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Das OneTouch Verio IQ - Das intelligente Messgerät?

Einleitung

Das letzte OneTouch Blutzuckermessgerät aus dem Hause LifeScan, d.h. Johnson&Johnson, welches ich rege nutzte, war das OTU 2. Seitdem ist es zwar nicht vollends still um den Anbieter aus den USA geworden, doch die großen Innovationen auf diesen hart umkämpften Markt veröffentlichten meiner Meinung nach die Konkurrenz. Da hat es mich schon positiv überrascht, dass ich vor kurzen ein neues Gerät in die Hände bekam: Das One Touch Verio IQ, mit dem Anspruch, dem Diabetiker schon nach der BZ-Messung neue Trends im Kurvenverlauf und wiederkehrende Problemzonen, beispielsweise morgendliche hohe Nüchternwerte aufzuzeigen. In wieweit das auch in der Realität funktioniert und Sinn macht, soll im nachfolgenden Bericht versucht werden zu klären.

Das OneTouch Verio IQ aus dem Hause LifeScanDaten

Firma: LifeScan
Name des Gerätes: OneTouch VerioIQ
Blutprobenmenge: 0,4 µL
Messzeit: 5 Sekunden
Speicher: 750 Testergebnisse
Messprinzip: FAD-GDH (Glucosedehydrogenase Flavinadenin-Dinucleotid)
Messbereich: 20 mg/dl - 600 mg/dl (1,1 mmol/l - 33,3 mmol/l)
Gewicht: 47 g
Kalibrierung: Plasmaquivalent
Temparaturbereich: 6 - 44 °C
Besonderes: kein Codieren; Trends werden erkannt
Aufladbarer Akku (bis zu 2 Wochen Standby)
Internetpräsentation: http://www.onetouchverioiq.de
Datenverarbeitung:  OneTouch® Diabetes Management Software (steht kostenlos zur Verfügung; natürlich ist das Gerät auch mit unabhängigen Softwareprodukten wie SiDiary kompatibel)

Lieferumfang und Dokumentation

Auf der Vorderseite des Sets fokussierte sich mein Blick sofort auf den Satz „Erkennt Trends automatisch“. Daneben sieht man das Messgerät, welches auf den ersten Blick eine Ähnlichkeit mit den ersten Ipods aus dem Hause Apple aufweist. Auf der Rückseite des Kartons wird diese „phänomenale“ Eigenschaft, die bei vielen anderen Geräten nur mit Hilfe einer PC-Software möglich ist, mit drei Screenshots beschrieben. Ob es sich dabei wirklich um einen Quantensprung der Blutzuckermessung handelt, werde ich im Bereich „Messen“ versuchen zu beantworten.

Im Lieferumfang eines Sets findet man das Messgerät, 10 Teststreifen, die Stechhilfe mit 10 Lanzetten, ein Mini-USB-Kabel, ein Netzadapter, die traditionelle Messgerätetasche – auch Etui genannt – und natürlich die Dokumentation des Gerätes, zu der folgend kommen werde. Zuvor möchte ich aber ein Urteil über den Lieferumfang loswerden. Der Lieferumfang ist absolut ausreichend. Selbst wenn man es nicht vermutet, ist vor allem die Datenverarbeitung und die Energieversorgung mit Hilfe des USB Kabels und des Netzadapters eine großartige Weiterentwicklung im Vergleich zu anderen Messgeräten des Herstellers.

Nun ein paar Worte zur Dokumentation, d.h. zum Handbuch des Gerätes. Das Handbuch ist sehr übersichtlich und gut strukturiert. Ähnlich wie in anderen Handbüchern über Blutzuckermessgeräte können sowohl die Fehleranalyse als auch die Handhabung mit Hilfe anschaulicher Illustrationen nachvollzogen werden.

