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Camp D 2011 - Interview mit dem Rothemd Dr. Ingrid Helmstädter

Dr. Ingrid HelmstaederFrau Dr. Ingrid Helmstädter aus Langen war eine der bekannten Rothemden auf dem Camp-D. Entsprechend des erlebnispädagogischen Konzeptes trug sie die Aufforderung “Quatsch mich an!” nicht nur auf ihrem T-Shirt, sondern stand den Teilnehmern auch rund um die Uhr für Fragen zur Verfügung. Daneben gab es noch die Blau- (Betreuer) und Grünhemden (Organisation).

Wir führten mit Ihr das erste der drei Interviews auf dem Camp-D 2011.

1. Sind Sie zum 1. Mal auf einem Camp-D und wie kamen Sie dazu?

Ich war schon einmal vor drei Jahren mit dabei. Von dem Projekt des Camp-Ds habe ich auf einer Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft gehört und war sofort begeistert. Nach dem Camp 2008 stand für mich fest, dass ich auch am nächsten Camp-D teilnehmen muss.

2. Sie sind selbst Diabetikerin. War der Diabetes ein Grund ihrer Studienwahl?

Primär nein. *lacht* Mit 12 Jahren wollte ich eine Eisdiele für Diabetiker aufmachen. In dem Biologieunterricht der Sekundarstufe II wuchs in mir die Überzeugung heran, Medizin zu studieren. Ich hatte zwischenzeitlich mal überlegt, in die Neurologie zu gehen, da ich die jammenden Diabetiker satt hatte, was aber nie etwas wurde ! Habe nach 1986, sprich nach meinem 3. Staatsexamen in der Inneren Medizin gearbeitet....Schulungen ... Intensivstation...Facharztausbildung. Ich hatte immer alle Diabetiker bei mir auf Station! So bin ich dann doch bei der Diabetologie gelandet.

3. Was war Ihr erster Gedanke, als Sie zum ersten Mal das Camp betraten?

Der erste Gedanke war wahrscheinlich eine Art positive Unsicherheit. Ich sah die ganzen Zelte und fragte mich, was in den nächsten Tagen wohl alles passieren wird. Es war dieser Wechsel zwischen der Ruhe vor dem Sturm und auf einmal realisiert man, dass hier Leben reinkommt, ähnlich eines Armeisenhaufens.

4. Das Konzept der Erlebnispädagogik klingt in der Theorie sehr gut. Meinen Sie, dass die Teilnehmer das Camp auch in der Praxis mit einem Mehrgewinn an Wissen und Tipps verlassen werden, so dass sich ihr Leben mit dem Diabetes direkt verbessert?

Ja, ich denke, dass die Teilnehmer definitiv etwas mit nach Hause nehmen. Vor allem das Gefühl, als Diabetiker kein Außenseiter zu sein, ist sehr wichtig. Hier auf dem Camp-D ist man fast ein Außenseiter, wenn man keine Pumpe oder Insulinpen hat. Des Weiteren steht hier der Austausch im Vordergrund. Sowohl die Jugendlichen als auch die Betreuer und Ärzte geben konstruktive Hilfe, leisten Motivation oder sind selbst ein lebendes Vorbild, wie man mit dem Diabetes besser umgehen kann. So entsteht eine ganz neue Qualität an Motivation, nach dem Camp mit neuen Eindrücken und mehr Zuversicht weiterzumachen.

5. Wie finden Sie das Gelände?

Ich fand das Gelände schon immer gut. Es ist sehr weitläufig und erlaubt viele unterschiedliche Sportarten. Als parkähnliche Anlage kann man es zudem gleichzeitig als Erholungs- und Rückzugsmöglichkeit nutzen.

6. Haben Sie schon eine Veranstaltung besucht?

Ich nahm an den Radtouren teil. Ich muss zugeben, dass ich keine Mannschaftssportarten mag. Zobbing interessiert mich schon. Mal schauen, ob ich noch dazu komme. Weiterhin werde ich mich noch bei Yoga eintragen.

7. Bei den sportlichen Events gibt es jedes Mal die Diskussion, was angemessen und was überzogen ist. Wie gut ist das Angebot aus der Sicht einer Diabetologin?

Viele sportlichen Möglichkeiten sind für jene Personen angemessen, die sonst wenig Sport machen. Andere sind schon ein wenig härter. Daher empfinde ich das Spektrum als vollkommen ausreichend. Wenn jemand sich zusätzlich auspowern will, findet er genug Gelegenheit.

8. Es gab vor allem Kritik, dass der Blutzucker einen bestimmten Wert nicht überschreiten darf, obwohl dies bei jeden individuell unterschiedlich ist. Was denken Sie darüber?

Dies sind reine Sicherheitsmaßnahmen der Firmen Bayer und NovoNordisk entsprechend der Leitlinien. Beim letzten Mal gab es keine strikten Richtlinien und eventuell als Folge daraus gab es einige sehr unschöne Hypos.

9. Gibt es allgemeine Kritikpunkte, die Ihnen aufgefallen sind?

Es gibt bei jeder Veranstaltung kleine Verbesserungsmöglichkeiten. Obwohl hier schon alles sehr professionell ablief, kann man die Logistik der Anreise, der einzelnen Programmteile u.s.w. verbessern.

10. Gibt es einen Bereich des Camp-D, den Sie besonders loben möchten?

Keiner der hier anwesenden Ärzte ist Diabetologe nur um Geld zu verdienen. Obwohl wir alle aus individuellen Gründen in diesem Bereich arbeiten, merke ich jeden Tag auf dem Camp-D, dass alle am gleichen Strick ziehen und für das Gleiche kämpfen. Das finde ich toll.

11. Kannten Sie das Angebot des Diabetes-Zentrale e.V., im Speziellen Diabetes-Teens.net und Diabetes-Index.de?

Nein, aber das wird sich sicher ändern.

Vielen Dank für das Gespräch und noch weiterhin viel Spaß auf dem Camp-D 2011.