Skip to main content

Interview mit Dr. med. Thomas Waller

Erstellt in

ImageZu dem Thema Pro und Contra von elektronischer Datenspeicherung im Gesundheitswesen waren wir in der glücklichen Lage als Gesprächspartner Dr. med. Thomas Waller von der InterComponentWare AG zu gewinnen.

DiabetesIndex: Guten Tag Herr Dr. Waller, Sie haben beruflich mit der Speicherung von persönlichen Notfalldaten zu tun. Was machen Sie genau und welche Vorteile hat das für Bürger und Patienten?

Dr. Waller: Die InterComponentWare bietet unter anderem die persönliche elektronische Gesundheitsakte LifeSensor an, in der jeder Mensch seine persönlichen Gesundheitsdaten sicher speichern und seine medizinischen Notfalldaten bereitstellen kann.

Das Besondere an dieser Gesundheitsakte ist, dass sie vom Patienten selbst verwaltet wird: Er allein legt fest, wer außer ihm Einblick und Zugriff auf seine Daten hat. Dadurch, dass LifeSensor webbasiert ist, kann der Patient außerdem zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort auf seine Daten zugreifen. So hat er ein lückenloses Gedächtnis seiner Gesundheitsdaten, über das er jederzeit verfügen kann.

DiabetesIndex: Hat so eine Gesundheitsakte denn spezielle Vorteile für Diabetiker, egal ob Typ-1 oder Typ-2?

Dr. Waller: Grundsätzlich hilft LifeSensor jedem Bürger, ob er Diabetiker ist oder nicht.
Speziell Diabetiker und Patienten mit anderen chronischen Krankheiten haben allerdings besondere Vorteile, wenn sie eine Gesundheitsakte nutzen: Hat ein Diabetiker zum Beispiel eine starke Unterzuckerung und ist nicht ansprechbar, so kann ein Notarzt mit dem Notfalldatensatz der Gesundheitsakte schnell herausfinden, dass sein Patient an Diabetes leidet und entsprechend reagieren.
Insbesondere bei vielen Typ2-Diabetikern erfolgt die Behandlung des Diabetes und die Dokumentation der Blutzuckerwerte nur unregelmäßig und, bedingt durch die vielen beteiligten Therapeuten, unübersichtlich. Auch hier kann LifeSensor helfen, eine geregelte Behandlung zu gewährleisten. Auch Ratschläge für eine diätgerechte und gesunde Ernährung stehen in LifeSensor zur Verfügung.

DiabetesIndex: Welche Kosten sind mit der Bereitstellung dieser Gesundheitsakte verbunden?

Dr. Waller: Die LifeSensor Gesundheitsakte kostet gerade einmal 5€ pro Monat.

DiabetesIndex: Erstatten die Krankenkassen diese Kosten?

Dr. Waller: In §68 des Sozialgesetzbuches V ist geregelt, dass gesetzliche Krankenkassen ihre Versicherten bei ihrer persönlichen elektronischen Gesundheitsakte finanziell unterstützen können. Versicherte sollten bei ihrer Krankenkasse anfragen, ob sie eine entsprechende Unterstützung gewähren.

DiabetesIndex: Es gibt unterschiedliche Formen der digitalen Speicherung von Krankendaten. Worin unterscheiden sich die verschiedenen Möglichkeiten?

Dr. Waller: Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen Patientenakten und Gesundheitsakten. In Arztpraxen gibt es in aller Regel eine elektronische Patientenakte, die vom Arzt geführt wird. Normalerweise hat der Patient keinen Einblick in diese Akte. Wir zeigen am Beispiel LifeSensor, dass es mit einer persönlichen Gesundheitsakte möglich ist, den Patienten in den Mittelpunkt zu stellen und ihn zum Manager seiner eigenen Gesundheit zu machen.

DiabetesIndex: Was sagen Sie zu der Befürchtung, die elektronische Speicherung von Gesundheitsdaten würde den gläsernen Patienten erzeugen?

Dr. Waller: Bei unserer Gesundheitsakte LifeSensor legt ganz allein der Patient fest, wem er Einblick und Zugriff auf seine persönlichen Daten gewährt. Datensicherheit und Schutz der Privatsphäre hat bei uns höchste Priorität. Daher nutzen wir immer die neuesten Sicherheitstechnologien. Dafür wurde LifeSensor bereits mehrfach mit verschiedenen Datenschutz-Gütesiegeln ausgezeichnet.

DiabetesIndex: Die Daten dürfen auch nicht auf Antrag von der Krankenkasse eingesehen werden?

Dr. Waller: Nein, auch Krankenkassen haben selbstverständlich keine Möglichkeit, in eine persönliche Gesundheitsakte eines Versicherten Einblick zu erlangen. Hier unterscheidet sich die elektronische Speicherung nicht von der herkömmlichen: Ein Vertreter Ihrer Krankenkasse kann ja auch nicht einfach an Ihren Aktenschrank gehen und sich dort Unterlagen und Informationen heraussuchen! Ihre persönlichen Gesundheitsdaten sind in LifeSensor optimal geschützt.

DiabetesIndex: Was ist der Vorteil gegenüber der elektronischen Gesundheitskarte, die bald kommen soll?

Dr. Waller: Auf der elektronischen Gesundheitskarte können wegen der begrenzten Speicherkapazität nur sehr wenige Gesundheitsdaten des Besitzers abgelegt werden. So lassen sich auf der Karte nur Pflichtangaben wie Versichertendaten oder elektronische Rezepte und optional einige Notfalldaten speichern. Die elektronische Gesundheitsakte hingegen ist webbasiert und bietet ausreichend Platz, um alle relevanten Patientendaten zu speichern. Das können Laborwerte, Diagnosen oder sogar digitale Kopien von Röntgenbildern sein. Ist die elektronische Gesundheitskarte einmal eingeführt, kann sie als „Zugangsschlüssel“ eingesetzt werden. Ein Arzt mit einem elektronischen Heilberufsausweis kann dann von seinem Patienten autorisiert werden, über die Gesundheitskarte auf seine Akte zuzugreifen.

DiabetesIndex: Haben Sie selbst oder ein nahe stehender Mensch eine solche Karte?

Dr. Waller: Die elektronische Gesundheitskarte gibt es zurzeit nur in wenigen Testregionen, die vom Gesetzgeber festgelegt wurden. Eine elektronische Gesundheitsakte habe ich. Und auch meine Familienmitglieder haben inzwischen alle ihre persönliche LifeSensor Gesundheitsakte.

Vielen Dank für das Gespräch,
Ihr DiabetesIndex Team