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Das Contour USB Next - Ein Erfahrungsbericht

Einleitung

Seit Jahren benutze ich das Contour USB aus dem Hause Bayer und war mit dem Gerät bis auf wenige Punkte voll und ganz zufrieden. Daher war ich natürlich hoch erfreut, dass Bayer eine zweite Version (engl. “nächste”: “next”) veröffentlichte. Als ich das Gerät zum ersten Mal in den Händen hielt, konnte ich keine maßgebliche Änderung feststellen. Ob es jedoch im Gebrauch beim “Alten” blieb, soll im nachfolgenden Text versucht werden zu klären.

Technische Daten

Hersteller / Firma: Bayer®
Gerätename: Contour® NEXT USB
Messdauer: 5 Sekunden
Blutprobenmenge : 0,6 µl
Speicher: 2000 Messergebnisse mit Datum, Uhrzeit und Notizfunktion
Kalibrierung : Automatisch
Messergebnis: plasmakalibriert
Messbereich: 20 bis 600 mg/dl (1,1 bis 33,3 mmol/l)
Energieversorgung: Aufladen über den USB-Port des PCs
Farbiges OLED-Display, Menüführung mit drei Tasten
Temperaturbereich: 5 °C bis 45 °C
Abmessungen: 97 mm (H) x 30 mm (B) x 16 mm (T)
Besonderes: Direkte Eingabe von Insulin und Kohlenhydraten (Gramm/BE/KE) in das CONTOUR® NEXT USB

Lieferumfang und Dokumentation

Im Lieferumfang eines Messgeräte-Sets enthalten sind eine Tasche, die Stechhilfe, das Messgerät mit 5 Tesstreifen, eine Bedienungsanleitung - einmal in langer und einmal in kurzer Form, fünf Lanzetten, die sogar farbig sind, und ein USB Verlängerungskabel. Die meisten Bestandteile sind eingeschweißt verpackt. Obwohl ich das USB Verlängerungskabel zu einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht benötigen werde, ist es schon ein feiner Zug der Firma Bayer, hier auch an die Desktop-PC-Nutzer zu denken, die ihre USB Anschlüsse oft nur auf der Rückseite ihres Rechners unter dem Schreibtisch erreichen.
Im folgenden Absatz soll die Bedienungsanleitung genauer betrachtet werden. Schon beim ersten Durchblättern des mit 80 Seiten relativ umfangreichen Werkes fällt ein positiver Aspekt auf. Im Gegensatz zu manch anderen Handbüchern ist die Bedienungsanleitung des Contour next USB in Farbe. In anschaulicher Art und Weise wird der Diabetiker über die Funktionen, Einstellungen, die Software GlucoFacts Deluxe, den Messablauf, das Zubehör und vieles andere informiert. Die allgemeinen Ausführungen, wie zum Beispiel zum Thema AST (Alternative Messtellen) ersetzen aber kein richtiges Gespräch mit dem Arzt oder Diabetesberater. Trotzdem ist es interessant, wie umfangreich eine Bedienungsanleitung eines eigentlich für einen langjährigen Diabetiker intuitiv zu bedienenden Gerätes sein kann. Insgesamt verdient das Gerät in dieser Sparte fünf von fünf Punkten.

Optik

Ähnlich wie das Vorgängergerät erinnert das Contour next USB an einen etwas dickeren USB Speicher Stick. An einem Ende befindet sich die Teststreifeneinfuhr und am anderen der USB-Stecker für die Verbindung zum PC. Es ist sehr handlich und gut in der Hosentasche zu verstauen. Den größten Teil der Seitenfläche nimmt das mehrfarbige Display ein. Daneben - d.h. zwischen dem Display und dem USB Stecker findet der Benutzer noch drei Tasten für die Menüführung des Gerätes. Mit Hilfe des relativ kleinen zusätzlichen Bedienelementes, um nicht zu sagen, des Druckknopfes “Menü” auf der Oberkante des Gerätes startet man jenes Menü, wenn man keine Messung durchführt.
Die reine Optik verdient somit die volle Punktzahl. Trotzdem möchte ich anmerken, dass die Handhabung besser wäre, wenn man die Stechhilfe oder die Teststreifendose irgendwie, vielleicht in Form eines Clips oder so, an das Gerät anbringen könnte, denn die Tasche hat weder vier noch fünf Sterne im Bereich der Optik verdient: Die Schlaufen zum Halten der Teststreifendose und des Gerätes sind unpraktisch (zu eng), die grau-schwarze Farbgebung unpassend und die Verarbeitung wirkt äußerst billig, da beim Testgerät die Nähte nach wenigen Tagen aufgingen. Daher möchte ich diese Kategorie mit fünf Sternen bewerten, aber ein großes Minus für die Tasche vormerken.

