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Diabetes und Ramadan

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Für viele Westeuropäer wirkt der Ramadan heute noch sehr exotisch, auch wenn viele Muslime unter uns wohnen. Was hat es damit auf sich und wieso kann es für Diabetiker wichtig sein? Die Scharia, das Religionsrecht des Islam schreibt während des Monats Ramadan vor während des Tages (vom Sonnenaufgang bis zum -untergang) nicht zu essen, zu trinken, sowie sich anderen Genüssen, wie dem Tabak oder Sex zu entziehen. Dies kann schon für gesunde Mitmenschen eine Strapaze darstellen. Deshalb wird oft nach dem Sonnenuntergang um so kräftiger und kalorienreicher geschlemt. Dies kann bei dem Ramadan im Winter dazu führen, dass Gewichtsprobleme eher vermehrt als vermindert auftreten. Für kranke Menschen gibt es eine Ausnahmereglung, die "Hurma" - "Schutz der körperlichen Unversehrtheit". Für Menschen, die das Fasten nicht vollziehen können, also auch Menschen mit Diabetes, sieht der Koran die "Ersatzhandlung" vor, täglich einen Armen zu speisen, wenn man finanziell dazu in der Lage ist. Wenn dies, wie in Deutschland, eher unüblich sei, so kann man einen Geldbetrag - ca. 7 Euro (nach anderen Quellen: 4 Euro) - spenden.

In einigen Fällen ziehen Diabetiker das Fasten jedoch trotzdem durch. In diesem Fall konsultieren Sie vorher unbedingt einen Arzt. Nach der EPIDIAR Studie, die in 13 muslimischen Ländern durchgeführt wurde fasten je nach Land 40 bis 90% der Typ-1 und Typ-2-Diabetiker. Auch in Europa mag der Durchschnitt der muslimischen Diabetiker bei 50% liegen, die Ramadan trotzdem einhalten. Die Auswirkungen auf den Diabetes können vielschichtig sein. Beide "Diabetikergruppen" können eine Unterzuckerung (wenn das Basalinsulin unbemerkt immer einen Teil des regelmäßigen Bolusbedarfs gedeckt hat oder übermäßige körperliche Anstrengung vorliegt) oder eine Überzuckerung oder Ketoazidose (Insulinmangel) bekommen. Trombosegefahr droht, wenn die Mahlzeit vor dem Sonnenaufgang sehr kohlenhydratreich war und der Diabetiker somit mit einem hohen BZ in den Tag startet. Verschiedene Medikamente können diese Gefahr noch verstärken. Wichtig ist, dass während des Fastens Blutzucker gemessen wird, um individuelle Lösungen zu finden.

Quelle: 

DR 3/2006; S. 58; Diabetologie und Stoffwechsel, Mai 2006, S. 156 - 161.