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Das Messen sollte "selbstcodierend" sein.

Laut einer Endanwenderbefragung der Firma Bayer mit rund 24.000 Patienten haben 57,1 % der Patienten den größten Vorteil des Contour im Gegensatz zu anderen Geräten in der fehlenden Notwendigkeit gesehen, das Gerät zu codieren. (Quelle: Presse-Informationen vom 01.09.2011)

Selbst wenn 70,6 % der 24.140 befragten Benutzer einen Typ-2-Diabetes haben und eventuell weniger Technikaffinität aufweisen als ein jugendlicher Typ-1-Diabetiker, und der Befragungszeitraum die ersten 10 Monate des letzten Jahres umfasste, sollte das Thema Codieren oder nicht codieren eigentlich schon längst vom Tisch sein.

Ähnlich wie im Blog des Diabetes-Journals (http://blog.diabetes-journal.de/2011/08/innovationen/) beschrieben, frage ich mich manchmal, weshalb sich etablierte "neuere" Technologien so langsam und teilweise inkonsequent auf dem Markt durchsetzen. Die automatische Codierung von Blutzuckerteststreifen ist hier nur eines von vielen Beispielen. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dieser Notwendigkeit, die vor allem von den großen Herstellern schon abgeschafft wurde?

Bayer selbst gibt in einer Patientenbroschüre an, dass “für die Produktion von Blutzuckerteststreifen verschiedene Rohmaterialien nötig [sind]. Diese können aufgrund ihrer Beschaffenheit geringfügige Abweichungen aufweisen. Um diese auszugleichen ist es notwendig eine Codierung vorzunehmen.” (Quelle: http://www.bayerdiabetes.at/html/pdf/blutzuckermessung_.pdf). Diese Erklärung findet sich in vielen verschiedenen anderen Texten, wie zum Beispiel den Diabetiker-Ratgeber wieder, wird aber nirgends stichhaltig bewiesen.

Diese Erklärung ist zwar ein Indiz, aber noch kein Beweis für die Notwendigkeit dieser Vorgehensweise. Eine Seite für PTA (Pharmazeutisch-Technische Assistenten) in der Apotheke gibt eine etwas andere Erklärung, vor allem bezüglich der No-Coding-Geräte. Laut der Seite http://www.pta-aktuell.de/praxis/news/6076-Blutzucker-Messung-bei-Diabetes/ ist die Codierung auch notwendig, um die Produktionsabweichungen bei den Teststreifen auszugleichen. “Bei den Systemen ganz ohne Codierung wurden die Teststreifenchargen mit Abweichungen [jedoch] bereits vor der Auslieferung verworfen. Dadurch sind die Teststreifen etwas teurer.”

Leider fand ich im mir zur Verfügung stehenden Werk von Norbert Leitgeb: Sicherheit von Medizingeräten aus dem Jahre 2010 ebenfalls keinen schlüssigen Hinweis.

Doch was passiert, wenn ich die Codierung falsch vornehme. In einen Artikel vom 05.09.2011 von Dr. Pillin im Diabetiker-Ratgeber wird von einer Untersuchung gesprochen, die rausfand, dass “die gemessenen Blutzuckerwerte bei richtiger Codierung durchschnittlich um bis zu 11 Prozent vom "wahren" Wert abweichen. Eine falsche Codierung erhöht die mögliche Abweichung auf rund 15 Prozent. Bei einem Blutzuckerspiegel von 100 mg/dl (5,6 mmol/l) würde demnach ein Wert zwischen 85 und 115 mg/dl (4,7 bis 6,4 mmol/l) angezeigt.” (Quelle: http://www.diabetes-ratgeber.net/Blutzucker/Falsche-Codierung--falsches-...) Ob dieses Ergebnis repräsentativ ist, sei dahingestellt, da hier nur der Unterschied “mit fünf Geräten” untersucht wurde.

Ich möchte es an dieser Stelle offen lassen, ob das Geheimnis hinter den No-Codierung-Geräten nun technologischer Natur ist oder ob die Hersteller Chargen an Teststreifen, die von den Produktionsstandards abweichen einfach wegwerfen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass die Technologie der “Selbst-Codierung” - in welcher Form auch immer - , die von einigen Herstellern schon vor vielen Jahren eingeführt wurde, schon längst als Standard angesehen werden sollte, denn die Codierung frist nicht nur Zeit im täglichen Umgang mit dem Diabetes, sondern stellt zudem einen Fehlerquelle par excellence dar.

PS: Alle angegebenen Links wurden am Tag der Veröffentlichung dieses Artikels (11.09.2011) kontrolliert.