Skip to main content

Interview mit OÄ Dipl.med. Elke Gens in Karlsburg

Erstellt in

Frau Dr. GensWir freuen uns, dass wir OÄ Dipl.med. Elke Gens, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Karlsburg (im Bild rechts) für ein Interview über die dortigen Sommerkurse gewinnen konnten. Das Interview ist kürzend zusammengefasst worden.

Ferienkurs in einem Krankenhaus? Schreckt das Kinder und Jugendliche nicht ab?
Nein, die Ferienaufenthalte im Diabeteszentrum Karlsburg sind sehr beliebt. Die Schulkinder im Alter von 6 bis 16 Jahren kommen zum Check ihres Stoffwechsels und den anstehenden Untersuchungen für zwölf Tage auf die Station und finden viele Gleichaltrige, die ebenfalls zuckerkrank sind und mit denen sie sich austauschen können. Diese chronisch kranken Kinder versäumen keinen Unterricht und können recht unbeschwert ihre Freizeit genießen. Das Klinikum, das in schöner ländlicher Umgebung liegt, bietet den Kindern und Jugendlichen viele spannende Aktivitäten an. Diese reichen vom Baden in der nahen Ostsee, Aufenthalten im Kletterwald, Grill- und Diskoabenden bis hin zum Kinobesuch.

Die Ferienkurse für die jungen Typ-1-Diabetiker haben in Karlsburg bereits eine lange Tradition. Wie erfolgreich sind aus Ihrer Sicht diese Aufenthalte?
Wir nutzen seit nunmehr 35 Jahren – also seit dem Jahr 1978 – die Sommerferien, um Kinder mit Typ-1-Diabetes medizinisch zu versorgen. Außerdem ist es Ziel der Kurse, den jungen Teilnehmern das praktische und theoretische Wissen über ihren Diabetes spielerisch und auf unterhaltsame Weise zu vermitteln. Unsere Erfahrungen auf diesem Gebiet sind langjährig und sehr positiv. Die Kinder lernen mit ihrer Krankheit aktiv und selbstbewusst umzugehen, wobei Schulungen und Freizeitaktivitäten sich einander abwechseln. Für die pädagogische Betreuung zeichnen langjährig tätige Erzieher verantwortlich. Wie erfolgreich die Sommerkurse sind, beweisen uns die Eltern, die ihre Kinder immer wieder gern anmelden.

Fällt Ihnen spontan Ihr lustigstes oder schönstes Erlebnis ein?
Jeder Kurs hat besondere Momente. Es ist ein gutes Gefühl mitzuerleben, wie solidarisch diese chronisch kranken Kinder miteinander umgehen, wie sie sich im Alltag gegenseitig helfen. Für mich ist es das schönste Erlebnis, wenn Kinder glücklich und trotz ihrer Krankheit fröhlich sind und viel Spaß miteinander haben.

Die Vorbereitung so eines Sommerkurses für chronisch kranke Kinder kostet sicher viel Kraft. Wer übernimmt die Organisation?
Das Herz- und Diabeteszentrum Karlsburg mit der Klinik für Diabetes und Stoffwechselerkrankungen besitzt eine eigene Schulungsabteilung mit Therapeuten und Erziehern. Jeweils zu Jahresbeginn werden im Team, einschließlich der Kinderärztinnen, die Inhalte der Ferienkurse geplant. Zunächst geht es darum, welches Wissen auf welche Art und Weise – also möglichst kindgerecht und spielerisch - vermittelt werden soll. Zum Beispiel ist es für die Heranwachsenden wichtig zu erfahren, welchen Einfluss sportliche Aktivitäten auf den Blutzucker haben und welche Insulinmengen zu verabreichen sind. Darüber hinaus lernen sie viel über eine gesunde Ernährung, über Körperhygiene, das Verhalten auf Reisen usw. Stehen die Inhalte der einzelnen Schulungen fest, erfolgen die Absprachen mit den Busunternehmen, den Freizeiteinrichtungen und anderen Partnern.

Wenn Sie 10 Jahre in die Zukunft schauen könnten: Wie sieht der Ferienkurs in Karlsburg im Jahr 2023 aus? Welche Wünsche haben Sie als Kinderärztin?
Die Ferienkurse für Diabeteskinder wird es auch in zehn Jahren noch geben. Vermutlich werden wir unsere Angebote ausbauen müssen, denn leider steigen die Neuerkrankungen rapide an, gibt es insbesondere mehr Kleinkinder mit Typ-1-Diabetes. Zur Erfüllung unserer Ziele ist es daher unerlässlich, noch mehr geschultes Personal vorzuhalten, die Unterbringungskapazitäten zu erweitern und die Ausstattung noch kindgerechter zu gestalten.

War Ihnen vor dem Interview das Angebot der Diabetes-Zentrale e.V. bekannt?
So, in der Form war uns das Angebot nicht bekannt. :)

Weitere Information: http://www.kinderdiabetes-karlsburg.de

Bildquelle: 

Pressesprecherin des Klinikum Karlsburg