Skip to main content

Interview mit Bastian Hauck von abenteuer-diabetes.de/

Erstellt in

Als Abschluss des Jahres 2013 präsentieren wir ein weiteres Interview mit einem bekannten Blogger. Er verbindet in seinen On- und Offline-Publikationen ein Hobby, von dem viele nur träumen mit den Erfahrungen, um den Diabetes mellitus Typ-1.

Bastian Hauck auf See1) Mit Deiner Seite http://abenteuer-diabetes.de/ hebst Du dich ein wenig von den gewöhnlichen Blogs über die Stoffwechselkrankheit ab. Die Beiträge drehen sich fast alle um Dein Leben mit Deiner Passion Segeln. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Alles und nichts. Ich bin Diabetiker und werde es - zumindest nach heutigem Stand der Dinge - bis an mein Lebensende bleiben. Insofern hat alles, was ich tue, irgendwie mit Diabetes zu tun - und das seit 15 Jahren. Segeln tue ich aber schon viel länger. Das Meer, mein Boot und das Gefühl von Freiheit da draußen auf dem Wasser - das ist meine große Leidenschaft. Und das hat nichts mit Diabetes zu tun. Ich versuche nur, das Eine und das Andere unter einen Hut zu bekommen - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

2) Warum hast Du dann http://tadorna.de und http://abenteuer-diabetes.de/ offiziell getrennt?

Ich habe vor fünf Jahren mit dem Bloggen von Bord angefangen - da dachte ich, dass nur ein paar Segel-Freunde und Familie mitlesen würden. Als ich im Sommer 2008 in St. Petersburg ankam waren es aber schon mehrere tausend Besucher täglich - ohne dass ich zunächst davon wusste. Als ich wiederkam, die Yacht meinen ersten Artikel veröffentlichte und Delius Klasing mir einen Buchvertrag anbot freute ich mich natürlich über die hohen Zugriffszahlen und bat einen Freund, sich die Tadorna-Seite mal genauer anzusehen und zu optimieren - und der stellte dann fest, dass mehr als die Hälfte meiner Leser überhaupt nichts mit Segeln, aber viel mit Diabetes am Hut hatten! Ich habe die Seiten getrennt, um Diabetiker nicht mit seglerischem Fachvokabular zu bombardieren und umgekehrt Segler nicht mit Diabetes-Themen zu nerven. Inzwischen denke ich aber darüber nach, die Seiten wieder zusammenführen. Segeln und Diabetes - für mich gehört beides zusammen und steht auch nicht im Widerspruch zueinander. Warum sollte es bei meinen Lesern anders sein?

3) Wie häufig postest Du deine Beiträge?

Das ist ganz unterschiedlich. 2008 und 2009 habe ich den Sommer über alle 2-3 Tage etwas geschrieben - das ist bis heute alles online und nachlesbar, der gesamte Törn nach St. Petersburg und Haparanda! 2010 war ich an Bord des Walross dagegen ziemlich von der Außenkommunikation abgeschnitten - mitten im Südpazifik zum Beispiel, da konnte ich zwar per Satellit Mails verschicken, aber nicht online sein. Auch 2011 habe ich so gut wie gar nichts geschrieben, weil ich vollauf damit beschäftigt war, die von mir gegründete Bootswerft Schleswig aufzubauen. Letzten Sommer habe ich dann wieder angefangen: Zusammen mit Freundin und Hund war ich gute zwei Monate in Dänemark unterwegs, und ab und an haben wir ein paar Fotos und Hintergründe gepostet. Inzwischen mache ich aber sehr viel mehr über Facebook - oft mehrmals täglich.

4) Gibt es Erlebnisse auf See, die du absichtlich nicht veröffentlicht hast, obwohl es dir unter den Nägel brannte?

Nein. Ich schreibe ziemlich direkt, offen und ehrlich. Da ist dann eben nicht immer alles nur toll, und ich bin auch nicht immer der Held. Aber so ist das eben. Das ist auch genau das, was viele - Segler wie Diabetiker - an meinem Buch so geschätzt haben: Die offene Art, mit Fehlern umzugehen, Gefühle und Ängste zuzulassen, Kindheitserinnerungen einzubringen. Ich bin ja kein Schriftsteller, ich habe das alles einfach so runtergeschrieben, wie es mir in den Sinn kam. Bei der Tanker-Szene in Finnland, da habe ich kurz gezögert. Und wenn ich irgendwo mitten auf dem Atlantik unterzuckert wäre - ich hätte wohl auch darüber nachgedacht, ob das jetzt gut ist, das so zu veröffentlichen. Aber ich bin ziemlich sicher, dass ich schlussendlich zum gleichen Ergebnis gekommen wäre: Ich will weder Segel-Held noch Vorzeige-Diabetiker sein. Ich mache einfach mein Ding - auf See wie an Land, mit oder ohne Diabetes. Das ist es, was zählt, und ich glaube das ist es auch, was das Mitlesen so spannend macht: Ich bin echt. Einer zum Anfassen.

