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Pura - puristisch?

Einleitung und die Details in Kurzform

Die Blutzuckertradition von Ypsomed reicht bis zu ihrem Ursprung in der Firma Disetronic zurück und stand bis dato immer für außergewöhnliche Messinstrumente. So war es für uns eine innere Pflicht auch den neusten Streich der Schweizer BZ-Messgerät-Hersteller unter die Lupe zu nehmen: Pura.

Der Karton des Pura ist relativ klein, wenn man die großen Sets gewisser Konkurrenzfirmen bedenkt. Bevor der Lieferumfang bewertet werden soll, liest man wie folgt die Parameter des Gerätes:

  • Firma: Ypsomed
  • Gerät: mylife ™ Pura ™
  • Messmethode: Oxidase Elektrochemischer Sensor
  • Blutmenge: 1 µl
  • Messbereich: 10-600 mg/dl oder 0,6-33,3 mmol/l
  • Messzeit: 5 Sekunden (abhängig von der Konzentration)
  • Temperatur: 10 - 40°C
  • Relative Luftfeuchtigkeit: 10-90 %
  • Speicherkapazität: 500 Messungen mit Uhrzeit und Datum; Durchschnittswert der letzten 7, 14, 30 und 90 Tage
  • Batterie: 2 Batterien CR2032
  • Geräteabmessung: 90,6 mm x 46mm x 16,5 mm
  • Gewicht: 53 g

Lieferumfang in der Apotheke

Das Set umfasst folgende Bestandteile:

  • ein dreisprachiges (deutsch, französisch, italienisch) Handbuch
  • eine Kurzanleitung
  • ein Diabetiker-Tagebuch
  • eine Gerätetasche mit dem folgenden Inhalt:
    • Messgerät
    • Stechhilfe
    • 10 Messstreifen
    • Stechhilfeaufsatz für AST
    • Lanzetten

Das Handbuch ist zwar vom Format her ein wenig unpraktisch und auch die durchgehende Farblosigkeit wirkt zu puristisch, doch die Gliederung des deutschsprachigen Teils ist logisch aufgebaut. Daher bekommt der Bereich Lieferumfang eine 80%ige Bewertung von uns.

Optik und Verarbeitung

Die Optik des Gerätes erinnert sehr stark, und wahrscheinlich auch gewollt, an der eines I-pods. Wie der Name Pura schon vermuten lässt, ist das Design ein wenig minimalistisch: Unter dem recht großen Bildschirm findet der Diabetiker zwei waagerechte Scrolltasten und eine mittlere Bestätigungstaste. Leider wirkt die Verarbeitung dieser Tasten recht minderqualitativ. Die Stechhilfe wirkt dahingegen sehr stabil. Die Lanzette wird mit dem Herausziehen des farblich abgesetzten Endes zurückgezogen und federt mit dem Auslösen des Knopfes an der Seite des Gerätes wieder zurück. Die Einstichtiefe variiert man durch Drehen der durchsichtigen Kappe an der Spitze des Gerätes. Interessant ist, dass die sechs Stufen dieser Einstellung nicht durch Zahlen verdeutlicht werden, sondern an roten Streifen in einem Anzeigefenster. Insgesamt erhält die Optik und Verarbeitung somit 85% der Punkte. Vor allem die Verarbeitung der Bedienelemente am Messgerät senkt die Bewertung.

Menüführung

Die Menüführung kann man ebenfalls als puristisch bezeichnen. Mit der Haupttaste startet man das Messgerät und kann dann mit den Pfeiltasten links und rechts die alten Messwerte, bzw. AVG (Mittelwert) aufrufen. Äußerst negativ fiel uns jedoch auf, dass das manuelle, d.h. nicht automatische, Abschalten des Gerätes die Hintergrundbeleuchtung aktiviert. Erst danach wird das Gerät abgeschaltet. Dazu kommt noch, dass die Klick-Geräusche der Tasten recht laut sind und so ein unbemerktes Messen bspw. im Kino oder in Vorlesung noch mehr erschwert wird. Daher bewerten wir die Menüführung nur mit 65 Prozentpunkten.

Messen

Für den Messvorgang steckt man als erstes die ungewöhnlich breiten und großen Messstreifen waagerecht!!! mit dem Messfeld nach oben in das Gerät hinein. Zu diesem Zweck befindet sich an der Oberkante ein ungefähr vier Millimeter hoher und die halbe Breite des Gerätes umfassender Schlitz, der es ermöglicht, dass die rechte geriffelte Hälfte des Messstreifens während der Messung als eine Art Griff verwendet werden kann. Manchmal klemmt dieser „Einschub“, weshalb ein wenig physikalischer Druck notwendig sein könnte. Diese Designlösung ist ein weiterer Hinweis auf die Schweizer Herkunft, entbehrt in meinen Augen aber einer gewissen Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit.
Nach dem gut sichtbaren Einziehen des Blutes erfährt man innerhalb von 5 Sekunden das Messergebnis. Mit Hilfe des geriffelten Endes kann man den Messstreifen leicht wieder entnehmen. Leider geht das Messgerät nach Entnahme des Streifens nicht automatisch Zeit verzögert aus. Das Gerät muss jedes Mal per Hand deaktiviert werden.

Nachträglich lässt sich das Ergebnis durch die mittlere Funktionstaste und dem Bedienen der Scrolltasten erneut aufrufen. Der Bereich Messen kann zusammenfassend nur eine 55%ige Bewertung erhalten, da auf der einen Seite die Handhabung der Messstreifen äußerst kompliziert ist und die Blutmenge als viel zu groß angesehen wird, die Stechhilfe jedoch auf der anderen Seite äußerst schmerzfrei zu sein scheint.
Eine äußerst interessante, wenn auch nicht äußerst bewertungsrelevante Funktion ist das Auswerfen von Lanzetten bei der Stechhilfe. Erst ein Blick auf der Kurzanleitung verriet mir diese nicht intuitiv aufgebaute Funktion, doch für Menschen, die mit dem Blut definitiv nicht in Berührung kommen wollen, bspw. in der Apotheke oder der Arztpraxis, ist es schon positiv und gibt dem Gerät somit einen 5%igen Bonus.

Vergleichsmessungen mit dem Ascensia Contour ergaben ein Ergebnis in konstantem Abstand, was eine gewisse Präzision bestätigt.

Preis

Während auf der Homepage von Ypsomed am 12.10.2009 noch stand, dass der „Preis auf Anfrage“ sei, konnte man das Gerät im Internet für 14,99 € kaufen. Die Messstreifen sind mit 28 Euro (Quelle: http://www.foxxshop24.de) geringfügig günstiger als die Konkurrenzprodukte. Daher bekommt das Gerät in dieser Kategorie 95%.

Meinung, Kritik und Fazit

Die Blutmenge von 1 µl ist ungewöhnlich hoch und absolut nicht mehr zeitgemäß. Damit wurde schon der größte Minuspunkt des Pura genannt. Dem gegenüber ist das Design aus der Schweiz sicher ein großer, dem heutigen Zeitgeist angepasster Pluspunkt. Der numerische Mittelwert der Einzelbewertungen ergibt 85 von 100 Punkten, was einem „gut“ entspricht und so als Endwertung durchaus stehen bleiben kann.

PS: Dieser Bericht wurde ebenfalls auf DiabetesIndex.de veröffentlicht.

Autor: 
Matthias Widner