Die Stechhilfe

Die in Deutschland mitgelieferte Stechhilfe „OneTouch Comfort“ (eigentlich aus dem Hause BD) - zumindest in Kanada liefert Lifescan das Modell Delica mit aus – zählt zu den älteren Modellen auf dem Markt. Schon das LifeScan Vita wurde von ihr begleitet. Trotzdem trügt das antiquierte Aussehen. Die Stechhilfe wird durch das einfache Ziehen der Spannvorrichtung am Ende des Stiftes aufgezogen. Der Auslöseknopf ist farblich gut sichtbar hervorgehoben, die mitgelieferten Lanzetten sich recht schmerzfrei und die Einstechtiefe kann in sechs Stufen differenziert werden. Doch genau dieser letztgenannte Punkt ist immer noch eine Schwachstelle an der Stechhilfe. Zwischen der Kappe und dem Torso des Gerätes befindet sich ein geriffelter Ring, der mit recht viel Kraftaufwand gedreht werden kann. Falls man nicht an der Kappe festhält, lässt sich die Tiefe nur vergrößern und nicht verkleinern: Beim Drehen des Rings im Uhrzeigersinn löst man automatisch die Kappe der Stechhilfe.

Vor allem ältere Diabetiker mit einer eingeschränkten Feinmotorik werden hier ihre Probleme haben, sodass ich der Stechhilfe nur drei bis vier Sterne geben kann.

Messen

Um den Messvorgang zu starten, entnimmt man einen der gabelförmigen Messstreifen und schiebt ihn an der Oberkante des Gerätes ein. Sofort startet das Gerät und erleuchtet sowohl das farbige Display, auf dem eine kleine Animation unter Überschrift „Blut auftragen“ startet, und die obere Seite mit dem Messstreifeneinzug. Leider wird das Blut an der Seite einzogen, so dass man ein wenig Fingerspitzengefühl für das Messen benötigt. Wenn das Blut aufgetragen wurde beginnt ein kurzer Countdown die Messzeit runterzuzählen und das Ergebnis wird in gut lesbaren Ziffern dargestellt. Natürlich kann man der Messung einen der beiden Items „Vor-“ und „Nach Mahlzeit“ zuordnen.
Gut fand ich die Möglichkeit direkt von der Messung ins Menü zu wechseln. Falls dies nicht beabsichtigt wird, ist es wie bei allen Messgeräten üblich, einfach den Teststreifen zu entfernen und das Gerät schaltet sich von alleine nach zwei Minuten wieder aus.
Bevor wir zum angesprochenen Menü kommen, möchte ich den Messvorgang abschließend bewerten. Auch wenn es nicht ersichtlich ist, kann der Teststreifen (identisch mit den anderen Verio-Geräten) nur mit der korrekten Seite eingesteckt werden. Sollte die weiße Seite nach vorne zeigen, springt das Gerät nicht einfach nicht an. Nach der Blutentnahme mit der mitgelieferten Stechhilfe muss man die Fingerbeere nur kurz an die Seite halten, damit das Blut unkompliziert und schnell eingezogen wird. Falls man stark unterzuckert ist oder es einem schwer fällt, die Finger still zu halten, kann es jedoch passieren, dass man diesen ca. einen Millimeter breiten beidseitigen Bluteinzug verpasst. Aus diesem Grund verdient der Abschnitt „Messen“ beim Verio IQ nur vier von fünf Sterne.

Außerhalb der Wertung möchte ich die Vergleichsmessungen mit einem Bayer Contour USB nennen, wobei versucht wurde, den gleichen Blutstropfen zu verwenden. Die Exklusivität begründet sich darin, dass nur Laborwerte eine Bewertung der Messgenauigkeit zulassen würden. Bei hohen Blutzuckerwerten lag der One Touch – Wert durchgehend etwas höher als beim Bayer Contour USB. Die Abweichungen betrugen allerdings weniger als 15% des Messwertes.

Menü und Display

Das Hauptmenü hat drei Auswahlmöglichkeiten. Unter „Chronik“ findet man sowohl die einzelnen Messwerte als auch die Mittelwerte der letzten 7, 14, 30 oder 90 Tage. Interessant sind die einzelnen, hier abrufbaren Analysen. So erkannte mein Gerät, dass ich in der vergangenen Woche „0 niedrige“ und „1 hohen Wert“ mit Markierung „Vor Mahlzeit“. Weniger gut gelungen ist der auf dem Display „erzwungene“ Sprung ins Hauptmenü, falls man auch die anderen Mittelwerte oder die allgemeine Werteliste abrufen will. Dachte ich zumindest, bis ich den vierten Knopf mit einem Pfeil nach links wahrnahm.

