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Ernährungsempfehlungen bei Diabetes

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Trotz weitreichender Studien halten sich bei dem Thema der Ernährungsempfehlungen Tipps, die schon lange überholt sind. In der Zeitschrift der Amerikanischen Diabetes Gesellschaft 2002(1) fand ich einen Artikel über ein Klassifizierungssystem bezgl. der "Qualität" der Ernährungstipps. Zum Verständnis eine kurze Abfolge:

  • Klasse A: Klarer Beweis aufgrund gut durchgeführten, von der Größe ausreichenden Studien.
  • Klasse B: Unterstützungswerter Beweis
  • Klasse C: Unterstützung nur durch schlecht durchgeführte Studien vorhanden. Vorsicht!
  • Klasse E: Expertenmeinungen oder klinische Erfahrungen

Ok, kommen wir nun zu den Ernährungstipps:

  1. Kohlenhydrate und Diabetes
    1. Klasse A:
      • Nahrungsmittel, die Kohlenhydrate aus Vollkorn, Früchten, Gemüse und fettarmer Milch enthalten, sollten den wesentlichen Teil einer solchen gesunden Ernährung ausmachen
      • Sind Zucker und zuckerhaltige Nahrungsmittel Teil eines Ernährungsplanes, sollte Saccharose - vor allem bei Typ-2-Diabetes - durch andere Kohlenhydrate ersetzt werden. Falls sie dennoch verwendet wird, sollte die Wirkung durch ausreichende Mengen an Insulin oder anderen blutzuckersenkenden Medikamenten ausgeglichen werden.
      • Süsstoffe sind sicher, solange sich ihr Konsum in Grenzen hällt. Siehe von der IDF emfohlene Menge.
    2. Klasse B:
      • Diabetikern sollte, wie auch der Allgemeinbevölkerung, der Gebrauch von ballaststoffreichen Nahrungsmittel empfohlen werden. Es gibt jedoch keinen Grund, dass Diabetiker mehr Ballaststoffe zu sich nehmen als andere Menschen.
      • Obwohl der Gebrauch von Nahrungsmitteln mit niedriger Blutzuckerwirksamkeit den postprandialen - sprich nach dem Essen - Blutzuckeranstieg verringert, gibt es nicht genug Beweise aus Langzeitstudien, die eine Nutzung solcher Nahrungsmittel als primäre Strategie in der Mahlzeitenplanung rechtfertigen.
    3. Klasse C: Patienten mit festen Insulindosen (CT) sollten ihre tägliche Kohlenhydrataufnahme möglichst konstant halten.
    4. Klasse E:
      • Kohlenhydrate und einfach ungesättigte Fettsäuren sollten etwa 60-70% der Energiezufuhr ausmachen. Dabei müssen jedoch die Stoffwechselwirkung und die Wirkung auf das Körpergewicht beachtet werden.
      • Saccharose und saccarosehaltige Nahrungsmittel (Cola zum Beispiel) sollten nur zusammen mit einer Mahlzeit verzehrt werden. Ausnahme sind Hypoglykämien.
  2. Eiweiss und Diabetes
    1. Klasse B:
      • Bei Typ-2-Diabetes mit guter Stoffwechsellage führt Nahrungseiweis nicht zu einem Blutzuckeranstieg. Eiweis stimuliert aber die Insulinsekretion genauso stark wie Kohlenhydrate.
      • Bei Diabetikern kann der Eiweisbedarf, vor allem bei schlechter Stoffwechsellage, größer sein als die allgemein empfohlene Menge, aber nicht größer als die übliche (überhöhte) Zufuhr.
    2. Klasse E:
      • Es gibt keinen Beweis, dass die übliche Eiweismenge (15-20% der täglichen Gesamtenergie) bei Diabetikern modifiziert werden sollte, solange eine gesunde Nierenfunktion vorliegt.

        Die Langzeitwirkung von eiweißreichen und kohlenhydratarmen Ernährungsformen ist nicht bekannt. Obwohl kurzfristig mit solchen Diäten ein Gewichtsverlust und eine bessere Blutzuckereinstellung bei Typ-2-Diabetes erreicht werden kann, sind diese Effekte über längere Zeit nicht gesichtert. Auch muss die Wirkung auf das LDL-Cholesterin dabei kritisch überprüft werden.

