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Die Gesundheitskarte als Ersatz der Krankenkassenkarte

Eigentlich müsste dieser Artikel ein alter Hut sein, denn die Gesundheitskarte sollte bereits 2006 eingeführt werden, nun ja, vorab: Sie kommt!

Was ist denn die Gesundheitskarte?

Die Gesundheitskarte löst ab Oktober diesen Jahres, also ab sofort, die alte Krankenkassenkarte ab. Sie sieht ähnlich aus, optisch ist nur ein Foto hinzugekommen. Die bisherige Versicherungsnummer wird gegen eine getauscht, die man sein Leben lang behält, ganz egal wie oft man die Krankenkasse wechselt. Außerdem hat die neue Karte einen anderen Chip als die alte, der derzeit aber nur dieselben Daten beherbergt. Der Nachteil der alten Karten war, dass die Adresse in der Regel nicht verändert werden konnte. Außerdem konnten keine zusätzlichen Daten gespeichert werden. Beides wird nun möglich sein, auf der neuen Karte können sowohl die Krankenkassen als auch Ärzte - letztere zusammen mit dem Patienten - die Adressdaten verändern. Das zusätzliche Passfoto soll dafür sorgen, dass nicht eine Person versichert wird und 5 Brüder über die eine Versicherungspolice Kosten abrechnen. Eine nachvollziehbare Änderung, wobei mir keine Daten/Statistiken bekannt sind, wonach besonders viele diese "Sicherheitslücke" ausgenutzt hätten, in Deutschland dürfte es für die meisten auch keinen Anreiz geben.

Sicherheit

Die Karte die wir alle noch haben hat einen Mikrochip, der eine gewisse Menge an Daten speichern kann. Die neue Karte hat nun einen Chip mit Mikroprozessor, der nicht nur mehr Daten speichern kann, sondern diese auch verschlüsselt und damit die Datensicherheit sicherstellt.

Die Daten sind in verschiedene Sicherheitsbereiche aufgeteilt. Das klingt sehr kompliziert. Vereinfacht dargestellt ist es ein sicherer Schrank oder Tresor mit zwei Schubladen, die oberste Schublade hat ein Schloss, hierfür haben die Ärzte einen Generalschlüssel (ärztlicher Heilberufeausweis). Die untere Schublade hat zwei Schlösser, eins für den ärztlichen Generalschlüssel (Heilberufeausweis) und einen hat der Patient selber (den Pin). Nur mit beiden Schlössern lässt sich die Schublade öffnen.

Die Daten, die bereits auch auf der alten Karte gespeichert sind (Name, Geburtsdatum, Geschlecht, Anschrift und Angaben zur Krankenversicherung) kann ein Arzt mit seinem Heilberufeausweis auslesen (oberste Schublade in obigem Beispiel), hierfür ist keine Aktion des Patienten notwendig. Dies dürfte insoweit auch nicht problematisch sein, als dass die Daten auf der alten Karte gar nicht verschlüsselt waren.

Des Weiteren gibt es einen Bereich auf dem, je nach Wunsch des Patienten, zukünftig wohl medizinische Daten gespeichert werden könnten. In Frage kommen u. a. Unverträglichkeiten, Allergien, Befunde, einzunehmende Medikamente langfristig auch evtl. Rezepte. Diese Daten kann der Arzt nur dann auslesen, wenn er seinen Heilberufeausweis einsteckt und der Patient die Daten mit einem Pin freigibt (untere Schublade in obigem Beispiel). Dieser Pin sollte, wie bei der EC Karte, nur dem Patienten bekannt sein. Die Daten können daher also nicht unbefugt ausgelesen werden, sondern nur, wenn der Patient es im Einzelfall ausdrücklich gestattet. Dies alles wird unter elektronische Patientenakte zusammengefasst und kann im Falle eines Krankenkassenwechsels auf eine neue Karte transferiert werden.

Vermutlich werden Sie sich schon gedacht haben, dass diese Daten für Notfälle eher weniger zu gebrauchen sind, denn wenn jemand nicht mehr oder kaum noch ansprechbar ist wird er wohl kaum verdeckt einen Pin eingeben können. Daran wurde allerdings gedacht. So gibt es einen Bereich auf der Karte, der für Notfälle gedacht ist, dort kann ein Notarzt Daten mit seinem Heilberufeausweis entschlüsseln und anzeigen (wohl ebenfalls obige Schublade). Hier hat der Patient die Entscheidungsgewalt darüber, welche Daten er preisgeben möchte. Das könnten beispielsweise Allergien und Unverträglichkeiten oder eben eine Organspendefreigabe (meinen Artikel zur Organspende/zum Organspendeausweis finden Sie hier) oder eine Patientenverfügung sein.

Es soll wohl sehr schwierig sein, den Ausweis zu knacken/hacken. Insofern sind sich die Behörde uni sono einig, dass er sicher ist. Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte hat keine Bedenken mehr. Daher auch die große Verzögerung, die dadurch verursacht wurde, dass Datenschutzbedenken ausgeschaltet werden sollten. Arbeitgeber erhalten keinen Zugriff.

Abgesehen von den erstgenannten Daten (den Verwaltungsdaten) sind alle Daten freiwillig!

Zusätzliche spätere Möglichkeiten

Derzeit sind auf der Gesundheitskarte dieselben Daten gespeichert, wie auf der alten Karte auch. Im Gegensatz zu der alten Karte ist die neue aber erweiterbar, so dass diese nicht alle nach kurzer Zeit erneut getauscht werden müssen. Zukünftig sollen auch beispielsweise Informationen über die Organspendebereitschaft gespeichert werden können oder eine Patientenverfügung, hier ist es wenig sinnvoll, wenn die Daten irgendwo versteckt oder unauffindbar herumliegen.

Für Notfälle könnte neben Unverträglichkeiten, Allergien und Medikamenten auch die Blutgruppe gespeichert werden. Oder als temporärer Datensatz auch eine Schwangerschaft, da dies bei Unfällen/Notfälle eine wichtige Information für Rettungskräfte sein kann.

Einführung

Die Einführung beginnt ab sofort, die Krankenkassen geben seit dem 01. Oktober 2011 nur noch diese Karten aus. Zudem sind sie verpflichtet bis Ende des Jahres 10% aller im Umlauf befindlichen Karten auszutauschen und bis Ende 2012 alle restlichen Karten.

Bis zum Austausch gelten die alten Karten aber unbegrenzt weiter!

Durch die Möglichkeit die Daten auf der Karte ohne einen Austausch zu ändern sollen die hohen Kosten für den Austausch der Karten eingespart werden, zudem verspricht man sich dadurch Einsparpotential, dass nun ein Foto auf der Karte ist und Doppeluntersuchungen mit der elektronischen Patientenakte vermieden werden können.

Verwundert bin ich ein wenig, dass die Krankenkassen hierüber gänzlich nicht informieren!