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Diabetes im Ausland: Schweden (Teil 3)

In Schweden gibt es wahrscheinlich mindestens 350.000 Menschen
mit Diabetes (50.000 von ihnen haben Typ 1, 300.000 Typ 2).

Alle Einwohner (auch Ausländer, einschl. Asylbewerber) in Schweden haben Anspruch auf medizinische Versorgung und Krankenpflege. Schweden gehört zu den EU-Ländern mit verstaatlichtem, dezentralisiertem Gesundheitssystem. Für die Steuerung des schwedischen Gesundheitssystems sind drei Ebenen zuständig: Staat, Region und Gemeinde. SE Beim Staat liegt neben der Verantwortung für die Zulassung neuer Medikamente, den gesetzlichen Regelungen auch das Amt für die nationale Sozialversicherung, das zur Abwicklung von Geldleistungen im Krankheitsfall zuständig ist.
Zuständig für die Krankenversorgung und das Gesundheitswesen sind die 21 regionalen Provinziallandtage, die innerhalb der gesetzlichen Vorgaben weitestgehend selbständig sind. Finanziert werden diese aus den direkten Einkommensteuern.
Die 289 schwedischen Gemeinden sind vor allem für die häusliche Pflege von älteren Menschen und Behinderten zuständig. Sie finanzieren sich aus eigenen Steuereinnahmen und staatlichen Zuschüssen.

Die Schweden sind Krankenversicherungen (sjukförsäkring) versichert, die eine Grundsicherung für alle darstellt. Darüber hinaus Gibt es aber auch noch Unfallversicherungen und weiteres.
Arbeitnehmer in Schweden werden oft in bestimmten (Berufs-)Gruppen versichert, die dann je nach Arbeitgeber variiert. Auch Diabetiker kommen in diesen Gruppen unter.
Neben dieser Grundsicherung kann sich der Patient auch privat weiter versichern. Dies stockt die Versicherungsleistung auf, kostet aber natürlich auch höhere Beiträge. Im Gegensatz zu den Versicherungen, die die Grundsicherung abdecken, müssen die privaten Versicherer nicht alle Personen aufnehmen. Daher ist es häufig so, dass Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung nicht mehr in diese Versicherung aufgenommen werden.
Allerdings haben Personen mit einer Einschränkung die Möglichkeit bei ihrer Versicherung eine „Handikap- Erstattung“ zu beantragen.
Ist die Diabetes-Erkrankung eines Patienten von der Versicherung anerkannt, so sind sämtliche Medikamente und benötigte und ärztlich verordnete Hilfsmittel für den Patienten kostenfrei.

Arzt und Arztbesuche

Ärztemangel in Schweden wird dann zum Problem, wenn man schnell einen Termin, vor allem bei Fachärzten, bekommen möchte. In den letzten Jahren wurde allerdings viel daran gearbeitet, diese Wartezeiten zu verkürzen. Patienten können auch Krankenhäuser aufsuchen, die außerhalb ihrer Region liegen. Hierfür sind allerdings Überweisungen nötig.

Allgemeinärzte werden in Schweden auch als Familienärzte bezeichnet. Meist sind diese in Gesundheitszentren organisiert. Diese Ärzte sind beim Provinziallandtag angestellt und beziehen ein festes Gehalt. Eine andere Möglichkeit sind Arztpraxen, die Verträge mit den Provinziallandtagen abgeschlossen haben. Privatärzte ohne solche Verträge nehmen immer mehr ab, da ihnen nur noch selten eine Niederlassungsgenehmigung erteilt wird.

Kosten für den Patienten

Bei einem Arztbesuch muss eine Gebühr gezahlt werden, deren Höhe variiert.

In welcher Höhe sich Patienten beteiligen müssen, legen die Provinziallandtage fest. Ist es ein geplanter Termin wird es für den Patienten preiswerter und kostet ca. 8 €. Bei ungeplanten Besuchen (Akutfälle) kann man bis zu ca. 33 € zahlen. Die maximal Zahlung pro Pflegetag im Krankenhaus liegt bei etwa 9€. Für Arztbesuche muss man bis zu einer Kostengrenze von 100€/ 12 Monate zuzahlen. Der Zeitraum der 12 Monate beginnt mit der ersten Konsultation, ist also nicht an das Kalenderjahr gebunden.
Bei Medikamenten müssen ähnlich wie in Deutschland Zuzahlungen geleistet werden: Bis zu einem Betrag von ca. 100€ pro Kauf und bis maximal 180€ pro 12 Monate übernimmt der Patient die Kosten, weitere werden übernommen.

Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren sind komplett vom Zahlen der Beträge befreit.

Etwas anders verhält es sich übrigens mit dem Zahnarztbesuch. Die Kosten hierfür müssen von Patienten ab 20 Jahren zum großen Teil selbst finanziert werden.

Autor: 
Kathrin Kießling
Quelle: