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Wandern als Diabetiker Teil 1 - Schweden

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Hallo liebe Leser,

heute berichte ich mal von meinen Erfahrungen beim Wandern.

Zweimal habe ich bereits größere Wandertouren gemacht, einmal 2006 nach Schweden, dort bin ich auf dem Kungsleden gewandert und einmal 2007, damals bin ich nördlich von Glasgow gewandert. Meine Erfahrungen könnt Ihr in zwei Artikeln lesen, heute der erste Teil.

Meine erste Wanderung - Schweden 2006

Meine erste Wanderung fing gleich vergleichsweise extrem an. Zunächst diskutierten wir potentiell interessante Gegenden, in denen man wandern gehen könnten und einigten uns auf den "südlichen Kungsleden". Kungsleden ist schwedisch und bedeutet übersetzt Königsweg. Hierbei handelt es sich um einen offiziellen Wanderweg in der Mitte Schwedens (beginnend in Storlien, endet in Sälen - 350km). Der Weg kann sowohl im Sommer durchwandert als auch im Winter mit Skilanglauf durchquert werden, wobei die offiziell markierte Streckenführung dann leicht unterschiedlich ist.

Wir das sind fünf junge Männer.

Wir überlegten also was wir brauchten und kauften das ein. Sehr wichtige Bestandteile der Ausrüstung sind richtige Wanderschuhe, ein großer Wanderrucksack, ein gutes Zelt und ein Mikrofaserhandtuch. Bei den Schuhen muss dringend darauf geachtet werden, dass sie nicht drücken.

Wir - alle waschechte Bremer - flogen vom Flughafen Hamburg-Lübeck (der weder in Hamburg noch in Lübeck liegt) nach Nyköping (ca. 100km südlich von Stockholm). Dort angekommen fuhren wir mit dem Zug nach Stockholm umd dort weitere Besorgungen zu machen (am Flughafen fanden sie, dass wir unser Butan-Gas zum Kochen nicht im Flieger mitnehmen dürften), also brauchten wir dringend Gas, denn ohne Brennstoff kann man kein Essen machen. Wir mussten natürlich auch Essen besorgen, was nahrhaft ist aber wenig Platz verbraucht. Daher hatten wir natürlich Nudeln dabei und kauften - typisch schwedisch - noch Knäckebrot, das wird praktischerweise nicht hart. Außerdem besorgen wir Käse, der lange haltbar war. So ausgerüstet fuhren wir nach Storlien, die Fahrt dauerte praktisch die gesamte Nacht. Morgens in Storlien angekommen kauften wir wieder ein um das aufzufüllen, was wir bereits an Nahrungsmitteln im Zug vernichtet hatten.

Wir wanderten los und versuchten den Markierungen zu folgen. In Schweden gibt es leider, besonders im Sommer, unglaublich viele Mücken, hierfür hatten wir aber Mückennetze und einen Mitwanderer eingepackt der die Mücken auf sich gezogen hat.

Während der Wanderung unterzuckerte ich mehrfach weil es, gerade für untrainierte Menschen sehr anstregend ist. Das Gelände ist von der Vegetation sehr gemischt. Auf den Bergen liegt zum Teil auch im Sommer Schnee (wobei es nicht gefühlt kalt war), in höheren Lagen ist entsprechend auch nur sehr kleine Vegatation (bodendeckende Pflanzen) und viel Gestein. Je tiefer man heruntergeht desto mehr größere Pflanzen gibt es dann auch, angefangen bei höheren Pflanzen über Büsche zu Bäumen (besonders Nadelbäume). Im Tal gibt es viele Seen die durch Gebirgsbäche gefüllt werden.

Wenn man den Weg entlang wandert, sollte man das keinesfalls alleine tun, es gibt dort zwar sehr guten Mobilfunkempfang, allerdings praktisch keine Zivilisation. Wenn man Probleme bekommt muss man sich auf andere verlassen können. Unterwegs gibt es immer wieder Bergstationen bei denen man auch einkaufen, duschen und wohnen kann (es gibt auch Saunen), allerdings sind die Preise dort extrem hoch, da alle Waren mit Hubschraubern angeliefert werden müssen.

Wir hatten alle zwischen 20 und 25kg Gepäck und wanderten meistens mehr als 20km am Tag, was bei dem auf und ab des Terrains recht viel ist.

