Skip to main content

Paradigm Veo - Erfahrungsbericht

Erstellt in

Ich hab nun die Paradigm Veo für diesen Testbericht bekommen, die nun schon einige Zeit auf dem Markt ist. Ich schreibe diesen Bericht auf Basis der kleineren Veo, also der Paradigm Veo 554. Es gibt noch ein anderes Modell mit der Nummer 754, dies ist aber bis auf die Größe des Reservoirs identisch.

Optik:

Optisch sieht sie ihrem Vorgänger, der 522, sehr ähnlich. Die Beschriftung der Tasten ist leicht verändert, sonst hat sich optisch allerdings nichts verändert. Image

Die Pumpe gibt es in fünf Farben: anthrazit, blau, durchsichtig, lila und rosa

Funktionen:

Paradigm Link:

Die Pumpe hat weiterhin die ParadigmLink-Funktion. Das bedeutet, dass die Pumpe mit dem Blutzuckermessgerät Bayer Contour Link zusammenarbeitet. Das Blutzuckermessgerät schickt die jeweiligen Blutzuckerwerte per Funk an die Pumpe, so dass die Pumpe diese mit speichert und diese auch für die anderen Funktionen wieder verwenden kann. Im Gegensatz zur Bluetooth-Technologie (die die Konkurrenzhersteller verwenden) ist die Funk-Technologie recht sparsam im Energieverbrauch, so dass die Batterien bei mir sehr lange halten.

Bolus Expert:

Die für mich wichtigste Funktion. Bevor ich vor vielen Jahren (es sind gut drei) meine Paradigm 722 bekommen habe, war ich der festen Überzeugung, dass ich so einen Schnick-Schnack nicht brauchen werde und dass ich ohnehin zu faul bin solche zusätzlichen Funktionen zu verwenden.Image Ganz im Gegenteil: Ich benutze heute ausschließlich den BolusExpert. Der funktioniert so, dass die Pumpe als erstes fragt wie der aktuelle Blutzuckerwert ist. Den kann man dann eingeben. Wenn man kurz vorher den Blutzucker mit dem Contour Link gemessen hat, dann steht der schon zur Verfügung und muss nur noch bestätigt werden. Man kann diesen Dialog natürlich auch überspringen, so dass im weiteren kein Blutzuckerwert berücksichtigt wird. Dann fragt die Pumpe nach der Anzahl BE. Hier kann man eingeben, wieviel man essen möchte, die BE oder Kohlenhydrate trägt man ein oder man gibt 0 ein und lässt sich eine eventuell notwendige Korrektur berechnen. Danach erhält man eine detaillierte Berechnung, die genau aufführt durch welche Rechenschritte die Pumpe zu den vorgeschlagenen Insulineinheiten gekommen ist. In der Regel Anzahl BE x BE Faktor + Korrektur für evtl. erhöhten Blutzucker. Außerdem wird die Tatsache einbezogen, dass noch Insulin wirksam sein könnte, dies wird zum Teil abgezogen, wobei für Nahrung immer alle Insulineinheiten gespritzt werden, d. h. es gibt lediglich Abzüge beim Korrekturbolus. Wenn man diesen Dialog dann bestätigt, kommt die Abfrage, ob man dies als normalen, dualen oder verlängerten Bolus injizieren möchte. Wenn einen diese Abfrage stört und man nur den normalen Bolus verwendet, kann dies in den Einstellungen ausgeschaltet werden. Als letzten Schritt werden noch einmal die zu spritzenden Insulineinheiten angezeigt, können angepasst und dann injiziert werden. Neben den zu spritzenden Einheiten wird auch die Menge des noch wirkenden Insulins angezeigt. Das tolle an dieser Funktion ist, dass alle diese Daten nach dem Auslesen mit CareLink als Tagebuch zur Verfügung stehen. Also insbesondere für alle faulen unter uns die perfekte Möglichkeit, ein vollgefülltes Tagebuch zu haben.

Ereignisse eingeben:

In der Veo gibt es zusätzlich die Möglichkeit Ereignisse einzugeben, die beispielsweise nicht in den Bolus Expert aufgenommen sind. Man kann beispielsweise einen BZ eingeben (BZ-Marker), den man mit einem anderen Blutzuckermessgerät gemessen hat. Dies ist nur in dem Fall relevant, wenn man keinen Korrekturbolus abgeben möchte und man den Wert deswegen nicht in den Bolus Expert eingeben kann. Man kann auch einen Insulin-Marker eintragen. Für mich uninteressant, da ich das über den Bolus Expert machen würde. Der Mahlzeiten-Marker ist wieder praktischer, weil man hiermit auch Korrektur-BE eintragen kann, das konnte die 722er leider noch nicht. Dazu gibt es noch den Bewegungs-Marker für Sport und Sonstige für Sonstige Ereignisse. Texte kann man hierzu leider nicht eingeben, also man kann nicht schreiben, was man gegessen hat oder welchen Sport man gemacht hat.

