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Die 3-in-1-Revolution? Das GL50

Einleitung

Das GL50 gehörte 2011 zu den wahrscheinlich größten Erwartungen in der Sparte der Blutzuckermessgeräte. Der in diesem Segment nicht wirklich bekannte Hersteller beurer kündigte das Gerät mit dem Spruch “3 in 1” und “Codefree” an. Es ist eine Stechhilfe, ein Messgerät und eine USB Schnittstelle für die Auswertung am PC. Wenn die Verarbeitung und das Handling ebenso gut sind, wie bei dem Contour USB, welches vor einiger Zeit mit der integrierten Software einiges an Aufsehen erregt hatte, bekommt das “Flagschiff” von Bayer mit dem GL50 eine ernsthafte Konkurrenz.

Daten

Hersteller / Firma: beurer
Gerätename: GL50
Messdauer: ca. 5 Sekunden
Blutprobenmenge : 0,6 µl
Speicher: 480 Werte mit Datum und Uhrzeit
Kalibrierung : Automatisch
Messbereich: 1.1-35 (mmol/L) oder
Energieversorgung: 2 x Lithiumbatterien CR2032
Größe: 123 x 28 x 16 mm
Temperaturbereich: +2 bis +30 °C
Software: GlucoMemory
Besonderes: kodierfrei, Kombinationsgerät
Schnittstelle: USB Schnittstelle für den PC
Internetspräsentation: unter http://www.beurer.com
PZN: 7626 725

Lieferumfang und Dokumentation

Das Gerät wird in einem kleinen kompakten Karton angeliefert. Auf der Vorder- und Rückseite sieht man das Gerät, wie es in seine drei Bestandteile verlegt und als zusammenhängender Stick aussieht. Die Beschriftung des Kartons ist in Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und Italienisch verfasst, was durchaus kostensparend einen größeren Kundenkreis erreicht.

Wenn man die Packung öffnet, findet man die gefüllte Testgerätetasche, eine Servicekarte mit einer kostenfreien Hotline und diversen anderen Angeboten, eine Gebrauchsanleitung, das wahrscheinlich kleinste Diabetikertagebuch in Papierform und eine Kursanleitung. Das Messgerät wird mit zwei Dosen a 10 Teststreifen und den Lanzetten ausgeliefert. Mehr braucht in der Tasche ja nicht untergebracht werden.
Ein Blick in das Tagebuch verrät jedoch schnell, dass hier an Typ-2-Diabetiker gedacht wurde. Kein Diabetestagebuch für Typ-1-Diabetiker hat die Spalten: Medikation und Blutdruck. Aber wozu braucht man denn ein Papiertagebuch, wenn die Software im Gerät alle Daten direkt in den PC überträgt?
Zusammengefasst bekommt das Gerät in dieser Kategorie vier von fünf Sterne, da nur das komische Tagebuch den positiven Eindruck trübt.

Optik

Das Gerät ist ein länglicher schmaler Stift mit einem Plastikgehäuse. Das Display nimmt nur ungefähr 30 bis 40 Prozent der Seitenfläche ein. Daneben findet man einen recht großen Knopf, das Rädchen für die Stichtiefe der Stechhilfe und der Auslöseknopf. Zur sicheren Unterbringung hat der Stift auf der Rückseite eine kleine Klammer, ähnlich eines Kugelschreibers, und einen kleinen Bügel an dem einen Ende des Gerätes. Beide sind aus dünner Plastik und versprechen somit wenig Bruchfestigkeit. Wie schon auf Verpackung und der Internetpräsentation angedeutet, kann man das Gerät in drei Teile “zerlegen”. Wenn man den Bügel zur Seite schiebt und an der Spitze zieht, gelangt man zur Stechhilfe. Ich dachte, dass man zum USB-Port gelangt, indem man weiter rechts die Stechhilfe mittels eines Schiebeverschlusses von dem eigentlichen Messgerät trennt. Es handelt sich jedoch um den Mechanismus zum Aufziehen der Stechhilfe. Sie gelangen zum USB Port, indem Sie mit ein wenig Kraft die beiden Hälften des Gerätes voneinander trennen.
Das ganze Gerät wirkt sehr futuristisch und verfügt über eine angenehme Optik, so dass dieser Bereich durchaus die volle Punktzahl verdient. An einigen Stellen hat man jedoch schon bei der ersten Nutzung die Vermutung, dass nicht jedes Plastikelement einen Dauereinsatz sicher überleben wird.

