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Camp D 2011 - Interview mit Christina Betz-Senftleben (Orga)

Christina Betz-Senftleben hat das Camp D, zusammen mit Hansruedi Stahel, "erfunden". Das erste Camp D wurde von beiden im Juli 2006 veranstaltet. Christina Betz-Senftleben ist noch heute eine der Hauptorganisatoren der Veranstaltung. Das Camp D fand in diesem Jahr zum dritten Mal statt. Als Mit-Organisatorin ist sie maßgeblich für die Planung und Durchführung der Veranstaltung verantwortlich gewesen.

1. Du warst zusammen mit Hansruedi Stahel quasi der Geburtshelfer des Camp-D. Wie kamt ihr auf die Idee?

Auf einer Fortbildung in der Novo Nordisk Akademie erzählten uns Ärzte, wie schwer es ist, junge Menschen mit Diabetesum die 20 Jahre zu erreichen. Dass gerade das Alter der älteren Jugendlichen problematisch ist, erfuhren wir auch durch die D AWN Youth Studie. Hansruedi entwickelte daraufhin die Idee, ein Camp für junge Menschen mit Diabetes aufzubauen und Novo Nordisk unterstützte uns darin von der ersten Minute an.

2. Hast Du persönlich eine Verbindung mit der chronischen Krankheit Diabetes mellitus Typ-1?

Nein, ich kam nur durch Novo Nordisk und die Kontakte, die sich durch die Arbeit ergeben, mit der Krankheit in Berührung, bis ich mit meinem zweiten Sohn schwanger wurde. Als bei mir Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert wurde, erinnerte ich mich an eine sehr nette und kompetente Diabetesberaterin aus der Akademie. Sie unterstützte mich auf nur alle erdenkbaren Wegen, so dass alles glatt lief. Interessanterweise war das Blutzuckermessen für mich am schlimmsten, nicht das Spritzen. Der Unterschied ist aber vielleicht auch gewesen, dass ich wusste, dass es bald vorbei sein wird.

3. Bevor das erste Camp begann, d.h. bevor die ersten Teilnehmer im Jahre 2006 ankamen, was waren Deine ersten Gedanken?

Es war keine Ruhe vor dem Sturm, sondern eine Art “Reingleiten” in die Veranstaltung. Da ich in den letzten Jahren immer mehr realisierte, wie sehr das Organisieren uns alle unter Strom setzt, wollte ich das Team so sehr vergrößern, so dass alle mal die eine oder andere Veranstaltung auf dem Camp besuchen können.

4. Das Konzept der Erlebnispädagogik klingt in der Theorie sehr gut. Meinst Du, dass die Teilnehmer das Camp auch in der Praxis mit einem Mehrgewinn an Wissen und Tipps verlassen werden, so dass sich ihr Leben mit dem Diabetes direkt verbessert?

Ich bin grundsätzlich davon überzeugt, dass Körper und Geist zusammengehört. Von daher denke ich, dass das Erkennen, dass man nicht allein ist, eine ungeheure Motivation darstellt. Da es lokal oft keine gleichaltrigen Leidensgenossen gibt und die Kinder in den Wartezimmern allzuoft mit Patienten im Alter 60+ zusammensitzen, achten wir darauf, sie mit anderen Typ-1-Diabetiker aus der jeweiligen Region zusammen unterzubringen. So können Sie sich gegenseitig Tipps geben, ohne dabei ein “Du musst” zu hören. Ich denke schon, dass es uns auf dem Camp gelingt von der typischen Arzt ⇔ Patienten-Ebene abzurücken und eine ganz neue und produktive Art der Kommunikation aufzubauen.

5. Welche Eigenschaften musste das Gelände haben? Nach welchen Kriterien habt Ihr es gesucht?

Bei der Ausschreibung für das Gelände achteten wir auf folgende Kriterien. Es musste möglich sein, mindestens 1000 Menschen in Zelten unterzubringen. Sie sollten eine Reihe von Sportaktivitäten nachgehen können. Des weiteren sollten ein Hotel und ein Krankenhaus mit einer Diabetesstation in der Nähe vorhanden sein. So kamen wir auf dieses Gelände in Bad Segeberg.

6. Schaffst Du es bei dem ganzen Stress, selbst an einer Sportveranstaltung oder einem Workshop teilzunehmen?

Zum ersten Mal schaffte ich es, während des Sporttages rauszukommen und ein paar Events anzuschauen. Selbst dabei war ich beim Staffellauf. Die Workshops konnte ich leider nicht besuchen.

7. Es gab vor allem Kritik, dass der Blutzucker einen bestimmten Wert nicht überschreiten darf, obwohl dies bei jeden individuell unterschiedlich ist. Was denkst Du darüber?

Dies ist eine reine Sicherheitsmaßnahme und sollte nicht als Schikane aufgefasst werden.

8. Gibt es allgemeine Kritikpunkte, die Dir aufgefallen sind?

Viele kleine Fehler macht man bei der Organisation eines solchen Ereignisses nur einmal. So werden wir nie wieder eine Pressekonferenz im Büro veranstalten. Dort gab es viel zu wenig Platz für die Besucher. Außerdem sollte es ein Rückzugsort für das Organisationsteam sein, falls was zu besprechen ist. Daneben gab es kleine Logistikprobleme, die aber wahrscheinlich normal sind.

9. Gibt es einen Bereich des Camp-D, den Du besonders loben möchtest?

Es hat mich ganz besonders gefreut, dass alle Sport- und Workshopangebote bei den Teilnehmer ankamen. Auch die Kommunikation im Team lief super und verdient ein großes Lob.

10. Kanntest Du das Angebot des Diabetes-Zentrale e.V., im Speziellen Diabetes-Teens.net und Diabetes-Index.de?

Diabetes Teens war von Anfang an eine hilfreiche Stütze, wenn es darum ging, Anregungen und Wünsche von Seiten der jungen DiabetikerInnen zu sammeln. Diesbezüglich freuen wir uns auch in Zukunft auf die Unterstützung des Teams von Diabetes-Zentrale e.V. zurückgreifen zu können.

Vielen Dank für das Gespräch und noch weiterhin viel Spaß auf dem Camp-D 2011.