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Das besondere Handy der dritten Generation - das Mobile III

Einleitung

Die Blutzuckertestgeräte, die keine Einzelteststreifen nutzen, sondern auf einer Kassette oder Trommel mehrere Messungen ermöglichen, haben bei Roche Accu-Chek schon fast so etwas wie eine Tradition. Im folgenden Bericht soll das neuste Kind aus dieser Produktreihe vorgestellt werden, obgleich der Name in die Irre führen könnte. Das neue Accu-Chek Mobile, deren Namensvetter und Vorfahre schon am Ende des letzten Jahrzehnts erschien hat genauso wie das Mobile (2009) eine reguläre Kassettengröße von 50 Teststreifen.

In welchen Bereichen das neue Mobile jedoch mit einer Weiterentwicklung, bzw. Verbesserung punktet, soll nun in Form eines Erfahrungsberichts geschildert werden.

Daten

Das Mobile III von AccuChekFirma: Roche Accu-Chek
Gerät: Mobile III
Größe 121 x 63 x 20 mm (mit Stechhilfe)
Messmethode: Reflexionsphotometrische Bestimmung aus frischem Kapillarblut
Blutmenge: 0,3 µl
Messbereich: 10-600 mg/dl oder 0,6-33,3 mmol/l
Messzeit: 5 Sekunden (abhängig von der Konzentration)
Temperatur: 10 - 40°C
Speicherkapazität: 500 Messungen mit Uhrzeit und Datum; Durchschnittswerte für 7,14 und 30 Tage
Batterie: 2 Alkali – Mangan – Batterien (1,5 V, AAA, LR 03, AM4 oder Micro); Pufferbatterie 3 V Lithium Knopfzelle Typ CR1025
Schnittstelle: USB - Mikro-USB-Kabel

Lieferumfang

Im Set - in orange-weißen Farbtönen gehalten - enthalten ist das Messgerät, die Stechhilfe, die in einer Schiene an der Seite des Gerätes eingeschoben wird, eine Kassette mit 25 Teststreifen, ein USB-Kabel, die üblichen Garantiekarten und die Gebrauchsanweisung. Der User findet keine Tasche, denn das Mobile ist genauso wie sein namensgleicher Vater und dem Compact (als Großvater) ein All-in-One-Gerät, das ohne Tasche auskommt. Trotzdem ist der Lieferumfang absolut ausreichend und im Gegensatz zu einigen anderen Geräten liefert Accu-Chek das Datenübertragungskabel gleich mit. Also fünf Sterne.

Optik und Verarbeitung

Die Grundlinie der Optik war schon bei den Vorgängern die gleiche: Schwarz, ungefähr so groß wie ein kleines Smartphone, nur schmaler, rechts die Stechhilfe mit Hilfe einer Schiene mit dem Gerät verbunden, auf der Vorderseite findet man die Bedienelemente. Neu ist das geringe Gewicht. Während man mit den Vorgängergeräten noch den Weitwurf für den Sportunterricht trainieren konnte (aber natürlich nie machte), ist das Mobile III sehr viel leichter geworden.

Dokumentation

Neben der Funktionalität ist auch die Dokumentation sehr wichtig, denn für weniger erfahrene Benutzer ist es schon relevant einige Funktionen nachzulesen. Auf den ersten Blick ist das orange-weiße Heftchen in einem Format zwischen A5 und A6 relativ dick. Auf 138 Seiten haben die Autoren versucht, dem Benutzer das neue Mobile näherzubringen. Beim ersten Durchblättern merkt man schnell, dass die Autoren mit drei bzw. vier Farbtönen (weiß, schwarz, orange, grau in verschiedenen Schattierungen) auskamen und es trotzdem interessant, pointiert und mit vielen Illustrationen versehen ist.
Ein erster Test soll das Einlegen der Kassette sein: Gleich im 2. Kapitel (S.18) wird der Ablauf des “ersten Einlegens” der Testkassette beschrieben. Schon im zweiten Abschnitt wird mir klar, wie wichtig das Handbuch ist: Ich hätte die Schutzfolie der Batterie vor dem Einlegen der Testkassette weggezogen. Auf den Seiten 19 bis 21 ist dann jeder Handschritt zum Wechseln der Kassette beschrieben. Die 8 Bilder beschreiben diesen Vorgang so detailliert, dass man definitiv nichts falsch machen kann.
Ein zweiter Test war die Suche nach der Blutprobenmenge. Auf Seite 124 steht unter “Blutvolumen” (interessante Bezeichnung): “Siehe Packungsbeilage der Accu-Chek Mobile Testkassette”. Der gleiche Hinweis ist auch unter dem Stichwort “Messbereich” zu finden. In der Packungsbeilage der Kassette findet man dann den Hinweis, dass 0,3 µl Blut notwendig sind, um die Messung ordentlich durchzuführen. Warum? Entweder Roche ging davon aus, dass sie später “bessere” Kassetten produzieren und die Handbücher nicht mehr umdrucken brauchen (der Volumenwert hatte sich übrigens seit dem ersten Mobile vor 4 Jahren nicht geändert, obwohl die Kassette an sich mit einem breiteren Feld, um das Blut aufzutragen, und einem verbesserten Bluteinzug verbessert wurde.) oder es ist ein kleiner Fehler im Handbuchkonzept.

