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Diabetes und Telemedizin

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Bei Telemedizin denkt man automatisch an die Weiten des Outbacks Australiens oder den hohen Norden Schwedens. Ohne Zweifel bietet Telemedizin dort Vorteile, wo eine chronische Krankheit über weite Strecken betreut werden muss. Welchen Vorteil bietet sie hingegen im dichtbesiedelten Deutschland?

Prof. Dr. Diethelm Tschöpe vom Diabeteszentrum Bad Oeynhausen beantwortete diese Frage bei den Elmauer Gesprächen 2005 mit der Verbesserung und Erweiterung der Versorgungsprozesse bei gleichzeitiger Verbesserung der Kostenstrukturen. Im Klartext meinte er die bessere Zusammenarbeit der stationären und ambulanten Versorgung mit Hilfe der Telemedizin. Ein Musterbeispiel für das Einsetzen der neuen medialen Technik ist die Diabetologie bei Kindern und Jugendlichen. Die Grundlage hierfür bieten zwei empirische Erkenntnisse: Die Einstellungsqualität steigt parallel zu der Betreuungsdichte und Kinder- und Jugendliche haben kaum Vorbehalte neue Medien wie das Internet zu nutzen. Vor diesem Hintergrund hat das oben genannte Diabeteszentrum eine kleine Studie mit 10 Kindern und Jugendlichen bis 17 Jahren durchgeführt. Die jungen Patienten schickten über ein Jahr Daten des elektronischen Tagebuchs per E-Mail an das Zentrum, wo Ärzte zeitgleich antworteten. Als Ergebnis konnte eine HbA1c-Senkung von 8,6 auf 8,1% in dieser Patientenproblemgruppe erreicht werden.

Für diese Studie mussten die Bestimmungen des Datenschutzes eingehalten werden: D. h. 590 verschlüsselte e-Mails über medizinische, psychologische und technische Probleme wechselten den PC. Selbstverständlich konnte der Datenspeicher der Pumpen ebenfalls übertragen werden, gleichwohl eine direkte Konfiguration des Gerätes von Seiten des Arztes aus in dieser Onlinesprechstunde nicht möglich war, aber als Ziel für zukünftige Projekte gelte. Als Softwaregrundlage wurde das eigens entwickelte "DiabData" verwendet. Was ist nun die Erkenntnis nach dem Projekt?

"Aufwendig, aber lohnend", so Tschöpe. Telemedizin kann in der Zukunft zum Bindungsglied zwischen Arzt und Patient werden, welches es ermöglicht, dass alle gesundheitlichen Daten mit Hilfe des PCs verständlich dargestellt werden.

Ein weiteres Projekt, diesmal aus der Schweiz, ist der Online-Gesundheitspass. Hier sammelt ein Server alle Daten eines Patienten und gibt sie nur mit Einwilligung des Patienten oder im Notfall einem Krankenhaus heraus. Das übermittelnde Organ ist ein sogenanntes "medizinisches Callcenter". Die Vorteile gegenüber dem Papiergesundheitspass liegen, so Dr. med. Christian Simonin, deutlich auf der Hand: Der "Papiervorgänger" hat oft "nicht strukturiert abgelegte Daten, die nur eingeschränkt verfügbar sind, eine aufwändige Datenauswertung vor allem bei einer großen Anzahl von Pässen und viele verlorene Informationen." Ein ganz großer Kritikpunkt bleibt aber der Datenschutz, besonders da der Patient vor allem nicht gegenüber seiner Krankenkasse gläsern werden darf.

Quelle: 

Diabetes News, Nr.3 (2005), S. 3, 6.