5) In einigen Beiträgen tauchen konkrete Namen von Messgeräten und anderen Hilfsmitteln auf? Sind dies sogenannte "persönliche Hardware-Tipps" oder haben die entsprechenden Hersteller Dich konkret bei den Vorhaben unterstützt?

Beides. Ich habe in der Vorbereitung für die Walross-Tour 2010 das Accu Chek Mobile für mich entdeckt - ein Messgerät ohne Messstreifen. Es ist genau das, was ich immer gesucht hatte: Zu bedienen mit nur einer Hand, 50 Messfelder in einer Kassette, keine blutigen Messstreifen, die man nach jedem Mal messen entsorgen muss. Ich habe mir das Gerät ganz normal über meinen Diabetologen besorgt, es zunächst gehörig getestet und für gut befunden. Dann erst bin ich auf Roche zugegangen und habe gefragt, ob sie Interesse hätten, mein Segel-Abenteuer rund Kap Hoorn zu begleiten. Seither ist Roche mein Sponsor, und das Accu Chek Mobile steckt auch Land immer in meiner Tasche. Ich hatte mich aber schon vorher für das Gerät entschieden, würde es auch ohne entsprechenden Vertrag benutzen und auch ohne Sponsoring vorbehaltlos weiterempfehlen.

6) Natürlich beeinflusst der Diabetes auch das ganz normale "Leben an Land". Wie stehst Du zu der These, dass die Erkrankung durch die persönliche Öffentlichkeitsarbeit in Portalen / Blogs / Foren / Tweets etc. für dich als Autor auch positive Auswirkungen hatte?

"Raus ins Blaue!" ist in erster Linie ein Segel- und Abenteuer-Buch - so war es gedacht, so habe ich es geschrieben, und so hätte es auch ohne Diabetes seinen Weg gemacht. Natürlich hat sich mein Buch gerade auch unter Diabetikern gut verkauft, und das ist auch gut und richtig so, denn offensichtlich hat es vielen Menschen Mut gemacht, ihre Träume zu leben - Seglern genau wie Diabetikern! Das freut mich natürlich - aber ich würde das jetzt nicht als "positive Auswirkung" meines Diabetes bezeichnen. Anders ist es mit Aussagen wie "Diabetes hat mich stärker gemacht" - da ist sicherlich etwas dran.

7) Gab es auf der anderen Seite auch negative Erlebnisse in Verbindung mit http://abenteuer-diabetes.de/ ?

Nein.

Das Buch des Interviewpartners ;) 8) Wie würdest Du die Blogger-Szene Deutschland oder die privaten deutschsprachigen Diabetespublikationen im Internet beschreiben? Bunt oder eintönig? Eine Familie oder ein ewiger Kleinkrieg?

Die deutsche Diabetes-Blogger-Szene ist vor allem eines: Winzig klein. Deutschsprachige Diabetes-Blogs, seien sie persönlich, professionell oder kommerziell, kann man an ein paar Fingern abzählen. Es ist bunt, aber noch lange nicht bunt genug hier bei uns. Und man kennt sich. Das ist nicht unbedingt schlecht, führt aber dazu, dass wie im wahren Leben beides zutrifft: Familie und Kleinkrieg ;-) ! Mit der Deutschen Diabetes Online Community #dedoc (siehe www.dedoc.de) versuchen wir, hier etwas "Hilfe zur Selbsthilfe" zu geben und andere zu motivieren einzusteigen, mitzumischen, sich zu engagieren und diese Szene zu einer wirklichen Community, einem Netzwerk auszubauen.

9) Wurdest Du von deinem Arzt schon mal auf http://abenteuer-diabetes.de/ angesprochen, bzw. hast Du ihn mal auf die Seite oder einen bestimmten Beitrag hingewiesen?

Natürlich. Das geht viel weiter: Meine Ärzte und Diabetes-Berater sind meine zweite Crew! Das fängt schon bei der Planung an: Wir denken zusammen darüber nach, wie man was machen kann, wie ich mich vorbereiten muss, woran gedacht sein muss, wie sich dies oder jenes organisieren lässt - vieles wäre sonst so nicht möglich gewesen. Und wenn ich zurückkomme steht ein Besuch beim Diabetologen ganz oben auf der To Do Liste. Natürlich erzähle ich dann auch, was gut, was nicht funktioniert hat. Und wenn dann mal ein Interview wie dieses erscheint - klar, das leite ich weiter, ich bin sicher da freuen sich viele mit mir, die mir geholfen haben ;-) !

10) Wie lange kennst Du schon die Angebote von der Diabetes-Zentrale e.V.? ;)

Seit ich angefangen habe, das Internet zu nutzen, um mich über Diabetes zu informieren - an Euch kommt man ja gar nicht vorbei ;-) !

Vielen Dank für das Lob und das Interview. ;)