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Das Contour XT - die dritte Generation

Einleitung

Bis auf wenige Exkurse zu anderen Herstellern durchlebte ich meine gesamte Diabeteszeit mit Blutzuckermessgeräten aus dem Hause Bayer. Mittlerweile ist die Contour-Reihe in der dritten Generation angelangt und hat sich fest auf dem Markt etabliert. Nachfolgend soll das Contour XT vorgestellt werden, welches hauptsächlich durch verbesserte Teststreifen aufgefallen ist. Ob es noch andere Gründe gibt, zu dem Gerät zu wechseln, oder ob stattdessen andere Fehler aufgetaucht sind, soll im nachfolgenden Bericht versucht werden zu klären. Das Schwesterngerät - das Contour USB Next wird ebenfalls in wenigen Wochen getestet werden, so dass und mögliche Wiederholungen zu entschuldigen sind.

Daten

Hersteller / Firma: Bayer®
Gerätename: Contour® XT
Messdauer: 5 Sekunden
Blutprobenmenge : 0,6 µl
Speicher: 480 Messergebnisse; Durchschnittswerte: 7, 14 und 30 Tage
Kalibrierung : Automatisch
Messmethode: elektrochemisch / enzymatisch GDH-FAD
Messbereich: 10 bis 600 mg/dl (0,6 bis 33,3 mmol/l)
Energieversorgung: Zwei 3-Volt Lithiumbatterien (Typ DL2032 oder CR2032)
Größe: 77 mm Höhe x 57 mm Breite x 19 mm Tiefe
Temperaturbereich: 5 °C bis 45 °C
Besonderes: Durch die verbesserten Messstreifen wurde die Messgenauigkeit signifikant erhöht.

Lieferumfang und Dokumentation

Der Lieferumfang des Gerätes im Set umfasst ähnliche Utensilien wie bei anderen Messgeräten. Neben dem Gerät, der Stechhilfe, 10 Teststreifen, dem Handbuch, fünf farbigen Lanzetten, umfasst das Set noch ein kleines Tagebuch, einen Fragebogen und die Gerätetasche. Wie schon bei anderen Geräten aus dem Hause Bayer empfand ich die Tasche als wenig hilfreich und nutzte sie nicht. Das liegt zum einen an der - wiedereinmal geringen Qualität des Reißverschlusses - im zweiwöchigen Test zeigte er starke Abnutzungserscheinungen als auch in der unpraktisch angebrachten Inneneinrichtung der Tasche.
Darüber hinaus verdient der Lieferumfang des Contour XT - Sets aber das Prädikat “gut”, da der Diabetiker alles vorfindet, was er im täglichen Umgang mit seinem neuen Begleiter benötigt.

Das Handbuch - oder besser gesagt - die Bedienungsanleitung zeigt schon beim ersten Durchblättern ihren Unterschied zu manch anderen Dokumentationen im Bereich der Blutzuckermessgeräte. Sie ist übersichtlich in vier Kapitel: “Erste Schritte”, “Messvorgang”, “Einrichten und Anwenden” und “Technische Daten und Pflege” eingeteilt. Alle vier Bereiche sind farblich am Rand markiert. Ebenso farblich sind auch die meisten Illustrationen und Bildfolgen, die den Umgang mit dem Gerät schulen sollen. Darüber hinaus sind die Überschriften der Abschnitte so eindeutig formuliert, dass man (alle) aufkommenden Fragen sehr schnell beantworten kann. Ich habe nur eine einzige Formulierung gefunden, die ein wenig uneindeutig war und zu Verwirrung führen könnte. Darüber hinaus habe ich mich beim Studium des Handbuches gefragt, ob es für die Sets in mmol/L andere Auflagen gibt: Alle Beschreibungen der Blutzuckerkonzentration waren in mg/dL ohne Zweitnennung angegeben. Neben den schon erwähnten Punkten ist vor allem der Bereich der “Technischen Daten und Pflege” positiv hervorzuheben, da sowohl die Messgenauigkeit, die möglichen Fehlermeldungen, als auch Hintergrundinformationen des Messverfahrens und Literaturhinweise gegeben werden. Die Dokumentation erhält somit fünf von fünf Punkten, gleichwohl minimale Defizite aufgefunden wurden.