An einem Tag ging mein Blutzuckermessgerät leider kaputt und wegen des begrenzten Platzes hatte ich natürlich kein Ersatzgerät mit dabei. Ich hatte ein Messgerät mit einer Trommel, wo dann Teststreifen herausfahren. Dort hatte sich irgendwas verklemmt, jedenfalls kamen keine Teststreifen mehr heraus und ich konnte nicht mehr messen. Da wir essen wollten nahm ich das Messgerät erst einmal so mit. Auf dem Weg zu unserem Essplatz, der neben einem Gebirgsbach lag, fiel mir das Gerät leider ins Wasser und funktionierte nun noch weniger als vorher. Allerdings gelang es mir die Blockierung zu lösen. Ich ließ das Gerät nun mehrere Tage trocknen und konnte in der Zeit keinen Blutzucker messen. Ich habe den Blutzucker in der Zeit nur nach Gefühl gesteuert, was relativ problemlos war, weil ich eine sehr gute und konstante Einstellung hatte und Über- und Unterzuckerungen durchaus selber bemerke. Wenn ich mich unterzuckert fühlte habe ich dann etwas gegessen, wenn ich dachte ich sei zu hoch habe ich vorsichtig Insulin gespritzt. Wobei ich versucht habe den Blutzucker eher niedrig zu halten, weil ich Unterzuckerungen besser merke als Überzuckerungen. Nach einigen Tagen funktionierte das Messgerät dann wieder. Seit dem habe ich das Messgerät nicht wieder benutzt, weil es mir zu unzuverlässig war.

Generell ist es nicht möglich mehr als 25kg pro Person mitzunehmen, weil der Rucksack dann zu schwer wird. Man kann also nur das Notwendigste mitnehmen und muss auf die normale doppelte Menge an Hilfsmitteln verzichten.

Waschen konnten wir uns, abgesehen von Bergstationen nur in Flüssen oder Seen und getrunken haben wir auch Wasser auf fließenden Gebirgsbächen. Hier muss man aber darauf achten, dass es tatsächlich ein fließendes Gewässer ist und das Wasser nicht umgeschlagen ist. Hygiene wie zu Hause hat man dabei natürlich nicht, daher sollte man in jedem Fall Desinfektionsmittel mitnehmen.

Geschlafen haben wir in einem Zelt, das war abends und nachts sehr kühl und morgens unglaublich heiß. Allerdings ist es eine wirklich interessante Erfahrung.

In der Nähe von Ljungdalen mussten wir unsere Wandertour leider abbrechen, weil einer von uns krank geworden ist. Wir verteilten das Gepäck auf die anderen Wanderer und machten uns auf den Weg nach Ljungdalen; dabei kamen wir natürlich viel langsamer voran als die Tage zuvor. Man muss dazusagen, Storlien und Ljungdalen sind richtig kleine Dörfer, also vermutlich gibt es in der Nähe keine medizinischen Einrichtungen. Daher sollte man immer gute Wanderkarten bei sich haben.

In Ljungdalen fuhren wir dann mit einem Linienbus nach Östersund und von dort mit dem Zug zurück nach Stockholm. Hier verbrachten wir noch zwei schöne Tage und fuhren dann nach Nylöping, dort zelteten wir die letzten Tage unseres Urlaubs direkt am Meer. Damals war es in Schweden so, dass man überall dort wild zelten durfte, so lange man außer Sichtweite von Wohnhäusern war. Die Regelung gibt es heute - glaube ich - in der Form nicht mehr.

Insgesamt war es eine super interessante Erfahrung...

Der Diabetes darf für Betroffene aber kein Grund sein, auf solche Erfahrungen zu verzichten. Man muss allerdings einige Grundregeln beachten, insbesondere nur mit Menschen zu wandern, auf die man sich sehr gut verlassen kann und die ein gewisses Grundwissen über die Krankheit haben. Wir hatten beispielsweise immer sofort Griffbereit eine Glucagon-Spritze. Wenn man ängstlich in diesem Zusammenhang ist, sollte man lieber mit kleineren Touren in dichter besiedelten Gebieten beginnen. Denjenigen die zu schweren Unterzuckerungen mit Fremdhilfe neigen kann ich von solchen Touren, wie hier beschrieben, nur abraten.

Die schottische Fortsetzung folgt...