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Tauchen: Diabetes unter Wasser

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Vorweg sei genommen: Ja, es geht. Aber: Man muss auf einige Dinge achten.
Mit 15 beschloss ich, einen Tauchschein zu machen. Zur Auswahl standen ein Schnell-Kurs am Mittelmeer und eine Ausbildung in einem Verein in Deutschland. Ich entschied mich für die zweite Variante, da ich davon überzeugt war, das hierbei die Ausbilder besser auf meinen Diabetes würden eingehen können.

Diese dauerte in meinem Fall insgesamt ein knappes Jahr, ist aber auch in kürzerer Zeit zu bewältigen: Zu Anfang wurden vor allem Kondition und Apnoe-Tauchen, also Tauchen ohne Gerät, trainiert, dann gab es einige Stunden Theorie mit abschließender Prüfung und letztendlich wurden verschiedene Grundlagen des Tauchens mit Gerät geprüft, zunächst im Schwimmbad, später auch in freien Gewässern. Bevor ich mit dem letzten Teil beginnen konnte, musste eine ärztliche Tauchtauglichkeitsbescheinigung ausgestellt werden. Hierfür fuhr ich zu einem speziellen Tauch- und Tropen-Mediziner; das ist zwar nicht ganz günstig, aber die Untersuchung ist da einfach wirklich gründlicher.
Auch wurde mir gleich gesagt, dass der Diabetes bei guter Einstellung überhaupt kein Problem darstellt. Ich habe für den Notfall bereits im Schwimmbad geprobt, unter Wasser Jubin zu mir zu nehmen, andere Taucher sind sogar in der Lage, einen Mars-Riegel zu essen – wie auch immer. Bevor man in die freien Gewässer geht, sollte man dies als Diabetiker in jedem Fall ausprobiert haben.
Der Startwert vor einem Tauchgang sollte tendenziell eher höher sein, da Tauchen den Blutzuckerspiegel wohl im Allgemeinen ziemlich nach unten zieht. (Auf mich trifft dies bislang nicht zu; trotzdem gehe ich unter 250mg/dL und ohne Jubin im Jacket nicht ins Wasser. Man kann ja nie wissen…)
Während meines ersten Tauchgangs nach der Ausbildung und außerhalb des Tauchvereins lernte ich eine weitere Lektion. Mein Buddy, also mein Tauchpartner innerhalb der Gesamt-Gruppe, war mein Vater mit mehreren Hundert Tauchgängen Erfahrung. Der wusste dann natürlich von meinem Diabetes und meinte, ich bräuchte es dem Guide nicht nochmal zusätzlich sagen. Einer nach dem anderen sprang also vom Boot ins Mittelmeer und einer nach dem anderen tauchte ab – bis auf einen: mein Buddy hatte nach fast 30 Jahren Tauchen zum ersten Mal Probleme und beschloss, den Tauchgang nicht mitzumachen. Also wartete ich auf zehn Metern Tiefe und war erst unruhig und verunsichert und dann wütend. Somit war ich auf meinem ersten Tauchgang, die einzige, die von meinem Diabetes wusste. Es gab keine Probleme, aber ich fühle mich doch sicherer, wenn jemand informiert ist. Nur für den Notfall. Jetzt spreche ich es meist beim Briefing, der Besprechung des Tauchgangs, an: „Ich hab Diabetes, das sollte kein Problem sein.“ Und mein Buddy erfährt dann vielleicht noch, wo ich mein Jubin hab. Dann geht es runter und ich genieße einfach das Tauchen. Und der Diabetes hat in fast vier Jahren noch nie Probleme gemacht, aber ich bin immer darauf gefasst, dass es ein erstes Mal geben könnte.

Autor: 
Caroline