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Atemwegserkrankungen stehen in Zusammenhang mit dem Typ-1-Diabetes-Risiko

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Als ich mit 17 Jahren an Typ-1-Diabetes erkrankte, war neben dem therapeutischen Neuland ein großes Fragezeichen, warum ausgerechnet ich - der keine diabetischen Verwandten hat und nicht gerade übergewichtig war :) - nun mein ganzes Leben diese Bürde tragen werde. Eine Theorie, die ich häufiger in Gesprächen mit Wissenschaftlern im Institut für Diabetes in Karlsburg gehört habe, war eine Erkrankung im ersten Lebensjahr: Meningitis bei gleichzeitiger Pankreatitis. Nach Aussage meiner Verwandten meinten schon die Ärzte zu Beginn der 80er Jahre, dass ich wahrscheinlich an Diabetes erkranken (oder schwachsinnig) werde.

An diese Episode musste ich denken, als ich vor einiger Zeit die Pressemitteilung des HelmholtzZentrum München las, dass Atemwegsinfektionen in den ersten Lebensmonaten das Risiko erhöhen, später spezifische Autoantikörper zu entwickeln, die im Zusammenhang mit der Autoimmunerkrankung Diabetes stehen:

“Die sogenannte Insel-Autoimmunität bezeichnet die Bildung von Autoantikörpern gegen die Insulin-bildenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse und tritt am häufigsten im Alter von 6 Lebensmonaten bis 3 Jahren auf. Die Münchner Diabetesforscher gingen daher der Frage nach möglichen Auslösern in diesem Zeitfenster nach. Sie analysierten Daten von 148 Teilnehmern der BABYDIET Studie, die Angehörige mit Typ 1 Diabetes und damit ein erhöhtes Risiko für eine Insel-Autoimmunität haben.”

Obwohl die Probandenanzahl von 148 Teilnehmer nicht sehr aussagekräftig wirken mag, ist das Ergebnis der regelmäßigen Protokollierung und 3-monatlich stattfindenden Blutentnahmen, über Inselautoantikörper ein fundiertes Indiz, dass Infektionen, vor allem der “oberen Atemwege [wie] bei einer Rhinopharyngitis (Erkältungsschnupfen)”, dazu führen können, dass eine Insel-Autoimmunität ausgeprägt wird. Um unserer Meinung nach keine falsche Panik zu produzieren und wissenschaftlich korrekt zu bleiben - eine gesunde Vorsicht und Rücksicht auf das noch im Entstehen begriffene Immunsystem sind selbstredend geboten - gehen die Forscher aus München davon aus, dass “wahrscheinlich nicht eine spezifische Infektion oder ein spezifisches Virus als Auslöser für Insel-Autoimmunität und Typ 1 Diabetes verantwortlich ist. Vielmehr scheint die Summe der Infektionen (multiple Erkältungskrankheiten - Anm. d. Red.) und der dabei freigesetzten entzündlichen Botenstoffe für das Risiko einer Autoimmunreaktion entscheidend zu sein.” Damit stehen die Ergebnisse auch in Verbindung zu der auf Diabetes-Index vorgestellten TEDDY-Studie.

Für die Studienleiterin Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler ergibt sich somit ein interessanter Forschungsansatz: “Die Entwicklung gezielter Impfungen oder anti-inflammatorischer Therapien könnte besonders in genetisch bedingten Risikopersonen zu einer gesunden Reifung des Immunsystems und somit zur Prävention gegen Typ 1 Diabetes beitragen.“ (Alle Zitate aus der Pressemitteilung des Instituts für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München, 04.07.2013)

Falls weitere Ergebnisse in dieser Richtung veröffentlicht werden, versuchen wir Sie selbstverständlich auf dem Laufenden zu halten.

Quelle: 

Pressemitteilung des Instituts für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München, 04.07.2013