Funktionen & Verarbeitung

Welche Funktionen hat das Gerät? Laut Hersteller soll hier einer der beiden Verbesserungsschwerpunkte im Vergleich zum Vorgängermodell liegen. Wenn kein Messvorgang durchgeführt wurde, kommt man mit dem zuletzt erwähnten Menüknopf auf der Oberkante in das Setupmenü. Hier wählt man die Sprache, das Datum, die Uhrzeit, den angestrebten Zielmessbereich bei nüchternen, präprandialen (d.h. vor dem Essen) und postprandialen Messungen aus. Interessant ist, dass alle Menüpunkte mit einem “?” versehen sind, hinter dem ein Hilfetext nähere Informationen liefert. Leider ist keine Möglichkeit vorgesehen, zwischen mg/dL und der SI-Einheit mmol/L zu wechseln.
Nachdem diese einführenden Einstellungen getroffen wurde, gelangt man nun in das Setup. Hier kann man einige Einstellungen revidieren, aber auch den Ergebnisspeicher und die Trends aus- bzw. ablesen.
Dabei kann man auch neue Insulinangaben und Kohlenhydratwerte eingeben, doch dazu mehr im Bereich “Messen”.

Stechhilfe

Bevor wir zum Messen kommen, möchte ich ein paar Worte zu der Stechhilfe loswerden. Diese ist eine Standard Microlet 2. Die Kappe - ein Problem der Vorgängerstechhilfe - bleibt nun fest dran, ist aber zum Lanzettenwechsel recht gut zu öffnen. Sie ist relativ klein, gut zu verstauen und intuitiv zu nutzen. Als kleines Gimmick hat Bayer die farbigen Lanzetten rausgebracht. Da es zwar eine durchsichtige Kappe gibt, diese aber meist nicht verwendet wird, speichere ich diesen Setinhalt als weniger relevant ab. Alleinig die Lautstärke des Hilfsmittel, wenn man die Stechhilfe auslöst, bzw. aufzieht, sehe ich als negativ an und führt zu einem Abzug von einem Punkt.

Messen

Der Messvorgang startet logischerweise mit dem Einführen des Teststreifens. Mit dem Einzug der Blutprobe kann man auswählen, ob die Messung nüchtern, vor oder nach dem Essen durchgeführt wurde. Falls man nicht innerhalb der Messzeit von 5 Sekunden reagiert, kommt sofort das Ergebnis. Nun kann man dieses einem Ereignis, bzw. Krankheit etc. zuordnen. Die Messung ist sehr intuitiv und einfach. Im Gegensatz zum Vorgängermodell, deren Teststreifen nicht kompatibel sind, komplett weiß waren, hat das Contour USB Next einseitig bedruckte Streifen. So wird zwar vermieden, dass man diese aus Versehen mit dem Bluteinzug nach unten einsteckt, aber auf der anderen Seite sieht man durch den die ganze Oberfläche umfassenden Aufkleber die Bluteinfuhr nicht mehr. Ein zur Hälfte bedruckter Teststreifen wäre hier die passende Lösung. Ein weiterer - gleichwohl schwerwiegenderer Nachteil des Gerätes ist die nicht vorhandene Beleuchtung des Teststreifens. Während das Gerät im Auflademodus am Teststreifeneinschub blinkt, kann man diese LED leider nicht während des Messvorgangs aktivieren. Trotzdem bekommt der Messvorgang das Prädikat “gut plus” (4+ Punkte). Die möglichen Zuordnungen, die Geschwindigkeit und die intuitive Nutzung sprechen für sich.

Wenn man den BZ gemessen hat und nun isst, kann man auch diese Daten dem Gerät mitteilen. Unter dem Menüpunkt “Speicher” findet man die Auswahlmöglichkeiten “Kohlenhyd.” und “Insulin”. Mit Hilfe kleinen Fragen, die jeweils mit einem “?” - Menüpunkt dokumentiert sind, kann man die BE und die Insulinmenge eingeben. Leider ist die Insulinmenge nur in 0,5 IE Schritten einstellbar. Der Vorteil an dieser eines BZ-Tagebuch ähnlichen Dateneingabe ist die kinderleichte Übertragungsmöglichkeit per USB-Port, die im übernächsten Schritt nur kurz vorgestellt werden soll.

