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Der kleine Reisebegleiter in der II. Generation

Einleitung

Vor fast vier Jahren hatten wir das STADA Gluco Result to go in der Hand und waren vor allem von seiner Größe beeindruckt. Die Stechhilfe war damals jedoch der größte Malus, denn das Messgerät an sich war im Langzeittest ein verlässlicher Reisebegleiter gewesen. Auch der Nachfolger: das Stada Gluco Result to go plus besticht schon auf den ersten Blick mit seiner fundamental geringen Größe. Ob die Qualität der Messung ebenfalls so außergewönlich ist, soll im nachfolgenden Bericht versucht werden zu klären. Leider ist es wieder ein Linzenzgerät aus den Staaten (Nipro Diagnostics) und keine Eigenentwicklung.

Daten

  • 500 Speicherplätze mit Datum und Uhrzeit
  • Durchschnittswerte für 7, 14 und 30 Tage
  • Probenmenge 0,5 µl Blut
  • Messzeit: 4 bis 7 Sekunden
  • Alternative Körperstellen sind für die Blutzuckermessung ebenfalls geeignet (AST)
  • Messbereich: 1,1 - 33,3 mmol/l (20 - 600 mg/dl)
  • Temperaturbereich: 10 - 40 °C
  • Analysemethode: Elektrochemisch
  • Stromversorgung: 1x 3 V Lithiumbatterie vom Typ CR 2032
  • Gewicht: 17 g
  • Größe: 42 x 36 x 20 mm
  • Internetpräsentation: www.glucoresult.de
  • Lieferumfang

    Das Stada Gluco Result to go PlusDas Set umfasst zum ersten eine Gerätetasche mit dem Gerät. Witzigerweise war das Messgerät beim ersten Auspacken schon auf eine Teststreifendose gesteckt, so dass man gleich erkennen konnte, wie handlich klein das Gerät ist. Darüber hinaus findet der Käufer noch ein Benutzerhandbuch, auf das ich später noch separat eingehen werde, eine Kurzanleitung als A4 Faltblatt auf Englisch und Deutsch, ein Diabetestagebuch, Lanzetten, einen Stechhilfenaufsatz für AST-Stellen und die eigentliche Stechhilfe. Der Lieferumfang entspricht in jeder Hinsicht dem heutigen Standard bei einem Blutzuckermessgerät. Daher erhält das Stada Gluco Result to go plus in diesem Bereich vier von fünf Sternen. Für die Höchstbewertung fehlt noch ein “Gimmick”, wie zum Beispiel die Gummizug-Schutzhülle:

    Wenn man sich registrieren lässt, erhält man noch die Gummizug-Schutzhülle zugeschickt, mit deren Hilfe man die Stechhilfe auf der einen Seite und das Gerät mit den Teststreifen auf der anderen Seite zusammen transportieren kann. So kann man auch auf die Gerätetasche im Rucksack verzichten, vorausgesetzt, man weiß, den Müll zu entsorgen und wechselt alle paar Messungen die Lanzette in der Stechhilfe. Hinzukommt, dass bei meiner Version die Haltung für die Stechhilfe fast ein wenig zu groß war. Die Stechhilfe hat sich mehrmals in der Hosentasche “befreit”, indem sie rausrutschte. Trotzdem finde ich die Idee super. Schade, dass sie nicht per se mitgeliefert wird.

    Optik und Verarbeitung

    Das Gerät ist sehr klein, im Durchmesser kaum größer als ein Geldstück. Die genauen Maße sind mit dem Vorgänger identisch. Sie finden Sie oben unter “Daten”. Es passt super auf die Teststreifendose. Für diese ist es auch geeignet, denn auf die Unterkannte des Gerätes besteht aus einer Art Schraubverschluss. Das einzige Bedienelement des Gerätes befindet sich auf der Oberkannte. Mit ihm startet man das Menü des Gerätes. Mein vorliegendes Exemplar hat mit seiner blauen Farbe eine sehr angenehme Verarbeitung und selbst starke Erschütterungen lösen es nicht von der Dose, so dass die Verarbeitung des Gerätes als “sehr gut” bewertet wird. Anders sieht es mit der Stechhilfe aus. Der äußerst kleine schwarze Stift, der weiter unten nochmal separat bewertet wird, ist ebenfalls komplett aus Plastik. Obwohl das Gehäuse und der Lanzettenträger schon überarbeitet wurde (oder zumindest hatte ich das Gefühl, dass er überarbeitet wurde), hatte ich beim Auspacken den Gedanken, dass vor allem Letzterer Probleme bereiten könnte. Trotzdem möchte ich dem Gerät zusammenfassend noch fünf Sterne für die Optik und Verarbeitung geben.

