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Verhindert die Praxisgebühr medizinisch notwendige Behandlungen?

Die Praxisgebühr wurde im Jahr 2004 eingeführt. Seitdem müssen gesetzlich versicherte grundsätzlich 10,00 EUR pro Besuch bei einem Arzt, Zahnarzt oder Psychotherapeuten bezahlen. Ziel dieser Gebühr war, die Zahl von Arztbesuchen zu reduzieren. Aus der politischen Rhetorik betrachtet soll die Praxisgebühr, die sozial höchst ungerecht ist, keine notwendige medizinische Hilfe verhindern. So muss man bei einem Notfall, beispielsweise wenn man von einem Rettungswagen abgeholt wird, nicht am Eingang zum Rettungswagen bezahlen, sondern bekommt eine Rechnung zugeschickt, die man dann entsprechend zu liquidieren hat.

Anders ist das in Hattingen. Am Ostermontag wurde ein Patient in ein christliches Krankenhaus (vielleicht sollte man dort den Teil der Bibel, der sich der Nächstenliebe widmet noch einmal studieren) von einem Rettungswagen eingeliefert, weil er über Beschwerden klagte. Er hatte starke Schmerzen. Er wurde dann aufgefordert die Praxisgebühr zu bezahlen, er hatte jedoch nur 5,00 EUR bei sich. Man verweigerte ihm daraufhin ärztliche Hilfe und teilte ihm mit, er möge doch Freunde oder Verwandte anrufen, die ihm zunächst das Geld vorbeibrächten. Mit der Behandlung wurde erst begonnen, als ihm eine andere Patientin die fehlenden 5,00 EUR lieh. Das Krankenhaus schätzte seinen Gesundheitszustand aber immerhin als so behandlungsbedürftig ein, dass er nach der Zahlung unverzüglich behandelt wurde. Zusammen mit der Tatsache, dass nicht jeder, der Husten hat mit einem Rettungswagen transportiert wird, hätte man also offensichtlich die Verbindung mit einem Notfall bilden können.

Der Patient war so schwer an einer Darmentzündung erkrankt, dass er neun Tage stationär behandelt werden musste. Wäre die andere Patientin nicht gewesen, hätte man ihn in Hattingen vermutlich erst mit dem Rettungswagen zur nächsten Sparkasse geschickt...