Display

Das Display ist wie schon beim Vorgängermodell farblich. Während auf der rechten Seite - in der Nähe der drei Menüknöpfe - die Auswahlmöglichkeiten angezeigt werden, findet man auf der linken Seite das Messergebnis und die Stromanzeige. Selbstverständlich ist das Display nicht so groß, dass es für sehbehinderte Diabetiker geeignet wäre, doch dieser Malus spielt nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen möchte ich hervorheben, dass die Helligkeit des Displays eine ausgezeichnete Lesbarkeit in dunklen Räumen, ähnlich eines Kinosaals ermöglicht. Insgesamt bekommt das Display daher fünf von fünf Sterne.

Software

Der Akku des Blutzuckermessgeräts wird zum einen über den USB Port aufgeladen und zum anderen aktiviert sich durch die Verbindung mit dem PC die Software Glucofacts Deluxe. Falls der Autorun nicht funktionieren sollte oder - wie in meinem Fall - von der Firewall geblockt wurde - können Sie die Software über den Explorer (Wechseldatenträger - Glucofacts Deluxe Smart Launch) manuell starten.
Nach der Auswahl der Sprache startet automatisch das Installationsprogramm. Leider braucht das Programm eine aktuelle Java-Version, die erst beim dritten Versuch ordentlich installiert wurde. Nachdem ich danach das Gerät einmal kurz raus- und wieder reinsteckte, startete das Programm automatisch. Nachdem einige Minuten vergingen und die Messergebnisse importiert wurden, gelangt man zum eigentlichen Programm. In diesem kann man eine “Trendanalyse” erstellen oder einfach nur die Daten für den Arzt oder der eigenen Dokumentation ausdrucken. (ggf. auch als Pdf). Alternativ dazu kann man natürlich auch das CSV Format nutzen, obgleich es nicht mehr so beliebt zu sein scheint. Ohne die Vielzahl der verschiedenen Diagramme und Analysen aufzuzählen, möchte ich abschließend nur feststellen, dass sich die Software durchaus lohnt. Sie ist sehr komplex, gut dokumentiert und ermöglicht bei der entsprechenden Quantität von Messdaten eine ausgezeichnete Analyse der Blutzuckerverläufe. Von dieser Warte her bekommt das Gerät die volle Punktzahl.

Preis

Das Gerät ist aktuell noch relativ teuer. Angefangen von 29,90 € erstreckt sich die Preisspanne bis zu 70 € für das Messgerät. 50 Teststreifen sind ähnlich wie beim Vorgängermodell ab 26 € erhältlich. Auch in Anbetracht einer zu erwartenden Preissenkung ist das Contour Next USB somit recht preisintensiv. Dafür erhält man die verbesserte Messtechnologie mit einem noch geringeren Fehlerquotienten und einer bis dato fast einmaligen Software-Implementierung. Daher möchte ich den Preis nicht in die Bewertung mit einbeziehen.

Meinung, Kritik und Fazit

Das Contour USB Next stellt weniger eine absolute Neuentwicklung da, als vielmehr einen guten Nachfolger des berühmten Vorgängermodells. Sowohl die Messgenauigkeit als auch die nun intuitive Menüführung wurden merklich verbessert und in Zusammenhang mit der implementierten Software entfaltet das Gerät eine ganze Vielzahl von (neuen) Funktionen. Selbstverständlich könnte man aber auch das Contour USB Next noch verbessern: Angefangen vom Aufkleber der Testsreifen über die Nutzung der vorhandenen LED zur Beleuchtung des Messstreifens während des Blutprobeneinzugs bis hin zur Gerätetasche hat auch das Contour USB Next kleine Schwachstellen. Hinzu kommt die offensichtlich eindeutige Beschränkung auf die Zielgruppe der technikaffinen Typ-1-Diabetiker, was nicht heißen soll, dass jeder Typ-1-er Ahnung von Technik hat bzw. jeder Typ-2-er in den 70er Jahren stehen geblieben ist ^^.

Trotzdem oder gerade deshalb verdient das Contour USB Next aus meiner Sicht eine ähnliche, wenn nicht sogar bessere Bewertung wie vor einigen Jahren das Vorgängergerät. Aufgerundet erlangt es somit fünf von fünf Sterne.

Quelle: 

Daten: Pressemitteilung von 15.05.2012 der Bayer Vital GmbH