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Der Einfluss der frühkindlichen Ernährung auf das Risiko Typ-1-Diabetes zu bekommen

Wie in dem letzten Artikel schon angemerkt, erscheint es nach neueren Studien sehr sinnvoll, durch frühzeitige Intervention überhaupt das Auftreten von Insel-Antikörpern wie dem gegen Insulin zuvorzukommen, um bei Kindern das Risiko an Typ-1-Diabetes zu erkranken von vornherein zu minimieren.

Ohne Zweifel spielt bei der Entstehung des Typ-1-Diabetes nicht nur der genetische Faktor eine Rolle. So ist die Erkrankungstatistik von Zwillingen - nur bei ca. 30% aller Zwillingen mit diabetischen Eltern kommt es beiden zu einer Manifestation des Typ-1-Diabetes - ein beispielhaftes Anzeichen für den möglichen Zusammenhang zwischen Umweltfaktoren und dem Ausbruch der Autoimmunreaktion, die zu Diabetes führt. Folglich gehen verschiedene Studien verstärkt auf die Suche nach diesen Umweltfaktoren, die die Entstehung der "Insel-Autoimmunität" und somit später des Typ-1-Diabetes fördern.

Wäre es dann nicht möglich, dass auch bei Typ-1-Diabetes die Ernährung innerhalb des ersten Lebensjahres - ein Zeitraum wo die ersten Insel-Autoantikörper in der Regel gefunden werden - ein wichtiger Umweltfaktor sein kann?

Babydiät

Wie auch ihre Vorläuferstudie Babydiab ist diese in München angesiedelt. Sie untersucht, ob durch eine gezielte Auswahl der Getreidezufuhr während des ersten Lebenjahres das Auftreten von Inselautoimmunität bzw. Typ-1-Diabetes verhindert werden kann. Während die Babydiab Studie nebenbei die nun mehr mehrmals bestätigte These entwickelte, dass Kinder, die vor dem 4. Lebenmonat glutenhalte Nahrung zu sich genommen haben, ein 5-fach erhöhtes Risiko hatten, an Diabetes zu erkranken. Die Babydiät Studie untersucht nun, welche Auswirkungen die spätere (nach dem 6. Lebensmonat) Gabe glutenhaltiger Beikost hat. Der Umfang der Studie soll 150 Probanten umfassen, bei denen ein Familienmitglied (Eltern oder Geschwister) an Typ-1-Diabetes erkrankt ist. Wenn die ersten Zwischenergebnisse veröffentlicht werden, erscheint hier eine entsprechende Überarbeitung des Artikels.

TRIGR

Ein weiteres Feld dieser Problematik waren die widersprüchlichen Angaben zum Verzehr von Kuhmilch, bzw. der Kuhmilch enthaltenden Säuglingsnahrung im Kontext der Entstehung des Typ-1-Diabetes. Die Studie "Trial to Reduce Diabetes in the Genetically At-Risk" sollte dies nun endlich klären. In Finnland beginnend (TRIGR 1) wurde das Unterfangen inzwischen auf 17 Ländern mit geplanten 8000 Probanten erweitert. Sie sollen nach dem Stillen für die ersten 6 Monate mit einer speziellen Hydrolysat-Nahrung (Nutramigen) ernährt werden, die kein intaktes Fremdeiweis enthällt. Kinder, die im ersten halben Jahr ausschließlich gestillt wurden, erhalten die Spezialnahrung für weitere 2 Monate (d.h. bis einschließlich des 8. Monates). In diesem Zeitraum (6.- 8. Monat) erhalten die Kinder aus dem Kontrollgruppen jedoch normale Säuglingsernährung.

NIP

Nach einigen epidemologischen Studien soll die Zufuhr von den in Fischöl enthaltenen n-3-Fettsäuren während der Schwangerschaft oder in den ersten Lebensmonaten - um die es hier ja geht - möglicherweise vor Typ-1-Diabetes schützen. Nun wird untersucht, ob eine medizinische Verwertung dieses Verdachtes, mit Hilfe der Verabreichung von der in Fischöl enthaltenen Docosahexaensäure (DHA), möglich ist. Der Studienumfang ist mit 90 Kindern festgesetzt und sollte in 3 Jahren zu einem ersten Zwischenergebnis kommen.


Die Prävention von Typ-1-Diabetes ist mit diesen 3 Studien ein ganzes Stück vorangekommen, auch wenn diese sich ausschließlich auf erstgradige Verwandte von Diabetiker/innen und mit Diabetes assoziierten HLA Genotypen beschränken. Als nächster Schritt wäre dann eine groß angelegte Studie in der Allgemeinbevölkerung.


Quelle: 

Dr. Sandra Hummel, Anette Ziegler. Typ-1-Diabetes: Beeinflusst die frühkindliche Ernährung das Risiko?. MedReport Nr. 16 / 29. Jahrgang 2005, S.4