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Diabetes und Sport

Wann darf ein/e Diabetiker/in eigentlich Sport treiben ?

  1. Nicht bei Retinopathie
    • Durch die Veränderungen am Augenhintergrund kann es zu gefährlichen Situationen beim Sport kommen. Fragen Sie also lieber vorher Ihren Arzt, ob Sie Sport treiben dürfen.
  2. Nicht bei Wunden an der Fusssohle
    • Fußverletzungen bedeuten auch, dass Sie den Fuss schonen müssen, damit die Wunde abheilt. Wichtig ist es, vermehrt auf erneute Verletzungen zu achten und diese rechtzeitig zu behandeln.
  3. Nicht bei der Folgeerscheinung Orthostatische Hypotonie
    • Bei dieser Nervenschädigung der inneren Organe ist die Steuerung von Herzschlag und Blutdruck gestört. Anstatt regelmäßig Sport zu machen ist es in diesem Fall besser spazierenzugehen.
  4. Nicht bei Stoffwechselentgleisungen !!!
    • Wenn Sie mehrfach hintereinander hohe Blutzuckerwerte (über 250 mg/dl) festgestellt haben, fehlt ihrem Körper eindeutig Insulin. Wenn Sie jetzt Sport treiben, führt dies nicht zu einer Senkung des BZ Wertes, sondern zu einem weiteren Anstieg.

Sonst immer!

Bewegungsart (je 30 Minuten) Verbrauch in kcal bei
60 kg 70 kg 80 kg 90 kg 100 kg
Körpergewicht
Langsames Radfahren (15 km/h) 180 210 240 270 300
Zügiges Spazierengehen/Walken 198 232 264 298 330
Langsames Schwimmen 230 268 308 346 284
Schnelles Schwimmen 280 328 374 422 468
Schnelles Radfahren (25 km/h) 306 358 408 460 510
Leichtes Dauerlaufen/Joggen 244 286 326 368 408
Tabelle 1

Sport strengt bekanntlich an. Doch was bewirkt körperliche Belastung im Typ-1-Diabetiker? Nach der Störung der Homöostase, die zur Entgleisung führen kann, überwiegen, erst recht nach regelmäßigen Sport, die positiven Erscheinungen, wie die Verbesserung des Lipidprofils, Senkung des Blutdrucks und Erhöhung der Insulinsensivität. (Quelle: Medizinische Welt 5/2004 S.13 Brachran, Beyer) Für Diabetiker ist es daher wichtig vor dem Sport den Blutzucker entsprechend zu erhöhen und diesen auch engmaschig zu überwachen. Dies wissen die meisten, doch wie sieht es mit dem trinken aus? Viele wissen nicht, dass eine BZ Senkung die Dehydrierung im Körper stark beschleunigt. Der Körper verliert ungewöhnlich viel Wasser, während Sie Sport treiben und der BZ Wert "Richtung Normalwert" wandert. Die Folgen eines starken Dehydrierens sind zu vielfältig um hier näher ausgeführt zu werden. Falls Sie nicht genügend Zucker vor dem Sport zu sich genommen haben, kommt es mit recht hoher Wahrscheinlichkeit zur Hypoglykämie. In der linken Tabelle finden Sie eine Aufschlüsselung, welche Sportarten mit einem hohen Risiko und welche mit einem geringeren verbunden sind. Untrainierte Menschen haben einen deutlich geringeren Glucosespeicher, womit die Hypogefahr natürlich deutlich größer ist. Für vor allem übergewichtige Typ-2-Diabetiker und natürlich auch für Stoffwechselgesunde finden Sie noch eine Verbrauchstabelle (kcal) entsprechend des Körpergewichtes für die verschiedenen Bewegungsarten links neben diesem Text.(..Weiter unter den Tabellen..)

