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Fünf Fragen an die fünf Insulinanaloga auf dem Markt!

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1. Ist das Insulin geeignet den Blutzuckerlangzeitwert (HbA1c) zu senken?

Das Insulin „Lispro“, erhältlich als Humalog von Lilly oder Liprolog von Berlin Chemie, senkt den BZ rascher und hat eine kürzere Wirkdauer als Humaninsulin. Es senkt nicht zwingend den HbA1c, da erwiesen wurde, dass die Basalinsuline den basalen Insulinbedarf nur unzureichend abdecken und „Humalog“ statt Humaninsulin somit Lücken verursachen kann. Einige Studien konnten bei verbesserter Basalinsulingabe eine Absenkung des HbA1c um bis zu 0,8% nachweisen. Wenn man jedoch bedenkt, dass „Humalog“ gleichfalls für die Insulinpumpe D-Tron in vorgefertigten Ampullen verwendet werden kann, hat es hier gleichfalls doch ein HbA1c senkende Funktion. Das Insulin "Aspart“ in Form des „Novo Rapids“ von Novo Nordisk führte in mehreren Studien zu einer Senkung des HbA1c Wertes von 0,12-0,17 % im Gegensatz zu Humaninsulin. Die Dosis des Verzögerungsinsulins wurde allerdings erhöht, was bei dem Lispro schon angesprochen wurde. Das Langzeitinsulin „Glargine“ (Präparatsname „Lantus“ von Aventis) führte in allen 4 bisherigen Studien bei Typ 1 Diabetiker/innen als lang anhaltendes Basisinsulin im Vergleich zu NPH-Insulinen zu sehr niedrigen BZ-Werten. Trotz dessen führte es im Vergleich zu weniger Unterzuckerungen. Diese beiden Eigenschaften sollten langfristig zu besseren HbA1c Werten führen. Das Insulin ist als Basisinsulin nicht für Pumpenträger geeignet, da es dem Prinzip der Insulinpumpentherapie widerspricht. Das 2004 zugelassene neue Insulin „Glulisine“, ebenfalls von der Firma Aventis, verspricht keine differenzierte Wirksamkeit im Vergleich zu den beiden anderen schnell wirkenden Insulinanaloga Rapid und Humalog. Ebenfalls 2004 kommt das neue Basalinsulin „Detemir“ (Produktname: Levemir) von Novo auf dem Markt. Durch ein neuartiges Wirkungsprinzip wird es vor allem dem Typ-2-Diabetes dienen, im Vergleich zu NPH Insulinen, eine bessere Insulinabdeckung und somit einen besseren HbA1c Wert zu erreichen. Bei Typ-1-Diabetiker/innen geht man nicht davon aus, eine Verbesserung im Vergleich zu dem Lantus zu erreichen.

2. Ist es möglich, daß es das Auftreten von (schweren) Unterzuckerungen senkt?

Das Insulin „Lispro“ hat in den weitaus meisten Studien so abgeschnitten, dass die Häufigkeit von Unterzuckerungen abnahm (hauptsächlich nächtliche Unterzunckerungen). Die Anzahl schwerer Hypos konnten nach den meisten Studien um 30% gesenkt werden. In 4 Studien über das Insulin „Aspart“ wurde die Anzahl schwerer nächtlicher Unterzuckerungen verringert. Die Anzahl der Patienten mit einer schweren Unterzuckerungen in der Nacht verringerte sich im Vergleich zu Normalinsulin um 50%. Das neue Insulin „Glulisine“ wird sich dem Duo von kurz wirkenden Insulinanaloga anschließen. Direkte Studien über die Unterschiede sind uns noch nicht bekannt. "Detemir“ hingegen kommt mit einem neuen Wirkungsprinzip, welches nach ersten Studien die beste Vorhersehbarkeit der Langzeitinsuline haben wird. Nach ersten Studien gab es eine signifikante Senkung gegenüber eines NPH Insulins bezogen auf das nächtlichen Unterzuckerungsrisiko von 55% und auf das allgemeine Hypoglykämierisiko von 22%.

3. Wie verändert sich die Lebensqualität, wenn man auf das Insulin umsteigt?

Bei allen schnell wirkenden Insulinanaloga entfällt die Notwendigkeit des Spritz – Eß -Abstandes. Es wurde nachgewiesen, dass Mahlzeiten für Typ-1-Diabetiker/innen ohne (extrem) hohe Blutzuckeranstiege möglich sind, die im Gegensatz dazu mit Normalinsulin problematisch sind. Dies bezogen unterscheiden sich die drei Insuline nur geringfügig. „Aspart“ scheint ein wenig schlechter als die anderen beiden für die Injektion direkt vor dem Essen oder nach dem Essen geeignet zu sein. Zusammengefasst ist der Wegfall des Spritz – Eß – Abstandes ein riesiger Schritt zur besseren und flexibleren Lebensqualität. Bei den Langzeitinsulinen haben Studien gezeigt, dass zum einen die Einmaligkeit der Injektion (Lantus) und zum anderen die bessere Vorhersehbarkeit der Wirksamkeit (Detemir) eine subjektive Steigerung der Lebensqualität möglich macht.

4. Kann das Insulin das Risiko für Krebs erhöhen?

Im Vergleich zu Humaninsulin kann man für alle drei kurz wirkenden Insulin Analoga ein definitives „Nein“ ausgeben. Weder im präklinischen noch im klinischen Bereich hat sich irgendwo ein Anhaltspunkt für ein erhöhtes Risiko auf Krebs ergeben. Eine Ursache von Häufungen von Krebs (Brustkrebs) und Gefäßwucherungen - die Bindung des Insulins an den Insulinrezeptor und/oder an den IGF-1 Rezeptor - findet nicht stärker und nicht länger statt als mit Humaninsulin. Bei dem Insulin Glargin (Lantus) wurde in Vergangenheit häufig über ein erhöhtes Krebsrisiko diskutiert. Osteosarkom Zellen, die sich durch Insulin (entscheidend ist hier, dass Humaninsulin und Glargin sich nichts nehmen) schneller teilen, nähren zwar das besagte Gerücht, doch gibt es kein stärkeren Hinweis, dass Glargin Krebs fördernd sei. Somit existiert keine medizinische Rationale, dass die Unsicherheit in der Vergangenheit berechtigt ist.

5. Kann es zu erhöhtem Risiko für Gefäßwucherung kommen?

Bezogen auf die Insulin Analoga lässt sich der gleiche Schluss ziehen wir in Frage 4. Bei Glargin (Lantus) war die Situation widersprüchlich: In einer Studie kam es zu geringfügigen Verschlechterung der Retinopathie, in anderen sah Glargine allerdings besser aus als mit NPH Insulin...allerdings schon bei der UKPDS kam es erst zu einer geringfügigen Verschlechterung, bevor dann 3 Jahre später der Vorteil der ICT auch hier erkennbar war, deshalb geht man von einem definitiven NEIN aus.

6. Weitere Besonderheiten

NovoRapid ergab in einer 16 Wochen laufenden Studie über die Machbarkeit in der CSII (Pumpentherapie), an der 146 Typ-1-Diabetiker teilnahmen, eine geringere Gefahr an Katheterverschlüssen im Vergleich zu Normalinsulin. (Bode BW et al.; Diabetes Care 2001; 24:69-72). Aufgrund des pH-Wertes von Lantus, kann dieses Basalinsulin nicht mit kurz wirkenden Insulinen gemischt werden. (Kinder- und Jugendmedizin 2/2006, S.67-68).