Optik

Das Gerät sieht auf dem ersten Blick wie sein Vorgänger, das Bayer Contour (2006) aus. Lediglich die Farbgestaltung unseres Testgerätes ist nicht blau, sondern in im Grau-Silberton gehalten. Auf der Vorderseite sieht man drei Bedienelemente und ein größeres Display. An der Unterkante findet man den Einfuhrschlitz des Messstreifens und an der rechten Außenkante die Anschlussbuchse für die Datenverbindung mit dem Rechner. Auf der Rückseite kann man mit einer einfachen Handbewegung das Batteriefach öffnen, hinter dem sich die zwei Knopfzellen verstecken. Insgesamt ist die Optik durchaus noch zeitgemäß und verdient meiner Meinung nach vier von fünf Sternen.

Verarbeitung

Ein großer Vorteil der Testgeräte aus dem Hause Bayer war immer schon die Verarbeitung. Und auch am Enkel des damaligen ersten “Bayer Contour” konnten wir im Test nichts aussetzen. Ist ist robust, verträgt vereinzelnde Stürze aus größerer Höhe, das Display ist relativ kratzresistent und im Gegensatz zu manch anderen Gerät verschwindet höchstens die Farbe des Seriennummeraufdrucks auf der Rückseite. Die Druckintensität bei den drei vorderen Knöpfen ist angenehm und leierte auch im Test nicht aus. Ebenso das Batteriefach, welches man im Leben eines Gerätes nur selten öffnen muss, erwies sich als robust und verschlusssicher. Insgesamt verdient das Gerät in dieser Kategorie also die volle Punktzahl. Lediglich am Strand sollte man aufpassen, dass keine feinen Sandkörner in den Einfuhrschlitz des Teststreifens kommen.

Stechhilfe

Die Strechhilfe ist die klassische Microlet 2 Stechhilfe aus dem Hause Bayer. Im Gegensatz zum Vorgängermodell hat Bayer mit ihr ein bewährtes Hilfsmittel herausgebracht, dem Teststreifen minimale Blutmengen zuzufügen. Sie ist relativ klein, intuitiv zu benutzen und kann mit Hilfe eines gut drehbaren Kopfes die Einstechtiefe variieren. Seit einiger Zeit liefert Bayer farbige Lanzetten für ihre Stechhilfen. Da man sie höchstens bei einer durchsichtigen Kappe erkennt, bewerte ich diesen Trend mal als Gimmick und lasse ihn unkommentiert stehen.
Der einzige Minuspunkt war und bleibt die Lautstärke der Stechhilfe. Das Einrasten der Feder und auch ihr Auslösen ist auch nach dem längerem Gebrauch sehr gut - zu gut - zu hören. Daher bekommt sie nur vier von fünf Sterne.

Messen

Das Messen ist auch beim dritten Contour-Gerät (wenn man die Schwesterserie der USB-Geräte nicht mitzählt) sehr einfach. Nachdem der Teststreifen aus der Dose entnommen wurde, wird er mit der bedruckten Seiten nach oben in den Schlitz eingeführt. Die vorliegenden Teststreifen zeigen kleine Bayer-Logos, wodurch zwar der Anwendungsfehler des falsch herum eingesteckten Streifens vermieden wird, aber dafür auf der anderen Seite weniger gut sehende Mitmenschen ein Handikap haben könnten: Obwohl der Bluteinzug erkennbar in der Mitte des runden Endes des Streifens liegt, hebt er sich nun nicht so gut hervor wie beim Vorgängermodell.
Mit dem Einschieben erscheint eine kleine Animation, dass man nun den Blutstropfen ranhalten kann. Der Einzug ist bei jeder Messung sehr schnell und unkompliziert verlaufen. Nach fünf Sekunden erscheint das Ergebnis auf dem Display.