    Dokumentation

    Das mitgelieferte Faltblatt als Kurzanleitung ist für neu manifestierte oder unsichere Patienten gut geeignet. Alle Schritte sind kurz und bündig erklärt. Dafür gibt es schon mal einen Pluspunkt. Beim ersten Durchblättern wirkt das 42 Seiten dicke Handbuch des Gerätes sehr grau. Da ich wenn möglich immer Formulierungen suche, die fehlinterpretiert werden könnten, möchte ich auch hier ein Zitat nennen: “Das STADA Gluco [...] ist ausschließlich zu quantitativen Messung der Blutzuckermessung in menschlichem Vollblut außerhalb des Körpers bestimmt [...]. Die genauesten Messergebnisse werden mit frischem Vollblut aus Fingerbeere oder Unterarm (Kapillarblut) oder aus einer Vene (Venenblut) erzielt.” (S.2). Es ist ein Schelm, der hier als unwissender denkt, dass man sich mit der Stechhilfe in die Vene stechen kann. Gleichwohl die Wahrscheinlichkeit der Fehlinterpretation äußerst gering ist / gen Null tendiert, überrascht mich der korrekte aber an dieser Stelle in meinen Augen unwichtige Hinweis auf die venöse Messung ähnlich eines Labors.
    Aber zurück zum “eigentlichen” Handbuch. Nach mehreren Hinweisen kommt auf der Seite 6 ein recht schlichtes aber durchaus übersichtliches Inhaltsverzeichnis. Die Erklärungen sind gut zu lesen und zu verstehen. Alleinig das Design, das an vielen Stellen ein wenig unübersichtlich wirkt, könnte überarbeitet werden. So wurden zum Beispiel wichtige Hinweise oder Überschriften nicht optisch hervorgehoben. So kann ich dem Handbuch nur vier Sterne geben.

    Stechhilfe

    Die Stechhilfe ist, wie auch das Gerät, sehr klein. Nach dem ersten Nutzen war ich überrascht, wie schmerzarm die Stechhilfe arbeitet. Auch nach fünfzig Messungen, kam es entgegen meiner Erwartungen noch nicht dazu, dass sich die Kappe der Stechhilfe selbstständig macht oder der Träger der Lanzette Spielraum bekommt und somit die Nutzung unangenehmer wird. Einen Nachteil muss ich trotzdem anbringen. Bei schlechten Lichtverhältnissen kann man die Markierungen der stufenweise einstellbaren Einstichtiefe nicht gut lesen. In diesen Fällen - ich habe bei einem Lanzettenwechsel am nächtlichen Bett aus Versehen die Einstellung verändert - muss man ggf. das Klicken der Einstellung nachzählen. Auf der anderen Seite sind solche Situationen bei größerer Vorsicht durchaus zu vermeiden, so dass ich die volle Punktzahl - fünf Sterne - geben kann. Trotzdem hätte man die Punkte und Ziffern auch in weiß halten können.