Fernbedienung:

Eine Fernbedienung mit drei Tasten liegt bei, bzw. kann über eine Bestellkarte bestellt werden. Mit dieser kann man die Pumpe fernsteuern. Ich finde dies ganz praktisch, wenn man auf längeren Autofahrten etwas isst, weil man so die Pumpe fernbedienen kann, ohne dass man den Blick von der Straße nehmen muss. Es könnte auch für Eltern kleinerer Kinder hilfreich sein oder für Frauen, die die Pumpe an Stellen tragen, wo man schlecht herankommt oder in der Öffentlichkeit nicht herankommen möchte. Bei Eltern kleinerer Kinder hat die Fernbedienung den Nachteil, dass sie nichts anzeigt und die Eltern die Vibrationen als Bestätigung ja nicht spüren. Da wäre zukünftig ein Display an der Fernbeziehung sicherlich wünschenswert.

Bolusoptionen:

Es gibt drei verschiedene Boli. Den Normal-, Dual- und Verzögerungsbolus. Beim Normalbolus wird die gesamte Insulinmenge sofort injiziert, beim Verzögerungsbolus wird diese über mehrere Stunden verteilt (kann individuell bestimmt werden die lange) und beim Dualbolus teilt sich das Ganze auf. Also einmal in eine Menge die man sofort injizieren möchte und einmal in eine Menge die verzögert abgegeben wird. Dual- und Verzögerungsbolus sind nützlich wenn man z. B. sehr fettreich gegessen hat und der Blutzucker nur sehr langsam ansteigt. Die Standardaufteilung ist 50:50, dies kann aber variiert werden.

Was übrigens von Pumpenanwendern der Konkurrenz kritisiert wird ist, dass die Paradigm ihren Bolus nur sehr langsam abgibt, nämlich 0,1 IE pro Sekunde. Mir reicht diese Geschwindigkeit voll aus, es soll übrigens auch besser für das Gewebe sein.

Basalrate:

Man kann drei Basalratenprofile eintragen. Dies kann für diejenigen interessant sein, die völlig verschiedene Tagesabläufe haben, wie Schichtarbeiter, die mal tagsüber und mal nachts arbeiten müssen. Sonst kann man 48 Basalraten eintragen, also durchschnittlich alle halbe Stunde eine neue, wobei die Zeiträume frei konfigurierbar sind. Diese kann in 0,025er Schritten eingetragen werden, kleine Kinder oder Menschen mit geringem Insulinverbrauch bleiben also nicht auf der Strecke.

Die Basalrate kann auch je nach belieben prozentual oder absolut temporär angepasst werden. Dies kann man im Menü selber bestimmen, wobei meiner Meinung nach nur die prozentuale Absenkung wirklich Sinn macht. Hier kann man auch bestimmen über welchen Zeitraum die Basalrate temporär gesenkt oder erhöht werden soll. Es gibt zwar merkwürdigerweise einen Menüpunkt "temporäre Basalrate ändern", allerdings scheint der nicht belegt zu sein, so dass man die temporäre Basalrate abbrechen muss, um sie ändern zu können. Dies war schon beim Vorgängermodell so, ein Grund ist mir nicht ersichtlich.

Wecker, BZ Erinnerung:

Die Pumpe hat auch einen Wecker und eine Erinnerungsfunktion, durch die man sich nach einer Mahlzeit an das Blutzuckermessen erinnern lassen kann. Wobei der Wecker so leise ist, dass ich ihn niemals hören würde, schon gar nicht, wenn die Pumpe unter einer Decke liegt. Allerdings sind die Alarmtöne bei der 554 schon deutlich besser als bei der 722.

Speicher:

Die Pumpe speichert mindestens 90 Tage lang alle Ereignisse. Dies beinhaltet natürlich auch die Daten des Bolus Experts sowie alle Alarme und Warnungen etc. pp.

Katheterfüllprogramm:

Das Katheterfüllprogramm ist gegenüber der 722 noch einmal angepasst worden. Es gibt jetzt mehr Hinweise und Erklärungen. Hier muss man nur den Angaben auf dem Display folgen und schon ist alles fertig. Für meinen Geschmack sind es schon zu viele Warnungen, es ist aber erträglich.