Verarbeitung

Die Verarbeitung der Materialien scheint eine Schwachstelle des Gerätes zu sein. Wie schon angesprochen, sind einige Plastikelemente recht dünn und können wahrscheinlich leicht abbrechen. Einige Bedienelemente, d.h. die Haupttaste und der Auslöser der Stechhilfe scheinen jedoch recht robust zu sein. Auf der Oberkante des Gerätes findet man noch zwei kleine Tasten zum Vor- und Zurückspulen. Diese sind sehr locker angebracht und während ich beispielsweise das Gerät trennen wollte, um an den USB-Port zu gelangen, aktivierte ich das Gerät durch die Berührung eben dieser Bedienelemente.
Im Gegensatz zu anderen Geräten anderer Hersteller sind auch die Lanzetten unkompliziert zu installieren. Die Verarbeitung wäre jedoch besser, wenn zumindest das Einstellrädchen der Stechhilfe aus Metall wäre, da es sich nach mehreren Drehungen sehr leicht bewegt und Gefahr läuft, auszuleiern. Selbst die Kappe der Stechhilfe, unter der man die Lanzette installiert, steckte nach einigen Wochen des Tests nicht gerade fest auf dem Stift und wurde eher von dem erwähnten Bügel gehalten. Da dies die einzigen Verarbeitungsmängel zu sein scheinen, erhält das Gerät in dieser Kategorie vier von fünf Sterne.

Stechhilfe

Eine Besonderheit des GL50 ist die integrierte Stechhilfe. Es ist nicht mehr notwendig, die Stechhilfe getrennt mitzutragen und bei der Messung aus der Tasche zu holen. Am gegenüberliegenden Ende vom Teststreifeneinzug findet man ein kleines Rädchen - zugegeben ohne Beschriftung, was negativ in die Bewertung eingeht - und einen auslösenden Knopf. Aufgezogen wird die Stechhilfe durch den Schiebemechanismus an der Seite des Gerätes. Während des Gerätetests erwies sich die Stechhilfe als recht schmerzarm, was natürlich positiv zu werten ist. Da ich nicht weiß, wie lange die Kappe und der Auslöseknopf ihre Funktionsfähigkeit behalten - siehe oben - bekommt die Stechhilfe vier von fünf Sterne.

Gerade der Auslöseknopf und die Spannung der Feder erwiesen sich bei anderen Tests als sehr anfällig. Diese Schwäche kann ich nicht bestätigen, gleichwohl ich das Gerät erst seit mehreren Wochen im Gebrauch habe.

Messen

Zum Messen nimmt man einen der recht großen Teststreifen aus der Dose und steckt ihn am rechten Ende in das Gerät. Bei dem Testgerät war der Einschub recht schwer und ich hatte bei den ersten Streifen Angst, diese abzubrechen. Wenn man vorher die Starttaste bediente, aktiviert sich die Beleuchtung des Displays. Seien Sie nicht irritiert, wenn das Licht beim Messen wieder ausgeht und erst das Ergebnis wieder “erhellt”.
Bitte achten Sie weiterhin beim Einführen des Teststreifens darauf, dass er nur soweit eingeschoben werden, wie die Elektroden des Streifens sichtbar sind. Um weitere Missverständnisse zu vermeiden, hat der Hersteller einen gut erkennbaren Pfeil auf die Streifen gedruckt.

Nachdem das Blut recht zügig eingezogen wird, muss der Benutzer nur noch fünf Sekunden warten, bis auch bei diesem Messgerät das Ergebnis präsentiert wird. Über die schon erwähnten Scroll-Tasten an der Kante des Gerätes kann man den Wert einem der drei Ereignisse (vor bzw. nach dem Essen und die der Kontrollmessung) zuordnen. Beim Entfernen des Streifens schaltet sich das Gerät - ähnlich wie bei dem GL44 - automatisch ab.

Eine Vergleichmessung mit dem Bayer Ascensia Contour ergab im oberen Blutzuckerbereich (Contour 12,1 mmol/l beurer 255 mg/dl) fast eine Abweichung von 36,9 mg/dl oder 2,05 mmol/l. Bei sehr tiefen Blutzuckerwerten ist die Abweichung nicht so stark. Während das Contour eine leichte Unterzuckerung mit 3,6 mmol/l anzeigte, war der gleiche Blutstropfen dem beurer nur ca. 10 mg/dl weniger - 45 mg/dl “wert”. Eine Abweichung von 2 mmol/l wäre hier deutlich gravierender.

Da in beiden Fällen der gleiche Blutstropfen verwendet wurde, ist das ein relativ hoher Unterschied, der jedoch nicht zwingend über die Qualität des Gerätes Auskunft gibt, da es sich nicht um eine Vergleichsmessung mit einem Laborgerät handelt.