Wie dem auch sei. An sich ist die Gebrauchsanweisung sehr gut geschrieben und umfasst alle wichtigen Bereiche des Handlings. Die Länge der Ausführungen wird mit einem gut sortierten Inhaltsverzeichnis und einem Stichwortverzeichnis ausgeglichen, so dass man ihm ohne Probleme fünf von fünf Sterne geben kann.

Stechhilfe

Bei der Stechhilfe hat sich einiges geändert. Das Prinzip der Lanzettentrommel ist jedoch geblieben. Hier sei ein Erlebnis zu erwähnen, das mir so noch nie passierte. Meine dreijährige Tochter bekam die Lanzettentrommel in die Hände und wollte ihrem Papa helfen, sie zusammen zu bauen. Das Resultat war, dass sie sie so oft rein und wieder raussteckte, dass anscheinend alle 6 Löcher schon durchgestanzt wurden und die erste (von zwei) Trommel anscheinend unbrauchbar geworden ist. Dies sollte eigentlich nicht passieren, doch da fiel mir auf, dass das Handling dieses Hightech-Produktes wenig Intuition zulässt. Sonst hätte es meine Tochter ja hinbekommen :D
Kommen wir zur Stechhilfe ansich: Der kleine aber sehr robuste Stift mit dem Namen “FastClix” enthält wie auch das Messgerät eine kleine Batterie an sechs Lanzetten, so dass man auch diese nicht separat mitnehmen muss. Der Wechsel erfolgt über einen Schieberegler, der gut erkennbar ist. Darunter kann der Benutzer noch die Einstichtiefe festlegen.
Ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber im Endeffekt sehr fortschrittlich ist die Ein-Klick-Technik: Im Gegensatz zu konventionellen Stechhilfen und auch zum Vorgänger bei Roche Accu-Chek muss man die Feder nicht separat durch den Knopf aufziehen, sondern erledigt dies und das Auslösen in einem Klick. Dadurch ist es vor allem für Menschen, die Hemmungen haben, sich selbst zu pieksen, einfacher geworden, Blut zu entnehmen. Selbst pieksen: Schon der Vorgänger bestach durch seine schmerzarme Blutentnahme. Dieses Urteil kann ich auch dem FastClix ausstellen. Bei allen Blutentnahmen hatte ich und eine andere Testperson nichts gespürt. Fünf Sterne! Ein wenig überraschend empfand ich den recht hohen Preis bei DiaExpert, falls man lediglich die FastClix nachkaufen möchte. Im Katalog Mai 2013 kostete sie 23,50 € (S.52). Auf der anderen Seite unterstreicht der Preis die attestierte hohe Qualität des Produktes.

Display

Das OLED Display ist sehr gut lesbar und bietet mit seiner gelben Schrift ein kontrastreiches Bild. Selbst bei starker Sonnenspiegelung im Display sind die Zahlen und Zeichen noch gut zu erkennen. Daher gibt es auch von Seiten der Lesbarkeit keine Einschränkungen.

Messung und Einstellungen

Auf dem Karton des Sets preist Roche die Messung in vier Schritte: “(Kappe) Öffen”, “Blut entnehmen”, “Messen”, “Klappe schließen”. Ob das ganze wirklich so einfach ist, soll nun beschrieben werden:
Es ist tatsächlich so. Beim ersten Messen fragte das Gerät nach dem Öffnen der Klappe noch schnell, in welcher Sprache ich angesprochen werden will, doch dann ging alles ganz schnell. Blut entnehmen, an das helle Testfeld halten, warten, Ergebnis. So sollte es sein.
Bei Vergleichsmessungen mit dem Bayer Ascensia Contour Next ergab sich auch keine größeren Abweichung: Bei hohen BZ-Werten hat das Bayer ein wenig niedriger gemessen, während das Mobile bei niedrigeren Werten, dicht an der Unterzuckerung etwas tiefer lag (1,6 mmol/l und 0,3 mmol/l). Repräsentativ sind jedoch nur Vergleichsmessungen mit einem Laborgerät. Bei den Vorgängergeräten war vor allem der laute Motor während des Messvorgangs ein Hauptgrund, weshalb ich das Gerät im Studium und Beruf abgelehnt habe. In diesem Bereich hat Roche wirklich dazugelernt. Das Mobil ist deutlich leiser geworden und fällt höchstens noch in einer Bibliothek auf, in der man ja sowieso nicht reden soll. :)

Kommen wir also zu den Einstellungen. Wenn man das mittlere Bedienelement auf der Vorderseite des Gerätes drückt, gelangt man ins Hauptmenü. Dort kann man die Durchschnittswerte erfahren, die Lautstärke, die Helligkeit, Datum, Uhrzeit und Sprache einstellen, mehrere Wecker (“Erinnerung”) stellen, einen Zielbereich festlegen, einen Anzeigentest durchlaufen lassen und die Haltbarkeit der Kassette überprüfen. Insgesamt sieht das Menü größer aus als es ist, denn bis auf kleine Gimmiks, wie die Regulierung der Helligkeit des Display, enthält das Menü alle Punkte, die auch bei der Konkurrenz zu finden sind. Hilfreich wäre zum Beispiel, wenn man neue, individualisierte Markierungen hinzufügen könnte, die dann in die Statistik mit einfließen.