Beleuchtung/Display:

Das Display hat sich gegenüber der 722 nicht verändert; auch die Beleuchtung ist grün geblieben.

Die Sensorfunktion:

Auch die 722 konnte schon mit den Sensoren umgehen. Für mich war das der Hauptfaktor, warum ich mich damals für die 722 entschieden habe. Nicht nur, weil ich es dann bei Bedarf kurzfristig (oder längerfristig) verwenden könnte, sondern auch weil Diabetiker in dem Fall Marktmacht entfalten sollten und die Hersteller zu Innovationen drängen sollten. Diese Funktion ist in der Veo noch verbessert worden. Die Veo hat einen anderen Algorythmus, der die Werte genauer berechnet und weitere zusätzliche Funktionen. Grundsätzlich funktionieren die Sensoren so, dass man einen zusätzlichen Katheter setzt, den Sensor, und der misst alle 10 Sekunden den Zucker und überträgt ihn per Funk an die Veo. Alle fünf Minuten wird ein gemittelter Wert angezeigt. Es ist allerdings darauf hinzuweisen, dass gerade nicht der Blutzucker, sondern die Glukosekonzentration im Unterhautfettgewebe gemessen wird. Dieser wird umgerechnet in den Blutzuckerwert, hinkt diesem jedoch ca. 15 Minuten hinterher. Das klingt aber schlimmer als es ist, wenn man sich einmal vor Augen führt, dass der Blutzuckerwert, den man selber misst um 16% bis 20% vom echten Wert abweichen darf. Daher fallen diese Unterschiede nicht ins Gewicht. Viel wichtiger ist auch die Trendanzeige, dort sieht man, ob sich der Blutzucker rauf oder runter bewegt und in welcher Geschwindigkeit.Image

Zusätzlich hinzugekommen sind unterschiedliche Zielwertbereiche zu unterschiedlichen Tageszeiten. Beispielsweise kann man nachts einen höheren Zielwertbereich als tagsüber konfigurieren. Außerdem hat die Veo einen Notstopp. Wenn der Blutzuckerwert unter eine gewisse Schwelle fällt (ich hab als Test mal 50 mg/dl - 2,8 mmol/l eingegeben), schaltet sich die Pumpe temporär aus. Wie bei allen Werten, die zu hoch oder zu niedrig sind, kommt zunächst eine Warnmeldung. Bestätigt man diese nicht tritt die Hypo-Abschaltung oder Not-Abschaltung ein. Die Pumpe schaltet sich für zwei Stunden aus, zwei Stunden, weil Studien ergeben haben, dass der Blutzuckerwert dann um einen gewissen Wert angestiegen ist (ich glaube es waren 80 mg/dl bzw. 4,4 mmol/l, ich konnte hierzu aber nichts im Handbuch finden). Sollte der Blutzucker zwei weitere Stunden später immer noch unter dem Grenzwert sein, setzt der Notstopp erneut ein. Er läuft nicht durch, um einen zu starken absoluten Insulinmangel zu verhindern (anderenfalls wäre eine Keto die Folge). Diesen Notstopp muss man nicht verwenden, aber man kann. Insgesamt sind im Sensorbereich einige, vielfach auch kleinere, Verbesserungen gegenüber der 722.

Hierzu erscheint in Kürze ein sehr ausführlicher Testbericht, hier auf Diabetes-Index.

Katheter:

Man kann nur Katheter mit Paradigm-Anschluss verwenden. Luer-Lock Katheter lassen sich nur über Umwege verwenden, es gibt Hersteller, die hierfür spezielle Reservoirs vertreiben. Der Medtronic Anschluss funktioniert bei mir besser, als der Luer-Lock Anschluss bei der Spirit. Bei der Spirit war es immer so, dass ich immer sehr viel Luft im Reservoir und damit auch im Schlauch hatte, das tritt bei dem Medtronic Anschluss praktisch nie auf.

Reservoir

Es gibt bei der Veo - wie auch beim Vorgänger - zwei verschiedene Reservoirgrößen. Das kleine Reservoir (1,8ml = 180 Einheiten) kann sowohl in der 554 als auch in der 754 verwendet werden. Das große Reservoir (3ml = 300 Einheiten) kann lediglich in der großen 754 verwendet werden.

