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Interview mit Timo Zander von http://insulinaspekte.de

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Nach einiger Zeit wollen wir die Reihe der Interviews mit Bloggern wieder aufnehmen. Da passt es sicher, dass unser erster Interviewpartner nun jemand ist, der noch gar nicht sooo lange an Diabetes mellitus erkrankt ist. Trotzdem hämmerte er schon kräftig in die Tasten und ermöglicht es dem Leser seines Blogs, seit seiner Diagnose dabei zu sein.

1.Timo, die Manifestation deines Diabetes ist - wie Du in deinem Blog http://insulinaspekte.de schreibst - weniger als 1 Jahr her. Wie kam es zu der Idee, deine Erfahrungen und Gedanken in einem Blog festzuhalten? Hattest du zuvor schon über andere Themen im Internet geschrieben?

Die Idee, einen Diabetes-begleitenden Blog zu schreiben, bekam ich bereits während meines einwöchigen Krankenhausaufenthaltes nach der Diagnose. Zu dem Zeitpunkt wusste ich natürlich überhaupt noch nicht, wie die Blogging-Szene unter den Typ-1-Diabetikern aufgestellt ist. Die Einrichtung des Blogs selbst dauerte anschließend ungefähr eine Woche. Angefangen zu bloggen habe ich bereits 2010 auf http://tinkengil.com, wo ich über verschiedene, meist Technik-basierte Themen schreibe. Anfangs habe ich dort viel über Podcasts geschrieben, die ich gerne höre, und 2012 habe ich zusammen mit einem Freund sogar einen eigenen Podcast zum Thema Videospiele gestartet. (http://playtogether-podcast.de)

2. Wenn man deine Blogbeiträge liest, fällt schnell auf, dass Du sowohl lokale Ereignisse aus Kiel als auch Fragen “hinter den Kulissen” eines Diabetikerlebens, wie zum Beispiel die Möglichkeit, Insulinpumpen zu hacken, zum Thema nimmst. Wie findest Du deine Themen und welche Verbindung besteht zwischen Dir und den “Kieler Diabeteshelden” (http://www.diabetes-helden.de/)?

Timo Zander vor der Silhouette von KielIch schreibe einfach über Dinge, die ich interessant oder relevant finde. Wenn ich etwas finde, was zur Thematik passt (etwa das Entenrennen), oder wenn sich etwas bei meiner Therapie grundsätzlich ändert, dann schreibe ich darüber. Zwischen den Diabetes-Helden und mir besteht keine Verbindung. Ich wurde über ein Plakat auf den Verein aufmerksam, und informierte mich daraufhin. Das Ziel, Kinder mit Diabetes und deren Eltern zu unterstützen, gefällt mir. Das fängt schon damit an, dass viele Kliniken nicht mal ein einziges CGM-System zur Verfügung haben, welches gerade bei schwer einzustellenden Kindern besonders hilfreich wäre. Der Verein bietet auch eine Babysitter-Vermittlung mit Diabetes-Erfahrung an. Aus diesen Gründen habe ich auf meinem Blog ein wenig die Werbetrommel gerührt und auf diesen Verein aufmerksam gemacht.

3. In Kiel scheint das Entenrennen eine gewisse Tradition zu besitzen. Immerhin fand es dieses Jahr schon zum 8. Mal statt. Kannst Du unseren Lesern kurz erklären, wie es dazu kam und welchen Zweck die Veranstaltungsreihe verfolgt?

Obwohl das Entenrennen schon so oft veranstaltet wurde, habe ich es in diesem Jahr zum ersten Mal richtig wahr genommen und auch daran teilgenommen. In jedem Jahr geht der Erlös an einen lokalen Verein oder eine gemeinnützige Einrichtung zur Unterstützung bedürftiger Kinder. In diesem Jahr eben an die Diabetes-Helden, 2014 soll von dem Erlös eine Spielstraße gebaut werden.

4. Weiterhin fällt auf, dass viele Blogbeiträge sehr technikorientiert sind. Entspricht dies deiner persönlichen Passion oder hattest du vor dem Geophysikstudium beruflich viel mit technischen Hilfsmittel zu tun?

Ich bin durchaus sehr technikorientiert, entsprechend kommt mein Interesse für diverse technische Hilfsmittel nicht von ungefähr. Mit medizinischen Hilfsmitteln musste ich mich in der Vergangenheit noch nie richtig auseinandersetzen, entsprechend spannend finde ich den derzeitigen Stand der Technik und die Entwicklungen. Wenn ich mir vorstelle, die Diagnose vor 20 Jahren bekommen zu haben, als Blutzuckermessgeräte noch mehrere Minuten zur Bestimmung des Blutzuckers brauchten, dann ist in diesem Zeitraum schon eine enorme Entwicklung passiert. Ich sehe hier aber noch eine Menge Potenzial und will meine Wünsche und Vorstellungen diesbezüglich mit in die entsprechenden Blogeinträge einfließen lassen.

