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Verhalten bei einem Verkehrsunfall

Sicherlich haben Sie sich als Diabetiker auch schon einmal die Frage gestellt, wie man sich am besten im Falle eines Unfalles verhalten sollte?

Erst einmal darf man sich nicht vom Unfallort entfernen man muss zunächst anhalten, anderenfalls würde man ggf. Unfallflucht begehen, strafbar gemäß § 142 StGB. Dann sollte man sich von der Gesundheit der eigenen Fahrzeuginsassen überzeugen und gucken, ob sich beim Unfallgegner jemand verletzt hat. Ist dies der Fall sollte man - sofern notwendig - sofort einen Rettungswagen rufen und wenn möglich selber erste Hilfe leisten.

In den meisten Fällen ist es auch ratsam die Polizei zu rufen um den Unfall aufzunehmen. Allerdings darf man sich zu keinen romantischen Träumereien hinreißen lassen. Für Polizisten ist das Aufnehmen von Verkehrsunfällen kein Highlight im Polizeialltag und die meisten wollen sich möglichst schnell wieder anderen Aufgaben widmen.

Wie sollte man sich aber speziell als Diabetiker verhalten?
Zunächst einmal braucht man gegenüber niemandem Angaben machen, die einen belasten würden. Das gilt nicht nur in einem Strafprozess, sondern gerade auch vorher gegenüber der Polizei. Auch wenn die Polizei es nicht gerne hört (so habe ich es leider erleben müssen), gibt es in Deutschland keine Pflicht eine Aussage gegenüber der Polizei zu machen; das gilt nicht nur für Verdächtige, sondern auch für Zeugen und alle anderen. Allerdings muss man Angaben zur Person machen, also insbesondere zu Name, Wohnort, Alter und Geburtsdatum (ggf. auch Beruf). Eine Pflicht zur Aussage besteht nur gegenüber der Staatsanwaltschaft und dem Gericht nachdem der Zeuge ordnungsgemäß vorgeladen worden ist; auch hier muss ein Verdächtiger keine Angaben machen, die ihn belasten könnten. Verwandte können sich unter Umständen auf ein Zeugnisverweigerungsrecht berufen; dies gilt zumindest für Verlobte, Ehegatten (auch nach der Scheidung), Lebenspartner (auch nach der Aufhebung) und Verwandte und Verschwägerte in gerade Linie (§ 52 Abs. 1 StPO).

Bei einem Unfall ist folgendes eine denkbar schlechte Ausrede: "Tut mir Leid, ich konnte nichts dafür, ich bin leider unterzuckert." In einem solchen Fall ist davon auszugehen, dass der Führerschein umgehend eingezogen wird und auf absehbare Zeit auch nicht zurückgegeben wird. Dies liegt daran, dass man ja gerade eingestanden hat, dass man gesundheitlich nicht in der Lage ist ein Kraftfahrzeug sicher zu führen. In einem Fall einer Unterzuckerung sollte man hiergegen erst einmal etwas tun und beispielsweise Traubenzucker essen.

Im Zweifel ist es besser zunächst keine Angaben zu machen und sich später ggf. schriftlich zu äußern. Besonders wenn der Führerschein Grundlage einer Erwerbstätigkeit ist sollte man Rat bei einem (Fach-)Anwalt suchen. Generell sollte man keinesfalls pauschal die Schuld eingestehen, sondern wenn man sich einlässt sachlich den Unfallhergang schildern. Eine rechtliche Bewertung steht dem Unfallverursacher nicht zu, da sich die Haftpflichtversicherung eine eigene rechtliche Bewertung vorbehält. Wenn man nun die Schuld eingesteht, so klar die Sachlage auch auf den ersten Blick sein mag, kann die Haftpflichtversicherung im Zweifel nicht mehr alle eigentlich vorhandenen Möglichkeiten ausschöpfen. Dies kann im ernstfall sogar den Versicherungsschutz kosten, weil man gegen Vertragspflichten verstoßen hat (die meisten Versicherer regeln dies in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen). In der Praxis sind Verkehrsunfälle rechtlich betrachtet alles andere als klar und einfach.

Sofern man selber ärztlich behandelt werden muss und ein Arzt oder Rettungsassistent merkt, dass man Diabetiker ist, darf dieser dies nicht an die Polizei weitergeben. Solche Dinge fallen unter die (ärztliche) Schweigepflicht, auf diese Pflicht und mögliche Konsequenzen kann man das Personal im Zweifel auch hinweisen, bevor die möglicherweise solche Details ausplaudern. Wenn ein Polizist möglicherweise eine Pumpe, einen Pen oder das Messgerät erkennt hat man jedoch schlechte Karten.

Generell wünsche ich allen Lesern keinen Unfall zu haben und diese Tipps niemals zu brauchen!

Hinweis: 

Dies ist ein Thema der Kategorie "Recht", wir überprüfen Artikel auf Richtigkeit, jedoch können wir hierfür keine Gewähr übernehmen. Unsere Artikel sind keine Rechtsberatung und ersetzen eine solche auch nicht. Bitte kontaktieren sind in ihrem konkreten Fall einen Rechtsanwalt, sofern Ihnen dies notwendig erscheint.