  3. Nahrungsfett und Diabetes
    1. Klasse A:
      • Weniger als 10% der täglichen Energiezufuhr sollten aus gesättigten Fetten bestehen. Patienten mit einem LDL-Cholesterin von > 100 mg/dl können von einer Senkung auf weniger als 7% profitieren.
      • Die Cholesterinaufnahme sollte weniger als 300 mg/Tag betragen. Bei Patienten mit einem LDL-Cholesterin von 100 und mehr mg/dl sollte die C.aufnahme um 100, sprich unter 200 mg täglich reduziert werden.
    2. Klasse B:
      • Um das LDL-Ch. zu senken, sollte, wenn gleichzeitig eine Gewichtsabnahme angestrebt wird, vorrangig die Energiezufuhr von gesättigten Fettsäuren verringert werden. Ansonsten können gesättigte Fettsäuren durch Kohlenhydrate oder ungesättigte F. ersetzt werden.
      • Die Aufnahme von Transfettsäuren sollte so gering wie möglich sein.
      • Fettarme Ernährungsformen, soweit sie über längere Zeit beibehalten werden, tragen zu einem mäßigen Gewichtsverlust und zur Verbesserung der Dyslipidämie - eine Störung des Fettstoffwechsels - bei.
    3. Klasse C: Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sollten etwa 10% der Energiezufuhr ausmachen.
  4. Energiezufuhr und Übergewicht
    1. Klasse A:
      • Eine reduzierte Energieaufnahme und ein mäßiger Gewichtsverlust verbessern bei Insulinresistenz die Insulinwirksamkeit und die Blutzuckerwerte nur kurzfristig
      • Standarddiäten zur Gewichtsabnahme führen, wenn sie isoliert angewandt werden, gewöhnlich nicht zu einer lang andauernden Gewichtsabnahme.
      • Strukturierte Programme mit Änderung der Lebensweise, einschließlich einer Schulung, verminderte Fettaufnahme (weniger als 30% der täglichen Kalorien) und Energiezufuhr, sowie regelmäßige körperliche Betätigung mit Kontaktaufnahme und Betreuung der Teilnehmer können eine langfristige Gewichtsabnahme von 5-7% des Ausgangsgewichts bewirken.
      • Körperliche Betätigung und Verhaltensänderung sind auch als zusätzliche Hilfe bei anderen Formen der Gewichtsreduktion äußerst nützlich
  5. Alkohol und Diabetes
    1. Klasse B:
      • Wenn Patienten Alkohol zu sich zunehmen, sollte die tägliche Menge auf einen Drink bei Frauen und 2 Drinks bei Männern beschränkt werden. Ein Drink entspricht 0,3l Bier oder 1/4l Wein oder ein Schnaps.
      • Um die Gefahr einer Unterzuckerung zu verringern sollte Alkohol nur bei Mahlzeiten getrunken werden.
  6. Schwangerschaft und Stillzeit
    1. Klasse E
      • Der Nahrungsbedarf während der Schwangerschaft und Stillzeit ist bei Frauen mit und ohne Diabetes ähnlich.
      • Ernährungsempfehlungen bei Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes) sollten auf eine gemäßigte Gewichtszunahme, das Erreichen normaler Blutzuckerwerte und das Vermeiden von Ketonkörpern ausgerichtet sein.
  7. Die Ernährung älterer Diabetiker
    1. Klasse A
      • Der Energiebedarf für ältere Menschen ist geringer als für Jüngere.
      • Körperliche Bewegung sollte auch älteren Menschen empfohlen werden.
    2. Klasse E
      • Bei älteren Menschen ist eine Unterernährung häufiger als eine Überernährung. Bei Ernährungsempfehlungen zur Gewichtsreduktion ist deshalb Vorsicht geboten.
  8. Empfehlungen zur Prävention und Behandlung von Unterzuckerungen und anderen begleitenden Erkrankungen.
    1. Klasse A:
    2. Glukose ist die bevorzugte Behandlung bei Unterzuckerungen, obwohl auch jede andere Form von Kohlenhydraten, die Glukose enthällt, benutzt werden kann.

    3. Klasse B
      • Die Gabe von 15-20 g Glukose ist eine wirkungsvolle Therapie bei Hypoglykämien, obwohl der Blutucker dadurch nur vorrübergehend angehoben werden kann.
      • Bei aktuten Erkrankungen sollten Blut- und Urinzucker auf Ketonurie überprüft werden. Weiterhin sollte man viel trinken und ausreichend Kohlenhydrate zu sich nehmen.
    4. Klasse E:
    5. Einen Erfolg in der Behandlung von Unterzuckerungen sollte innerhalb von 10-20 Minuten auftreten. Der Blutzucker sollte nach 1 Stunde überprüft werden, um evtl. weitere notwendige Maßnahmen einleiten zu können.

  9. Hypertonie
    1. Klasse A:
    2. Bei normo- und hypertensiven Patienten senkt eine kochsalzarme Ernährung den Blutdruck. Ein mäßiger Gewichtsverlust beeinflusst ebenfalls den Blutdruck positiv.

    3. Klasse E:
    4. Die Natriumzufuhr sollte auf 2,4 mg (100 mmol) bezw. die Kochsalzzufuhr auf 6 g täglich reduziert werden.

  10. Nephropathie
    1. Klasse C:
    2. Bei Patienten mit Mikroalbuminurie kann eine Verringerung der Eiweiszufuhr auf 0,8-1,0 g / kg Körpergewicht (KG) täglich, bei manifester Nephropathie eine Verringerung auf 0,8 g/kg KG das Fortschreiten der Erkrankung verzögern.