Übersicht : Sportarten und Unterzuckerrisiko
Radfahren Hoch, wenn zusätzlicher Kalorienverbrauch nicht beachtet wird
Krafttraining an Geräten Gering bei kurzer, mäßig hoch bei langer Trainingsdauer. Sie sollten Ihre Therapie anpassen!
Tennis Mäßig, bei langer Dauer und nicht angepasster Therapie allerdings auch hoch
Gymnastik Sehr gering, denn es wird nur wenig Energie verbraucht
Joggen Hoch, wenn zusätzlicher Kalorienverbrauchverbrauch bei der Therapie nicht beachtet wird.
Kegeln Gering, da nur wenig Energie verbraucht wird.
Alpines Skifahren Nur bei langer Dauer hoch, wenn der Diabetes nicht dem Sport angepasst wird
Schwimmen hoch, nehmen Sie unbedingt sehr viele Zusatz BE's mit
Skilanglauf hoch, wenn die Therapie nicht langfristig angepasst wird
Tanzen Mäßiges Unterzuckerrisiko
Walking nur bei langer Dauer hohes Risiko
Gartenarbeit Nur wenn lange gearbeitet wird, muss die Therapie angepasst werden.
Übersicht : Sportarten, die trotz Folgeschäden möglich sind
Folgeerkrankungen Geeignete Sportarten Worauf sollten Sie achten
Verschluss kleiner und großer Blutgefäße (Mikro-/Makroangiopathie) Aquajogging, Radfahren, Schwimmen, Skilanglauf (nur im trainierten Zustand), Spazierengehen, Wandern Sie sollten sich beim Sport immernoch unterhalten können. Vermeiden Sie unbedingt Pressatmung.
Sensible Polyneuropathie (S. der fühlbaren Nerven) Wie oben genannt, beim Wandern und Spaziergängen auf den Zustand des Weges achten Schuhe und Strümpfe sollen keine Druckstellen verursachen
Autonome Polyneuropathie (S. der unbewußten Nerven) Radfahren auf flachen Strecken, Spazierengehen, Atemgymnastik, Schwimmen nur nach ärztlicher Absprache Blos nichts überstürzen. Tasten Sie sich vorsichtig heran.
Nierenschäden (Nephropathie) Siehe Autonome Neuropathie, Ausnahme: Atemgymnastik Wasserverlust durch VIEL trinken vermeiden !!!
Herzerkrankungen Leichtes Radfahren, nach ärztlichem Gespräch auch Schwimmen, sowie spezielle Herzsportgruppen Blutdruckspitzen vermeiden, also keine kurzzeitigen Kraftanstrengungen
Diabetisches Fußsyndrom Fußgymnastik, allgemeine Gymnastik im Sitzen, Ergometertraining Druck und Scheuerbelastungen der Füße vermeiden
Diabetische Augen (Retinopathie) - Siehe oben Radfahren auf flachen Strecken, Spaziergehen schwimmen Intensive Anstrengungen, wie Liegestütze unbedingt vermeiden

Neben der energieverbrauchenden sportlichen Betätigung, muss man unbedingt den Muskelauffülleffekt während der Ruhepause danach beachten. Sollte Ihr Zucker direkt nach dem Sport noch recht hoch sein. Spritzen Sie auf keinen Fall nach. Er wird von alleine sinken, wenn sich Ihre Muskeln wieder auffüllen. Um einer Hypo-Gefahr aus dem Weg zu gehen, sollte man auch im Voraus das Basalinsulin verringern. Hier lässt sich der Vorteil der Pumpe und der Nachteil des modernsten Basalinsulins, beispielsweise des Analoga Lantus erkennen. Während man mit der Pumpe spontan die Basalrate verringern, bzw. ganz stoppen kann, muss man mit dem Lantus, wegen dessen Wirkdauer von max. 24 Stunden, vorher wissen, ob man Sport treibt.

Wie in der oberen Zusammenfassung angedeutet, sind einige Sportarten "schädlich", falls sich eine bestimmte Folgeerscheinung manifestiert hat. Das Wichtigste ist, dass man nicht den Mut verliert. Moderate Bewegung, die Spaß macht kann schon viel bewirken . Die Betonung liegt hierbei auf "moderat" und "Spaß".
Oder wie es Hermann Liebermeister von der DDU auszudrücken pflegt: Erst recht die Typ-2-Diabetiker können an Zuzahlung für die Medikamente sparen und lieber die "teuer verdienten" Euros in ein Wander- oder Joggingausstattung investieren. Im Endeffekt tun Sie sich und Ihrem Geldbeutel etwas Gutes. In der dritten Tabelle finden Sie eine Liste, welche Sportarten trotz Folgeerscheinungen möglich, und zugleich auch ratsam sind. Immer nach dem Prinzip: Ein bischen Sport geht immer!

Quelle: 

Tabelle 1: THILLM Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien 2002