Bitte beachten Sie, dass gerade die Teststreifen in dieser Generation verbessert wurden und das Gerät folglich nicht abwärtskompatibel ist. Beim Versuch Streifen aus der vorherigen Generation zu verwenden, zeigte das Gerät “E 7” (laut Handbuch: “Falscher Sensor”) als Fehlermeldung an.

Wenn die Messung beendet wurde, kann man entweder den Teststreifen entfernen, wodurch sich das Gerät automatisch abschaltet oder - vorausgesetzt der “erweiterte Modus (L-2) ” ist aktiviert - dem Wert eines der drei Ereignisse - Präprandial / Postprandial / Testmessung - zuordnen.
Schade, dass es nur diese drei Ereignisse abspeichert. Andere Geräte können schon detailliertere Informationen mit dem Messergebnis verknüpfen, so dass man nichts beim Auslesen des Tagebuchs vergisst. Zusätzlich kann man sich nach dem Essen natürlich daran erinnern lassen zu messen. Auch eine individuelle Ober- und Untergrenze kann man dem Gerät mitteilen. Dies sind aber Funktionen, die schon eine ganze Weile zu den Serienausstattungen zählen, so dass sie das Urteil nicht beeinflussen.

Bitte achten Sie darauf, die Teststreifen sofort zu entsorgen. Beim Ablegen auf empfindlichen Oberflächen kann es wie beim Vorgängermodell dazukommen, dass Blut wieder austritt und Flecken hinterlässt.

Insgesamt erhält das Gerät viereinhalb Sterne für den Messvorgang. Er ist schnell, äußerst genau und unkompliziert zu handhaben, hat aber wenige Mängel, die ein “sehr gut” nicht zulassen.

Display

Das Display hat sich bis auf wenige Zeichen kaum verändert. Es ist groß, bis zu einem gewissen Grad sogar bei Sonnenschein ablesbar und äußerst deutlich. Durch die voreingestellte Einheit mg/dl oder mmol/l sollten auch keine Verwechslung, bzw. Fehlinterpretationen der Ergebnisse auftreten. Obwohl das Display vom Werk noch mit einer Schutzfolie versehen ist, erwies es sich auch ohne als relativ kratzresistent. Daher sind hier keine Mängel zu erkennen. Lediglich das nicht vorhandene Licht - in welcher Form auch immer - sehen wir als Nachteil an.

Preis

Qualitätsarbeit aus dem Hause Bayer hatte schon immer ihren Wert. Während das Set - egal in welcher Einheit - im günstigsten Fall schon für 5 oder 10 Euro zu haben ist, in der Regel aber 20 bis 30 Euro kostet, sind die Teststreifen mit 26 bis 38 € (50 Stück) relativ kostenintensiv. Dafür erhält man aber äußerst genaue Werte und kann die Streifen ggf. auch für das zweite Bayergerät dieser Generation verwenden: Das Contour USB.

Meinung, Kritik und Fazit

Zusammengefasst hat Bayer mit dem Contour XT ein solides und gut messendes Nachfolgegerät des Kassenschlagers Contour herausgebracht. Leider reduzieren sich die Verbesserungen auf die Testsreifen, wenige kosmetische Änderungen im Menü und dem sehr guten Handbuch. Der Hauptkritikpunkt aus dem Jahre 2006 - das fehlende Licht - wurde nicht behoben. Auch die Funktionalität des Menüs hätte man dem Contour USB annähernd erweitern können. Trotzdem erhält es von uns vier von fünf Sterne. Allein die Messgenauigkeit war im Vergleich zu anderen Messgeräten und einem zur Verfügung stehenden Laborgerät beeindrucken.