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Karlsburg - eine Feste für Diabetiker?

Karlsurg? Liegt das nicht in Süddeutschland? Ähnliche Fragen habe ich in den letzten Jahren häufiger gehört, wenn ich davon berichtet habe, dass ich nach Karlsburg fahre, um meinen Diabetes neu einstellen zu lassen. Dieses Jahr war ich nun schon zum vierten Mal in Karlsburg und daher denke ich, dass es Zeit wird, davon zu berichten.

Geben Sie bei Wikipedia mal Karlsburg ein. Die Anzahl der möglichen Orte ist schon beeindruckend.

Wo liegt Karlsburg?

Karlsburg liegt 20 Kilometer südlich von Greifswald. Diese Stadt wird Ihnen eventuell auch nichts sagen – Karlsburg liegt 50 km südlich von Rügen und bevor die Autobahn A20 gebaut wurde, mussten die meisten Touristen, wenn Sie von Usedom nach Rügen wollten, den Ort passieren.

Die Geschichte von Karlsburg.

Normalerweise ist die Geschichte einer Klinik wenig interessant. In Karlsburg ist das jedoch anders. In den frühen dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts gründete der ambitionierte Diabetologe Gerhardt Katsch, von dem im Übrigen der Ausspruch stammt, dass ein Diabetiker bedingt gesund ist, die Diabetes Klinik Garz auf Rügen. Kurz nach dem zweiten Weltkrieg wurde rasch klar, dass die dortigen Möglichkeiten zu begrenzt sind. Also errichtete man im Jahre 1947 das Zentralinstitut für Diabetes auf dem ehemaligen Gutsgelände in Karlsburg. Es bestand aus dem ehemaligen Schloss, mehreren Neubauten und einem größeren Park, doch dazu später mehr. Ende der 80er Jahre war es das weltweit größte medizinische Zentrum, das sich der Forschung und der Betreuung von Patienten im Bereich von Diabetes mellitus verschrieben hat. Nach der Wende war es lange Zeit unklar, was aus dem Komplex wird, bis es, in einzelne Institute getrennt, in den Jahren 1994 bis 1997 einen Neuanfang wagte. Während die Forschungslabore teilweise der Universität Greifswald unterstellt wurden, teilweise eigenständig arbeiten, ist die Klinik von der Privatklinikgruppe Dr. Guth aus Hamburg übernommen worden.

Was ist der Unterschied zwischen einer konventionellen Klinik und Karlsburg?

In diesem Abschnitt kann ich nur aus meiner persönlichen Erfahrung berichten. Selbstverständlich gibt es Kliniken, die mindestens den gleichen Standard wie Karlsburg erreicht haben. Trotzdem gibt es leider auch genügen Negativbeispiele, die mich abschreckten.

1.

Sommerlager in KarlsburgBesondere Aktionen in Karlsburg.

Wie schon im vorherigen Abschnitt beschrieben ist wohl die Möglichkeit, seine Freizeit im gewissen Rahmen selbst zu bestimmen ein sehr großer positiver Faktor von Karlsburg. Davon abgeleitet gibt es jedes Jahr Sommerkurse, oder auch Ferienlager, die den Kindern ermöglichen sollen, zwei spaßige Wochen zu erleben und trotzdem Schulungsinhalte zu erfahren und ihren Diabetes unter medizinischer Aufsicht zu verbessern. Zusammen mit einem ausgebildeten Erzieher als Chef-Ferienbetreuer arbeiten ältere Patienten mit Typ-1-Diabetes einen Ferienplan für Kinder aus. Das Konzept ist längst nicht neu und viele andere Initiativen streben den gleichen erlebnispädagogischen Gewinn an.
Als ich vor zwei Wochen in Karlsburg war, um meinen Diabetes neu einstellen zu lassen, fand gerade der zweite Durchgang des diesjährigen Sommerkurses statt. Es war eine interessante Erfahrung und in den vielen Gesprächen mit den jüngeren Patienten lernt man hin und wieder auch was über das Leben hinzu.

Bis dahin wusste ich auch nicht, welche Regeln man bei der Fun-Sport-Art Gummistiefel-Weitwurf beachten muss. ;)

2.

Ruhe und Sport

Natürlich kann man die Möglichkeiten von Karlsburg nach ärztlicher Absprache auch privat nutzen. In den letzten Jahren unternahm ich einige Radtouren, um die Umgebung zu erkunden. Abends war es schon fast Tradition – meist war ich ja nur wenige Tage dort – im Keller Tischtennis zu spielen oder den Ball durch den Kickertisch zu jagen. Selbst die Mahlzeiten sind – sofern es medizinisch möglich ist – mit ein paar Schritten verbunden. Während andere Krankenhäuser selbst fitte Typ-1-Diabetiker zum Essen ans Zimmer binden, muss bzw. kann man hier eine Art Mensa nutzen, direkt gegenüber der Typ-1-Station (Station 7).

Darüber hinaus kann man in Karlsburg auch ausspannen und sich ganz und gar auf den Diabetes kontrollieren. Allein das Gelände der Klinik umfasst genügend Möglichkeiten sich zurückzuziehen.

3.

Zeit sparen

Der dritte Grund ist rein pragmatischer Natur. Im realen Leben benötigte ich immer sehr viel Geduld, wenn es um die augen- bzw. andere fachärztliche jährliche Untersuchung ging. In Rostock erlebte ich Ansagen der Sprechstundenhilfe, die der Meinung waren, ich könne in 9 Monaten!!!!!! einen Termin bekommen. Anders in Karlsburg. Bei der Einstellung wurde ich gefragt, ob der Augenarzttermin überfällig sei. Da er 9 Monate zurücklag, wollte ich den vor Ort gleich mitnehmen und war zwei Tage später dran. Ohne lange Wartezeiten und unnötiges Adrenalin über die Vorzimmerdamen (-herren). Das gleiche galt bei meinem jetzigen Besuch auch für den Podologen, so dass dieses Jahr nur noch die obligatorischen Diabetologen- und Zahnarzttermine anstehen.

4.

Umgang miteinander

Natürlich ist dieser Punkt sehr individuell zu betrachten und durchaus subjektiv zu betrachten, doch meine bisherigen Erfahrungen mit Diabetologen in Kliniken waren fast durchgehend negativ. Entweder ihr Kenntnisstand entsprach den 70er Jahren und dachten, dass eine Insulinpumpe nicht von dieser Welt sei (übertrieben!) oder sie fesselten den Patienten an das Bett und ließen keine Mitsprache bei der Therapie zu. Nur zweimal wurde ich diesbezüglich eines Besseren belehrt. Eins davon war Karlsburg.

Die meisten Ärzte haben durchgehend ein offenes Ohr für die Patienten. Viele Vorschläge für die Änderungen werden gleichberechtigt miteinander besprochen und nicht wie in anderen Krankenhäusern diktiert. Natürlich hatte ich auch dort Situationen, in denen ich auf die Visite gewartet habe oder gerade kein Arzt auf der Station war. Trotzdem ist das Verhältnis Arzt – Patient dort deutlich angenehmer als beispielsweise in den Universitätskliniken des Bundeslandes.

Insgesamt möchte ich die Klinik nicht im Himmel loben, empfehle aber jedem Typ-1-Diabetiker aus den Regionen Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin und eventuell noch die Großregion Hamburg, über eine Neueinstellung in Karlsburg nachzudenken, wenn der HbA1c mal wieder nicht so gut gewesen ist oder man selbst merkt, dass die Basalrate und/oder die Faktoren nicht ganz stimmen.