5. Wie häufig postest Du deine Beiträge?

Ich habe mir zum Ziel gesetzt, etwa einmal pro Woche einen Beitrag zu verfassen. Manchmal schaffe ich das nicht, dann aber wieder habe ich Phasen, in denen ich fast jeden Tag etwas schreibe. Sofern diese Artikel aber keinen aktuellen Bezug haben, stelle ich diese dann oftmals zurück. Diese Frequenz gefällt mir ganz gut, denn so wird das Bloggen nicht langweilig.

6. Entstehen einige deiner Beiträge aufgrund von Fragen, die Du im Freundeskreis aufschnappst, bzw. von deinen Lesern gestellt bekommst?

Von dem Leserkreis kamen bisher eher Anmerkungen und weiterführende Gedanken zu Beiträgen, die ich verfasst habe, als Ideen für neue Artikel. Aus dem Freundes- und Familienkreis hingegen bekomme ich eine ganze Menge Ideen. Viele von ihnen wurden durch mich ja auch erst darauf aufmerksam, dass es neben dem „gängigen“ Typ-2-Diabetes noch einen weiteren Typ gibt, der anders zu behandeln ist.

7. Natürlich beeinflusst der Diabetes das ganze Leben. Wie stehst du zu der These, dass der Diabetes durch die Öffentlichkeitsarbeit in Portalen/Blogs/Foren/Tweets etc. auch positive Auswirkungen auf das Leben des Autor hatte?

Dieser These stimme ich zu, auch wenn hier viel in einen Topf geworfen wird. Der Austausch von Betroffenen in Foren, Facebook oder Tweets ist sehr wertvoll für alle Teilnehmer (aktiv oder auch nur passiv mitlesend) und hat teilweise schon den Charakter von Selbsthilfegruppen. Blogs dienen den Autoren oft als Ergänzung zum Diabetes-Tagebuch. Sie erzählen Geschichten, Ideen und Anekdoten, oder was auch immer dem oder der Autor/in gerade auf dem Herzen liegt. Blogs sind weniger vergänglich als Diskussionsgruppen, und gut gepflegte und verschlagwortete Blogs sind einfach das Medium, was mir persönlich am meisten zusagt.

8. Gab es auch negative Erlebnisse in Verbindung mit http://insulinaspekte.de/ ?

Mit Ausnahme einiger Spam-Kommentare keine.

9. Da dein Blog noch relativ neu ist, würde es uns interessieren wie Du die Blogger-Szene Deutschlands oder die privaten deutschsprachigen Diabetespublikationen im Internet beschreiben würdest: Bunt oder eintönig? Eine Familie oder ein ewiger Kleinkrieg?

Auf jeden Fall mehr bunt als eintönig. Während der ersten ein bis zwei Wochen, nachdem ich aus der Klinik entlassen wurde, habe ich quasi nichts anderes gemacht, als im Internet nach Erfahrungsberichten und Blogs zu stöbern. Da die meisten Blogs sich untereinander verlinkt haben, war es relativ einfach, einen Überblick zu gewinnen. Dies möchte ich in meinem Blog fortsetzen. Insgesamt ist die Szene aber noch klein, die deutsche Diabetes Online Community (http://dedoc.de) beispielsweise hat sich erst zum letzten Weltdiabetestag gegründet. Hier wird in nächster Zeit noch einiges passieren, und da freue ich mich drauf.

10. Wurdest Du von deinem Arzt schon mal auf http://insulinaspekte.de/ angesprochen, bzw. hast Du ihm mal den Blog präsentiert?

Ich habe meine Ärztin einmal darauf angesprochen, wie sehr sie mit der Diabetes-Community und den diversen Foren und Blogs vertraut ist - leider verfolgt sie die Szene aber überhaupt nicht. Auf Insulinaspekte habe ich sie daraufhin nicht weiter angesprochen. Prinzipiell aber begrüßt sie den Austausch von Patienten untereinander sehr und bei Unklarheiten kann ich sie immer kontaktieren.

11. Kanntest Du vor unserem ersten Gespräch die Angebote der Diabetes-Zentrale e.V., zu der auch die Seite Diabetes-Index.de zählt?

Auf die Diabetes-Zentrale bin ich bei meinen Recherchen als Typ-1-“Frischling“ natürlich schon relativ früh gestoßen und habe den ein oder anderen Artikel gelesen.


Vielen Dank für das Interview. :D