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Studie zur kontinuierlichen Blutzuckerbestimmung

Kontinuierliche Glukosemessung zur Beurteilung von Unterzuckerungen bei Typ-1-Diabetes

Da kontinuierliche Blutzuckermessung sehr teuer ist, wird sie zur Zeit hauptsächlich im klinischen Bereich durchgeführt. Wie im Erfahrungsbericht angemerkt, bekommen Patienten das Gerät oft nur tageweise "geliehen". Trotzdem kann sie Hinweise auf Optimierungsmöglichkeiten liefern, besonders da bei Typ-1-Diabetes viele "leichte" Unterzuckerung mit längerer Diabetesdauer nicht realisiert werden. In diesem Sinne wurde die folgende Studie durchgeführt.

In der Studie wurden 20 Patienten mit dem Gerät GlucoDay©, welches sich vom System nur in der Messtechnik vom CGMS unterscheidet 48 Stunden ambulant, das heißt unter Alltagsbedingungen untersucht. Im Vergleich zu herkömmlichen Patientenmessgeräten sollte vor allem die Vorgeschichte der Unterzuckerung, die Dauer und eventuelle Gegenreaktionen erkannt werden, da diese im "normalen" Diabetikerleben seltenst bekannt sind. Ein Unterschied zur früheren "Dauerblutzuckermessungen" sollte das Ziel einer Verlaufsanalyse der Unterzuckerungen sein, während bei letzteren häufig die Frequenz, d.h. die Häufigkeit der Unterzuckerung im Vordergrund stand. Im Ergebnis sollten Blutzuckerwerte unter 75 mg/dl und unter 60 mg/dl genauer untersucht werden. Wurde der letztgenannte Wert registriert, wurde nachgesehen, ob der Patient entsprechende Unterzuckerungsmerkmale notiert hat. Weiterhin wurde die Dauer der Unterzuckerung und vor allem die Geschwindigkeit der Blutzuckeränderung gemessen. Hierbei wurde einmal die durchschnittliche Absink- und einmal die Aufsteiggeschwindigkeit aus der Hypoglykämie gemessen.

Bei allen Patienten wurde 103x ein Blutzucker unter 75 mg/dl und 57x unter 60 mg/dl gemessen. D.h. jeder Diabetiker unterzuckerte 5,2x in diesen 2 Tagen durchschnittlich. Der Durchschnitt dieser Unterzuckerungen lag bei 54 mg/dl. Tageszeitlich gesehen waren alle Unterzuckerungen gleichmäßig verteilt. Nur die Stunde von 15 bis 16 Uhr bildete im negativen Sinn und die Nachtzeit von 02 bis 03 Uhr im positiven Sinne eine Ausnahme. Letzteres ist besonders erstaunlich, da viele Diabetiker vor nächtlichen Unterzuckerungen Angst haben. Nach Erreichen der Minimalwerte stiegen die BZ-Werte durchschnittlich in 161 Minuten auf durchschnittlich 200 mg/dl an. Sehr deutlich sieht man hier die körpereigenen Gegenreaktionen, wie z.B. den Ausstoß von Glukagon oder Adrenalin. Die Absinkgeschwindigkeit betrug im Mittel -1,36 mg/dl/min. Hochgerechnet ist dies relativ langsam, was bedeutet, dass die Schulungsprogramme der Unterzuckerungswahrnehmung event. überarbeitet werden müssen und das "Klischee" der schnellen Unterzuckerung, zumindest in dieser Studie, wiederlegt zu sein scheint. Der Wiederanstieg war fast gleichschnell: 1,31 mg/dl/min. Hier fiel auf: Je tiefer die Unterzuckerung, je stärker und schneller war der Wiederanstieg des BZ-Wertes. Bei 19 schweren Unterzuckerungen (unter 60 mg/dl) wurden die Unterzuckerungen nicht von alleine wahrgenommen.

Zusammengefasst lieferte die Studie allen teilnehmenden Diabetikern Hinweise auf eine Optimierungsmöglichkeit und allgemein mehrere Hinweise für wissenschaftliche Nachuntersuchungen.

Quelle: 

Standl et al.: Kontinuierliches Glukosemonitoring zur Charakterisierung und Beurteilung von Hypoglykämien bei Patienten mit Typ-1-Diabetes, Diabetes und Stoffwechsel 6, Band 14 (2005), S.351-359