Hier offenbart sich auch der einzige echte Nachteil der Pumpe. Die Pumpe geht davon aus, dass ab dem Start des Kolbens genau 300 Einheiten in der Pumpe sind (bzw. 180 bei der kleinen). Füllt man mehr Insulin in das Reservoir, was in der Regel der Fall ist zeigt die Pumpe als Restinhalt irgendwann nur noch --- an. Das heißt nicht, dass kein Insulin mehr vorhanden ist, was viele vermuten, sondern lediglich, dass die 300 Einheiten verbraucht sind. Sobald tatsächlich kein Insulin mehr durchläuft gibt die Pumpe selbstverständlich einen Alarm ab mit der Meldung "Keine Abgabe". Es braucht sich also niemand zu fürchten eine Keto zu bekommen, weil die Pumpe wer-weiß-wie lange kein Insulin mehr abgegeben hat. Besser wäre es aber, wenn Medtronic bei zukünftigen Pumpengenerationen diese Probleme beachtet und den tatsächlichen Inhalt misst, dann weiß man auch wieviel Insulin noch in der Pumpe ist und muss nicht raten. Bei mir sind in der Regel noch gut 10 Einheiten vorhanden, wenn die Pumpe nichts mehr anzeigt. Man braucht auch keine Bedenken zu haben, dass die Pumpe mehr Insulin anzeigt als tatsächlich im Reservoir ist, das kann nicht passieren.

Batterien:

Es werden handelsübliche AAA-Batterien gebraucht, jeweils eine. Die hält problemlos einen Monat und im Notfall kann man diese an jeder Tankstelle nachkaufen. Medtronic liefert mit den Reservoiren aber auch genügend Batterien mit. Man muss diese also in der Regel nicht selber erwerben.

Zubehör:

Es wird ein Plastik-Clip mitgeliefert. Weitere Informationen hierzu müssen wir leider nachliefern.

Bezug der Pumpe:

Die Veo kann über Medtronic direkt oder über den Fachhandel bezogen werden. Sie kostet 3.680,00 Euro und wird in der Regel vom Arzt verordnet und von der Krankenkasse bezahlt, wobei die Hürden hierfür immer weiter ansteigen. Das Starterset für den Sensor kostet 1.188,80 Euro und enthält den Transmitter und zehn Sensoren. Der Transmitter kann auch einzeln für 856,80 Euro bezogen werden. Dies wäre aber natürlich unsinnig. Die Sensoren werden in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen. Die Sof-Sensoren kosten 243,00 Euro in der 4er Packung oder 538,00 Euro in der 10er Packung. Der Sof-Sensor wird jetzt durch den neuen Enlite-Sensor ersetzt. Die Preise liegen uns noch nicht vor, sie erfahren diese in Kürze in unserem Erfahrungsbericht über die kontinuierliche Glukosemessung.

Fazit:

Ich benutze den Vorgänger der Veo, die 722, nun schon seit gut drei Jahren und es gab nie Probleme. Ich hatte keine technisch bedingten Fehlermeldungen und konnte mich - im Gegensatz zu der Accu-Chek Spirit die ich vorher hatte - immer und in jeder Lebenslage auf die Pumpe verlassen.

Bei der Veo hat sich technisch nicht viel verändert, es gibt aber einige sehr praktische Verbesserungen, so dass ich die Pumpe weiterhin uneingeschränkt jedem empfehlen kann. Insbesondere zusammen mit dem Sensor bietet sie einen Therapiekomfort und Therapiemöglichkeiten, die alle anderen Pumpensysteme vermissen lassen. Für mich ist es eben nicht denkbar ein zweites Gerät (für den Sensor) mit mir zu führen. Die Pumpe ist nicht nur technisch überaus verlässlich, sondern bietet auch nicht weniger als die Konkurrenzhersteller.

Ich bin sehr zufrieden und werde sicherlich wieder eine Medtronic Pumpe nehmen, hoffentlich dann schon den Nachfolger der Veo.

Nachtrag 20.06.2011 - 17:25 Uhr

Eine Leserin hat mich noch darauf aufmerksam gemacht, dass es bei der Beleuchtung noch einen Unterschied zum Vorgängermodell gibt. Man kann nun auch im Menü das Licht an und ausschalten. Hierfür muss man nur die Taste "B" und die Taste für das Licht drücken. Vorher musste man immer das Menü verlassen und zunächst zurück in die Ausgangsanzeige. - Getestet, funktioniert!

Bildquelle: 

Die Bilder wurden uns freundlicherweise von der Medtronic GmbH zur Verfügung gestellt.