Die eigentliche Innovation des Gerätes ist die „Trendmeldung“. Diese Funktion muss man jedoch erst einrichten. So kann man den entsprechenden Alarm genauso aktivieren, wie die schon erwähnte Markierung der Werte. Wichtig sind hierbei jedoch die Grenzwerte, die individuell festgelegt werden können. Wenn man dies einmalig getan hat, gibt das Gerät auffällige Häufungen von Über- oder Unterzuckerungen zu entsprechenden Tageszeiten heraus.

Der dritte Punkt des Menüs umfasst die Einstellungen. Neben den Standardpunkten können hier sowohl die Seriennummer und die Softwareversion (Geräteinformationen) als auch die „Gerätefunktionen“ eingestellt werden. Hinter dem letztgenannten Begriff verbirgt sich seltsamerweise nur die Revision der Trendeinstellung (siehe vorherigen Abschnitt). Insgesamt ist das Menü übersichtlich, gut strukturiert und mit Hilfe des Farbdisplays auch gut lesbar. Da das Gerät über vier Bedienelemente verfügt, unter anderem „Ok“ und „Zurück“ benötigt die Menüführung weniger Menüpunkte als bei anderen Geräten. Lediglich erklärende Hilfetexte, über einen Button abrufbar, könnten an einigen Stellen eingefügt werden. Insgesamt verdient die Kategorie somit das Prädikat „gut“.

Preis-/Leistungsverhältnis

Das Gerät kostet aktuell bei den meisten Anbietern 30 €, womit es im mittleren Neuerscheinungssegment angesiedelt wurde. Die Teststreifen (50 St.) sind zwar über hood.de (02.11.2012) auch schon für 15 € erhältlich, schlagen aber bei den meisten anderen Anbietern mit 25 bis 30 € zu Buche. Zusammenfassend ist das Verio IQ zwar nicht angetreten im Low-Budget-Bereich eine Revolution auszulösen, doch im Vergleich zu anderen Neuentwicklungen mit einem gewissen Innovationscharakter ist es recht günstig. Daher verdient es hier auch das Prädikat „sehr gut“.

Meinung, Kritik & Fazit

Das OneTouch VerioIQ wartet mit einigen entscheidenden Neuerung auf. Sowohl der Betrieb über einen wiederaufladbaren Akku als auch die Datenverarbeitung stellen eine Verbesserung gegenüber den Vorgängermodellen dar. Darüber hinaus erkennt das Gerät häufige Messergebnisse abhängig von der Tageszeit und der Markierung prä- und postpradial. Diese Funktion wäre noch sinnvoller, wenn man zusätzliche Markierungen zur Auswahl hätte. So wäre es interessant, Messergebnisse „nach dem Sport“ oder „bei Unwohlsein“ separat analysieren zu können, um die individuelle Therapie anzugleichen. Hinzu kommt, dass das Gerät die möglichen Trends nach einem engen Muster analysiert. Ein hoher Blutzuckertrend wird beispielsweise erst nach drei (zu) hohen Werten vor einer Mahlzeit innerhalb einer gleichen Zeitspanne von drei Stunden in den letzten fünf Tagen erkannt. Diese Parameter sind leider nicht änderbar, obwohl dies, bspw. entsprechend eines bestimmten Wochentages: „Ihr Blutzucker scheint jeden Montag Vormittag zu hoch zu liegen“, Sinn machen würde.

Trotzdem empfand ich die Idee, die statistischen Trendanalyse, häufig erst bei der Datenverarbeitung auf dem PC möglich, schon auf dem Gerät vorzunehmen, als kleine aber sehr sinnvolle Hilfe.

Da die anderen Testkategorien im „guten“ bis „sehr guten“ Bereich lagen, verdient das Gerät somit ein „gut“. Vor allem die meiner Meinung nach nicht völlig ausgereifte Idee der Trendanalyse und einige wenige Schwächen bei der Stechhilfe und dem Teststreifenaufbau verbieten es mir, ein „sehr gut“ zu vergeben.