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Keine Teststreifen mehr für Typ-2-Diabetes?

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Gleichwohl die Hiobsbotschaft schon vor einigen Wochen durch die Medien gingen, erreichen uns immer noch Fragen bezüglich der Verschreibungsmöglichkeit von Teststreifen. Auf Beschluss des G-BA werden die Blutzuckermessstreifen bei einigen Diabetikergruppen nicht mehr getragen. Um hier ein wenig Klarheit in die Angelegenheit zu schaffen, soll die Seite eine Übersicht liefern.

Wer bekommt keine Teststreifen mehr?

Laut des Beschlusses des Gemeinsamen Bundesausschuss sollen Diabetiker, die nicht mit Insulin behandelt werden, ihre Teststreifen ab dem 1. Oktober 2011 nicht mehr erstattet bekommen. Dieser Beschluss betrifft somit nur einen Teil der Diabetiker - was allerdings schlimm genug ist. Wer das ganze nachlesen möchte, der findet auf der 26. Seite des folgenden Dokumentes die entsprechende juristische Grundlage der Verordnungseinschränkung:
G-BA Verordnungseinschränkung (Quelle 1)

Leider nur im Umfang sehr ausführlich begründet das Dokument “Tragende Gründe zum Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Änderung der Arzneimittel-Richtlinie” (G-BA Bericht) vom 17.03.2011 den Entschluss der Politiker. An dieser Stelle möchte ich nicht auf die absolut mangelhafte Stringenz in der Argumentation hinweisen. Auf der anderen Seite kann man durchaus die Transparenz der Dokumentation des Gemeinsamen Bundesausschuss loben.

Welche Ausnahmen gibt es?

Zum einen sind alle Patienten, die Insulin spritzen, von der Reglung ausgeschlossen. Darüber hinaus sind jene Typ-2-Diabetiker nicht betroffen, die sich in einer “instabile Stoffwechsellage befinden”. Diese kann entweder längerfristig vorliegen - wie beispielsweise in der Pubertät - oder nur kurzzeitig durch “interkurrenten Erkrankungen, wie grippalen Infekten und/oder Fieber sowie Magen-Darm-Erkrankungen” hervorgerufen werden. Natürlich sind die Blutzuckerwerte während einer Therapieänderung mit oralen Antidiabetika, die ein erhöhtes Risiko an Unterzuckerungen mit sich bringen, ebenfalls selbstständig zu kontrollieren. Darüber hinaus hat der Arzt die Möglichkeit jenen Diabetikern Blutzuckerteststreifen zu verschreiben, die bedingt durch ihre Arbeit, bspw. als Berufskraftfahrer oder bei der Bedienung schwerer Maschinen, sich und ihre Mitmenschen zu gefährden könnten und somit ihren Blutzuckerwert regelmäßig(er) messen müssen.

In wiefern die Wortgruppen “grundsätzlich je Behandlungssituation bis zu 50 Teststreifen” (s.o.: Quelle 1) Anwendung findet, erklärt Ihnen sicher Ihr behandelnder Arzt.

Was ist ggf. noch vom G-BA zu befürchten?

Seit Jahren hängt die Androhung des Entzuges der Verordnungsfähigkeit der gar nicht mehr so jungen analogen Insulin wie ein Damokles-Schwert über den Köpfen der Typ-1-Diabetiker. Schon im Dezember des letzten Jahres wurden die Analoga für Typ-2-Diabetiker gestrichen, sofern sie einen Mehrkostenaufwand im Vergleich zu den Normalinsulinen bedeuten. Einen passenden Artikel mit der makaberen Überschrift “Pro Heroin, kontra Insulin” aus der Pharmazeutischen Zeitung finden Sie unter http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=33201. Zum Glück gab es daraufhin verschiedene Rabattverträge zwischen den diversen Krankenkassen und den Insulinherstellern, so dass die Insuline noch für jeden verfügbar sind. Generell ist zu befürchten, dass der G-BA weiterhin dem IQWiG blind glauben wird, wenn es darum geht, medizinische Studien zu ignorieren und die Krankenkassenkosten angeblich zu senken.

Abschließend sei noch gesagt, dass sich dieser Bereich der Diabetesversorgung sehr schnell ändern kann. Daher hat diese Seite keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Aktualität. Im Zweifelsfall sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt und recherchieren Sie selbst auf den angegebenen Seiten.