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Pumpentherapie (kurz : CSII)

Continuous Subcutanous Insulin Infusion (Kontinuierliche subkutane Insulin Infusion)

Die Behandlung mit einer Pumpe ist die fortschrittlichste Form der Insulintherapie. Über einen Katheter, dessen Nadel in der Haut, vor allem des Oberbauchs fixiert ist, wird kontinuierlich eine einprogrammierte Basalrate (zur Deckung des Insulingrundbedarfs) abgegeben.

Für die Freisetzung zusätzlicher Einheiten vor der Mahlzeit oder zur Korrektur erhöhter Werte wird die Pumpe per Knopfdruck aktiviert. Für die Steuerung
des Gerätes ist ausschließlich der Benutzer verantwortlich, eine Rückkoppelung über einen Glukosesensor ist noch nicht möglich.

Jede Pumpe verfügt über ein Sicherheitssystem, das kontinuierlich alle Funktionen überprüft, um eine unkontrollierte Insulinabgabe auszuschließen.Jede
Fehlfunktion sowie leere Insulinpatronen, schwache Batterien oder ein Katheterverschluss lösen ein Alarm aus. Alle heute verfügbaren Modelle sind durch einfache Vorkehrungen oder mit Hilfe einer Box wasserdicht, so dass Duschen und Schwimmen möglich werden. Zur Vermeidung lokaler Reaktionen sollte
der Katheter in der Bauchhaut spätestens nach 2 bis 3 Tagen gewechselt werden.
Der wesentliche Vorteil der Pumpe gegenüber der ICT besteht darin, dass die Basalrate so einprogrammiert werden kann, dass die im Tagesverlauf
wechselnde Insulinempfindlichkeit berücksichtigt wird. Damit wird die Basis für einen ausgeglichenen Stoffwechselverlauf geschaffen, mit einem geringem
Risiko nächtlicher Unterzuckerungen und morgendlicher Blutzuckeranstiege. Weitere Vorteile sind, dass Mahlzeiten uneingeschränkt verschoben oder
ausgelassen werden können und länger ausgeschlafen werden darf.

Problematisch bei der CSII ist, dass sich im Unterhautfettgewebe nur ein minimales Insulindepot von 1 bis 2 Einheiten befindet. Erfolgt eine unbemerkte
Unterbrechung der Insulinzufuhr, kann innerhalb weniger Stunden eine ausgeprägte ketoazidotische Entgleisung entstehen. Zur Sicherheit sollte daher bei jedem unerklärlich hohen Blutzuckerwert das Gerät überprüft und der Urin auf Ketonkörper untersucht werden.

Vorteil Nachteil
Anstatt 4 bis 6 oder sogar 8 Mal täglich sich spritzen zu müssen, müssen Sie sich mit einer Pumpe nur alle 1-2 Tage den Katheter wechseln, was genauso wenig schmerzt, wie eine Peninjektion. Männliche Leidesgenossen mit einer starken Bauchbeharrung mal ausgenommen.(Siehe Pflaster *gg*) Sie werden ständig ein kleines Gerät mit sich herumtragen. Sie können es zwar für ein paar Tage ablegen, müssen dann wieder zur ICT umsteigen, werden es aber ansonsten als einen Teil Ihres Körpers empfinden.*zumindest ging es mir so*
Die Insulindosierung können Sie sehr annonym vornehmen. Vorbei sind die Zeiten, in denen Sie bei einer Imbissbude im Winter erstmal Haut suchen mussten, um sich zu spritzen oder in denen Sie im feinen Restaurant extra auf Toilette gehen müssen.
Bei der D-Tronplus von AccuChek/Roche drücken Sie z.B. durch den Hosenstoff hindurch, und die Pumpe gibt Ihnen pro I.E. ein Bestätigungsvibrieren bevor sie den Essensbolus spritzt.
Da Sie nur kurzwirkendes Insulin spritzen ist die Gefahr einer Ketoazidose extrem hoch : Falls es zu einer Fehlstörung in der Pumpe kommt oder der Schlauch abknickt, ohne dass die Pumpe oder Sie etwas davon merken, entsteht Insulinarmut, die mit der Bildung von Ketonkörper endet. Weitere Information zu Ketoazidose entnehmen Sie bitte unserem Lexikon. Daher ist die regelmäßige Blutzuckerselbstkontrolle von enormer Wichtigkeit.
Endlich können Sie nach Belieben Mahlzeiten verschieben oder weglassen. (War bei der ICT zwar auch möglich, aber begrenzter als bei der CSII). Und noch besser ist der Fakt, dass Sie am Wochenende lange ausschlafen können. Sie werden keine nächtlichen Unterzuckerungen mehr haben (mögliche Ausnahme : Alkohol => Also trotzdem Vorsicht *gg*) und der morgendliche BZ Anstieg wird ebenso geringer ausfallen.(Behandlung des Dusk- und Dawnphänomen sehr gut möglich) Bei einer Entzündung an der Katheterstelle, hervorgerufen von einem etwas zu langen Tragen des einzelnen Katheter oder einem fehlerhaften Anlegen des Katheters kann es zu Narben kommen. Diese sind nicht gerade unter der Kategorie "Attraktivitätsbonus" zu verbuchen.
Ob nicht vorhersehbarer stressiger Dienst oder freudiges Nichtstun : Mit der Pumpe können Sie Ihr Basalinsulin schnell darauf einstellen.

Bsp. aus eigener Erfahrung: Mit der ICT : Lantus Insulin 1x täglich gespritzt. Zur Arbeit gegangen: Bei körperlich anstrengenden Spontanaktionen (kein Sport) in die Unterzuckerung geraten. Mit der Pumpe : 10 min. bevor es losging : Temporäre Basalrate auf 70% vom Normallevel gesetzt => keine Unterzuckerung

Bei einigen Patienten kann es zu psychischen Vorbehalte kommen. Selbst wenn man früher die Pumpentherapie favorisiert hat, kann es - wenn es soweit ist - zu Ängsten kommen, weniger attraktiv für das andere Geschlecht zu sein oder nicht mehr als völlig freier "pseudogesunder" Mensch zu leben, da man die Spritzen nicht 24h am Tag sah, den Katheter schon.
Starke Schwankungen des Blutzuckers werden selten oder gar nicht mehr auftreten. Damit sind auch die Unterzuckerungen gemeint, die früher immer aus dem "heiteren Himmel" kamen.
Im Vergleich zu der ICT benötigen Sie bei einer guten Pumpeneinstellung 10-20% weniger Insulin. Dagegen spricht allerdings das häufige Katheterwechseln, bei dem mindestens 5-15 I.E. "verbraucht" werden.
Durch den stabileren Stoffwechsel ist die Gefahr einer diabetischen Folgeerscheinung minimiert.
Feinere Dosierung des Insulins, auch bei niedrigem Insulinbedarf