Display

Das Display befindet sich auf der Vorderseite des stiftähnlichen Messgerätes. Im Gegensatz zu dem “kleineren Bruder”, dem GL44 ist das Display relativ klein. Es umfasst nur ungefähr 40 Prozent der Seitenoberfläche des gesamten Gerätes. Da die Symbole und die Ziffern folgend ebenfalls recht klein sind und das ganze Display leider nicht so kontrastreich wie bei einem Contour USB oder der Animas 2020 beleuchtet wird, leidet die Lesbarkeit der Messwerte merklich. In einem bestimmten Winkel sind die Anzeigen leider gar nicht mehr erkennbar. Trotzdem verdient es fast vier von fünf Sterne. Immerhin ist der Aufbau des Gerätes äußerst kompakt und so wäre es anmaßend ein größeres Display zu verlangen.

Software

Als ich meine ersten Werte gemessen hatte, wollte ich Software des Gerätes ausprobieren und steckte es in den USB-Port. Dabei fiel mir auf, dass das Gerät so breit ist, dass nur ein einziger Steckplatz meines Laptops das Gerät aufnehmen konnte. Auf dem Display sieht man die Aufschrift “USB”, doch mehr passiert nicht. Ein Blick in das Handbuch verriet mir, dass das Gerät neben der SiDiary- und Diabass Kompatibilität eine eigene Software hat, die man nicht auf dem PC installieren braucht. Doch leider erkannte mein Rechner weder das Gerät noch die Software. Nachdem auch das Handbuch keine Erklärung für diesen unverständlichen Fehler lieferte, besorgte ich mir ein USB Verlängerungskabel und versuchte das Gerät an den einzigen USB Port meines Laptops anzuschließen, der eine eigene Stromversorgung beinhaltet (bei meinem Lenovo Thinkpad an den Hinweis “SATA USB” erkennbar. Dort war es mir möglich, auf die firmeneigene Software “GlucoMemory” zuzugreifen. Dabei handelt es sich um eine kleine Read-Only Software, die es ermöglicht, die Werte im Linien-, Tagesdurchschnitt- und Wochendurchschnittsdiagramm darzustellen. Zusätzlich lassen sich Balkendiagramme bezüglich des Erreichen des Zielwerts und der Differenzierung in präprandiale und postprandiale Messungen abrufen. Ganz ganze kann mithilfe eines pdf- und csv-Exportes dem Arzt vorgelegt werden. Da die Software zudem intuitiv zu bedienen ist und über alle notwendigen Grundfunktionen verfügt, verdient das Gerät in diesem Bereich fünf von fünf Sternel, zumal die wenigsten Konkurrenzprodukte über eine solche Möglichkeit verfügen.

Ich gehe davon aus, dass der fehlende Hinweis auf die Notwendigkeit eines stromliefernden USB-Ports in absehbarer Zeit im Handbuch zu finden sein wird, da diese Problemstellung bei mehreren anderen Rechnern rekonstruierbar war.

Preis

Die Teststreifen sind dieselben wie bei dem beurer GL44 und liegen durchaus im günstigen Preissegment. Nach einigen Suchen findet man 50 Teststreifen ab 21,99 € (siehe http://www.seniormedic.de 12.11.2011). In Kombination mit diesen erhält man das Gerät schon für insgesamt 28 € (ebenfalls http://www.seniormedic.de 12.11.2011). Da es in den übrigen Kategorien recht gut abschnitt, lässt sich abschließend somit ein recht gutes bis sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis konstatieren: Fünf von fünf Sterne.

Meinung, Kritik und Fazit

Zusammengefasst hat das neue “Flagschiff” der GL-Reihe durchaus ein paar Kinderkrankheiten. Obwohl beurer die Werte mit den Labormessungen verglich, überraschten mich die bis dato in vergleichbaren Tests höchsten Abweichungen gegenüber meinem Contour-Testsystem. Trotzdem möchte ich dies nicht in die Bewertung einfließen lassen. Ebenso die punktuell verbesserungswürdige Dokumentation - siehe Anschluss am Rechner - und das aus einem 45 Grad von oben nicht mehr besonders gut lesbare Display sind keine gravierenden Mängel am Gerät. (PS: Aus einem Blickwinkel von 20 Grad bezogen auf die Displayoberfläche bspw. gewinnt die Anzeige wieder an Kontrast und die Werte sind wieder lesbar).
Der größte Pluspunkt liegt eindeutig in der Innovation. Wie auch schon das Contour USB vereint das Gerät einen USB Port inkl. der Tagebuchsoftware mit einem Blutzuckermessgerät. Im Gegensatz zum benannten Konkurrenzprodukt erweitert beurer das 2-1-Gerät um die Stechhilfe, ohne dabei das Gerät unhandlich werden zu lassen. Daher hoffe ich inständig, dass diese Idee beibehalten und zur Perfektion gebracht wird. Das getestete Gerät erhält schon mal ein sicheres “gut”.