    Messung, Einstellungen und Funktionen

    Wenn man die Datentabelle des Gluco Result to go und das jetzige Gluco Result to go plus vergleicht, erkennt man schnell, auf welchem Gebiet eine Verbesserung erzielt wurde. Das wären auf der einen Seite das Messverfahren und auf der anderen Seite der Funktionsumfang des Gerätes. Vor allem die Datenauswertung über die Programme Diabass (Wer nutzt das denn noch?) und med-import, der größere Datenspeicher und die Durchschnittsberechnung sind verbessert worden. Genauso wie beim älteren Gerät wird die Messdauer aber immer noch nicht konkret angezeigt, bzw. vorgegeben.
    Doch beginnen wir erstmal die Messung kurz zu beschreiben. Wenn das Gerät auf eine Teststreifendose gesteckt wurde, braucht man diese nur aufklappen, einen Testreifen entnehmen und diesen mit der Spitze zum Finger und den schwarzen Dioden nach oben in den Schlitz einzuführen. Mit ein wenig Übung gelingt dieser Vorgang auch ohne die Betätigung der rückseitigen Taste, die das Gerät startet. In diesen Fällen habe ich das Gerät durch ein nochmaliges langes Drücken dieses Bedienelementes ausgeschaltet.
    Mit dem Einführen des Streifens wird ein kleiner Blutstropfen auf dem Display sichtbar. Der Bluteinzug funktionierte im Test mit über 50 Messungen ungewöhnlich schnell und reibungslos. Dafür erhält das Gerät einen Pluspunkt. Negativ ist das Nichtanzeigen der weiteren Messzeit. Für ungeduldige Zeitgenossen können diese vier bis sieben Sekunden sehr lang werden, wie ich gemerkt habe. Nach der Messung entfernt man einfach den Teststreifen und das Gerät deaktiviert sich von alleine. Wenn man die Durchschnittswerte oder vergangene Einzelmessungen wieder aufrufen will, drückt man einfach auf den rückseitigen Knopf und springt ähnlich eines kleinen Autobordcomputers von einer Anzeige zur nächsten. Bei Vergleichmessungen mit dem gleichen Blutstropfen (keine Laborbedingungen!) und dem Contour USB Next ergab sich das Bild, dass das STADA Gerät durchgehend etwas höher lag. In vier von fünf Fällen waren es aber wenige mg/dl, so dass ich diesen Unterschied als noch akzeptabel ansehe.

    Insgesamt hat mich das Gerät schon positiv überrascht. Im Gegensatz zum Vorgänger war das Handling sehr einfach und das Stada Gluco Result to go plus bestach durchgehend mit seiner Zuverlässigkeit. Die leichte Unstimmigkeit mit meinem Hauptgerät - dem Contour USB Next möchte ich nicht überbewerten, da sie nicht unter Laborbedingungen gemessen wurde. Da das Gerät aber über keine Displaybeleuchtung verfügt, muss ich in dem Bereich Messen einen Stern abziehen: Bei schlechten Lichtverhältnissen oder bei Diabetiker/innen mit Sehstörungen ist das Messergebnis schlecht zu lesen. Ein OLED-Display würde auch bei dieser Größe Abhilfe schaffen.

    Preis

    Der Preis für das Set beläuft sich im Internet von 26 bis 29 € und ist damit ähnlich teuer wie das Vorgängergerät. Die meisten Markengeräte anderer Hersteller sind etwas teurer, was im Test natürlich positiv gewertet wird. Die Teststreifen sind identisch mit denen der anderen Gluco Result Geräte. Sie kosten zurzeit um die 20 € im Fachhandel. Da viele andere Teststreifen deutlich höher liegen, erhält das Gerät in dieser Sparte fünf von fünf Sternen.

    Meinung und Fazit

    Eine Sache, die ich bei einigen Herstellern nicht nachvollziehen kann, ist das mitgelieferte Tagebuch. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich betonen, dass STADA hier kein Einzelfall ist. Nach meinem Test hatte ich das Gefühl, dass vor allem das kleine Display die mögliche Gummizughalterung und die Datenübertragungsmöglichkeit eher dafür sprechen, dass Typ-1-Diabetiker mit dem Gerät angesprochen werden sollen. Das Tagebuch jedoch ist für Typ-2-Diabetiker ausgelegt. So enthält die Tabelle drei Tageszeiten, in denen das Bolusinsulin angegeben wird. Spalten für Insulinpumpenträger etc. sucht man vergeblich. Stattdessen kann der Blutdruck eingetragen werden. Als Pumpenträger kann ich das Tagebuch nicht gebrauchen. Dies ist aber nur eine Randnotiz und soll nicht in die Bewertung mit einfließen.

    Insgesamt hat mich das Gerät schon positiv überrascht. Die recht schmerzfreie Messung, die einfache Handhabung und Größe des Gerätes wiegen die etwas schlechteren Lesbarkeit des Displays und kleineren Mängeln an einigen Stellen deutlich auf. Als Reisemessgerät ist es absolut zu empfehlen. Mein Hauptgerät wird es jedoch nicht werden, da ich die softwareunabhängige Datenauswertung, die weiteren Funktionen und die bessere Lesbarkeit des Contour nicht missen möchte. Insgesamt erhält es somit vier Sterne mit einer deutlichen Entwicklung zur Höchstnote: Fünf Sterne!

    Bildquelle: 

    Eigene Aufnahme