogen).

Die Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung, die in dem Buch genannt werden, sind veraltet. Hierfür kann der Autor natürlich nichts, hier war der Gesetzgeber zwischen dem Jahr 2008 und dem Jahr 2012 einmal fleißig. Ähnliches gilt für die Kosten der privaten Krankenversicherung, diese dürfen seit kurzem nicht mehr von dem Geschlecht abhängig sein. Insofern darf die private Krankenkasse nicht mehr unterschiedliche Beträge von Frau und Mann fordern, die nur im Geschlecht begründet sind.

Fazit

Das Thema selber ist für alle Betroffenen sehr wichtig, es gilt im Laufe der Zeit sich einigen Rechtsfragen zu stellen, für die man nicht immer direkt einen Rechtsanwalt beauftragen möchte. Hier hat man mit dem Buch eine sehr gute Informationsquelle, das natürlich nicht den Einzelfall abdecken kann, aber gute grundlegende Informationen gibt. Insbesondere dadurch, dass Oliver Ebert auch als Rechtsanwalt arbeitet, gewinnt dieses Buch sehr an Praxisnähe. Dies kann ich guten Gewissens empfehlen.

Die Antworten sind allesamt sehr gut und verständlich und gerade auf Laien ausgerichtet, damit ist das Buch trotz des Alters (Jahr 2008) ein "Must-read" für alle Diabetiker.