Zusammen erhält diese wichtige Kategorie vier von fünf Sterne, da vor allem die Einstellungen etwas kompakter dargestellt oder umfangreicher hätten sein können. Auf der anderen Seite beherrscht das neue Mobile die Hauptdisziplin der Blutzuckermessgeräte ohne Abstriche sehr gut: Das BZ-Messen.

PC-Übertragung

Im 21. Jahrhundert scheint es angebracht, dass das Blutzuckermessgerät mit dem PC repräsentativ Laptop kommunizieren kann. Ähnlich wie andere Messgeräte nutzt das neue Mobile dazu ein Micro USB Kabel, das im Set enthalten war. Während das eine Ende im ganz normalen USB-Port angeschlossen wird, steckt man den kleineren Stecker in den hinter einem mit dem USB-Zeichen versehenen Gummifenster ein. Sobald die Verbindung hergestellt wurde, erkennt das System das Gerät als “neues Laufwerk” und auf dem Bildschirm des Mobile blinkt ein PC-Symbol. Ohne ins Handbuch geschaut zu haben, hatte ich beim ersten Start die “Start.html” im Hauptverzeichnis aufgerufen und bekam einen ausführlichen Accu-Chek-Mobile Report, den ich ähnlich einer Internetseite einfach ausdrucken oder zur pdf umwandeln kann. Neben dem Drucken kann man die unterschiedlich gearteten Verlaufskurven auch ohne Probleme als csv-Datei abspeichern. Der Vorteil des html-Formates liegt eindeutig in der plattformübergreifenden Kompatibilität des Verfahrens. Eine html-Seite wird von einem Linux-Rechner (fast) genauso interpretiert wie von einem iPad.

Trotzdem hat auch diese Art der im Gerät integrierten Software einen Nachteil: Nirgends kann man nachträglich die Insulineinheiten oder Broteinheiten eingeben, weshalb die Verlaufskurven nur eine relative Aussagekraft besitzen. Die Datenübertragung ist zwar im wahrsten Sinne des Wortes ein Kinderspiel, doch die Möglichkeiten der weiteren Auswertung, bzw. Aufbereitung sind so eingeschränkt, dass das Mobile in dieser Kategorie fast vier (d.h. drei!) von fünf Sterne erhält.

PS: En Aufladen eines Akkus über die USB-Verbindung wäre ebenfalls im Bereich des technisch machbaren. Schade, dass Roche Accu-Chek hier meiner Meinung nach nicht weit genug dachte.

Preis

Das Set kostet bei Amazon 21,33 € und eine Kassette von 60 Teststreifen 26 €, wobei einige Verkäufer bei Ebay sowohl das Gerät als auch die Teststreifenkassette günstiger verkaufen. In beiden Fällen ist das Gerät recht günstig und verdient daher die volle Punktezahl. Weshalb Roche diesmal unter den typischen 30 + x € für 50 Messungen geblieben ist, kann ich nicht beantworten.

Übrigens: Ein Karton voller Lanzettentrommeln mit insgesamt 204 Nadeln habe ich im Internet für 19,28 € gefunden, was insgesamt noch ganz akzeptabel ist.

Meinung und Fazit

Die Messmethode, die Batterien, die Spezifikationen der Teststreifenkassette sind im Vergleich zum Vorgängergerät identisch geblieben. Trotzdem gibt es Verbesserungen: Vor allem die Stechhilfe mit dem 1-Klick-Prinzip und die Datenübertragung zum PC wurde verbessert, der Motor ist geräuschärmer geworden und Teststreifenkassette ist verbessert worden. Hinzu kommt, dass das ganze Gerät günstiger geworden ist, was vor allem für die Krankenkassen oder die an den Kosten beteiligten Typ-2-Diabetiker relevant ist. Ein Problem des Vorgängers, dass Teststreifen für ungültig erklärt werden, wenn man nicht schnell genug sein Blut aufträgt, existiert zwar immer noch, doch das Zeitfenster wurde so stark vergrößert, dass es praktisch unmöglich ist, die Messung nicht durchführen zu können. Insgesamt ist das neue Mobile ein sehr gutes All-in-One-Gerät, bei dem man keine Streifendose mehr mittragen muss. Trotz einiger kleinerer Mängel im Test verdient es (im Vergleich zum Vorgänger) jedoch gerade so fünf von fünf Sterne.

Bildquelle: 

Eigenes Foto