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Diabetes und Kriminalität

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Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon. Welche Relevanz diese Bedeutung außerhalb des humanitären Charakters in Betreuung des Diabetikers bekommt, erfährt man selten. Gemeint ist das Thema Diabetes und Kriminalität.

Mord durch Insulin

Vor allem bei älteren Patienten sind Fälle bekannt, bei denen plötzliche und schwere Hypoglykämien aufgetreten sind, obwohl kein Insulin therapiebedingt injiziert werden musste. In den meisten Fällen konnte das Leben der Patienten durch hinzugezogene Notärzte noch gerettet werden, wobei oft so lang anhaltende Unterzuckerungen registriert wurden, dass eine natürliche Ursache (zu wenig Nahrungsaufnahme bspw.) höchst unwahrscheinlich scheint. Noch auffälliger sind diese Fälle geworden, als man mit feststellte, dass die Unterzuckerungen durchgehend nach dem Besuch einer bestimmten Pflegeperson aufgetreten sind. Aber auch die ärztlichen Helfer haben sich in wenigen Fällen selbst schuldig bekannt, als sie geleitet durch schwere Fehldiagnosen einen hypoglykämischen Tod als "Segen" ansahen und folglich keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen.In einem bekannten Fall verweigerte der Notarzt neben der Behandlung der Unterzuckerung auch die stationäre Einweisung, die dann durch einen anderen Kollegen nach mehrstündigen Nichteintreten des Todes doch durchgeführt wurde. In allen Fällen wurden die Ermittlung aufgenommen, nachdem eine C-Peptidanalyse gemacht wurde: Durch die längere Haltbarkeit des C-Peptids im Blut kann man den vergangenen Insulinspiegel ermitteln.

Was sagen die Ärzte dazu?

Prof. Dr. Peter Naworath bezeichnet logischerweise jeden Mordfall durch Pflegepersonal oder Angehörigen, was es auch gibt, als einen zuviel. Die Patienten selber sind sehr sehr selten die Täter, sprich "Diabetespatienten wählen bei der Selbsttötung meist andere Formen des Suizids als eine Überdosis an Insulin". Oft genug sind die Ärzte für dieses Thema nicht sensibilisiert genug. Sie danken nicht an kriminelle Ursachen, wenn sie einen Todesfall durch Hypoglykämie feststellen. Dies wäre auch unsere Konklusion zu dem Thema: Das wichtigste ist es jede Person, die mit solchen Todesfällen in Berührung kommt auf die Eventualität vorzubereiten, dass es sich hier um einen Mord handeln könnte.

Als Diabetiker hinter Schloss und Riegel

Die erste elementare Einteilung dieser soll der Zeitpunkt der Manifestation sein: In den meisten JVAs macht es durchaus einen Unterschied, ob der Diabetes vor der Verurteilung oder im Gefängnis festgestellt wurde. Bei der Manifestation "vor Ort" bleibt nur eine Einstellung im JVA Krankenhaus zur Auswahl. Nicht immer findet man dort die Spezialisten, die bei freier Arztwahl möglich sind. Auch die auto- oder fremddidaktische Schulung ist innerhalb der JVA nicht immer zur Zufriedenheit der Patienten möglich. Der Insulinpen, eigentlich eine "Waffe" mit der man bspw. in der USA im normalen Flugverkehr schräg angeschaut wird, darf mit in die Zelle genommen. Diese Sondergenehmigung für Diabetiker erlaubt es den Gefangenen sich selber zu spritzen und zu messen. Alleinig verboten sind (noch) Insulinpumpen, da der Katheterschlauch schnell zweckentfremdet werden kann.

Der zweite Unterschied wird bezüglich des Diabetestyps gemacht. Während Typ-2-Diabetiker sich besser versorgt fühlen, scheint es in einigen JVAs Probleme bezüglich der Versorgung von Typ-1-Diabetikern zu geben. Vor allem die Hypo-Gefahr in Verbindung mit dem Unwissen der Justizangestellten ist eine enorme Gefahr, die schwere Auswirkungen haben kann.

Quelle: 

Subkutan 5/2004.