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Kann ein Diabetes in der Chirugie zum Verhängnis werden?

23.02.2006 7.00 Uhr
Schmerzen am Steißbein. Seit Tagen habe ich dort eine Schwellung registriert, doch erst in den letzten 2 Tagen verband ich damit Schmerzen. Voller Mühe machte ich mich auf dem Weg zum Hausarzt.

23.02.2006 9.00 Uhr
Mittlerweile weiß ich, dass es keine Schwellung des Knochen ist, sondern ein "monströser Abzess". Ich soll mich bei einem ambulanten OP melden. Möglichst schnell, da so schon die Operation "schwerwiegend" wird (Zitat Hausärztin).

23.02.2006 11.30 Uhr
Ich bin beim ambulanten OP rangekommen. Nach der Begutachtung meint die Ärztin, dass es besser wäre, mich in die stationäre chirurgische Universitätsklinik Rostock einzuweisen, da die voraussichtliche Wunde zu groß sei, und sie keine postoperative Betreuung des Diabetes vornehmen könnte.

23.02.2006 14.30 Uhr
In der sogenannten "Notaufnahme" der Chirugischen Uniklinik (folgend CUK genannt) musste ich 2 1/2 Stunden trotz der direkten Überweisung der Ärztin warten. Hinzukommt, dass ich nun seit fast 20 Stunden nüchtern bin. (Ich hatte am morgen nichts gegessen und seit dem Hausarztbesuch wusste ich, dass ich aufgrund der zu erwartenden OP nüchtern bleiben muss.)

23.02.2006 15.00 Uhr
Ich stehe in der Station "G" der CUK und warte auf meine Aufnahme. Bei der Frage der einzunehmenden Medikamente, obwohl auf der Aufnahmeakte schon Diabetes Typ-1 stand, gebe ich Humalog an. Frage der Schwester: "Wie viel spritzen Sie denn?". Meine Antwort: "Je nachdem, meistens zwischen 25-30 I.E. pro Tag". Schwester: "Verstehe ich nicht, Sie müssen doch morgens, mittags und abends spritzen. Jeder Diabetiker macht das so." Meine Antwort: "Nein, Typ-1-Diabetiker haben meistens eine variable Therapie, und ich als Pumpenträger sowieso". Ihre Antwort: "Verstehe ich nicht [wird wütend]. Sie verarschen mich, was soll ich denn nun aufschreiben".

Solche Schulungsdefizite wurden in den nächsten 3 Stunden mehrmals deutlich, worauf ich aber nicht weiter eingehen möchte.

23.02.2006 17.45 Uhr
Die Anästhesistin kommt vorbei. Endlich jemand der kompetent ist (denk ich in dem Moment). Ich möchte trotz Empfehlung keine Spinalanästhesie, sondern eine normale Vollnarkose. Wir unterhalten uns noch kurz über Diabetes, wo ich angebe, dass der BZ überwacht werden soll, besonders, da ich schon seit fast einem Tag nüchtern bin und deshalb der Körper auf das Basalinsulin der Pumpe sehr empfindlich reagiert. (Regulation ist nicht möglich, da ich mit 6,8 I.E. Basal pro Tag schon im unteren Bereich für erwachsene Typ-1-Diabetiker liege.)

23.02.2006 18.30 Uhr
Die Operation geht los. Zu Beginn wird ein BZ gemessen (6,8 mmol/l).

23.02.2006 20.30 Uhr
Im Aufwachraum der CUK wach ich langsam auf. Sofort merke ich, dass etwas nicht stimmt. Den Verdacht einer Unterzuckerung bekomme ich gerade so artikuliert. Die Schwester im Aufwachraum lässt sich Zeit mit der Messung. Als sie jedoch registriert, dass ich einen BZ von 1,1 mmol/l (19 mg/dl) habe, infundierte sie sofort Glukagon über den noch von der OP vorhandenen Port im Handrücken. Auf Nachfrage, warum es zu dieser extremen Fahrlässigkeit gekommen ist, wurde mir von der Schwester im Aufwachraum gesagt: "Sie haben es doch überlebt! Was wollen Sie denn?"

Fazit:
Zusammengefasst bin ich wegen einem Routineeingriff eingeliefert worden und wäre dort fast ernsthaft geschädigt worden (Hypoglykämisches/Unterzuckerungs-Koma). Es war der tiefste Wert in meiner Diabetesgeschichte (seit 1998), was es auch hoffentlich bleiben wird. Ein Beschwerdeverfahren gegen die Uniklinik wurde eingeleitet, welches bis auf ein paar Gespräche und das Versprechen, die entsprechenden Leute zu schulen nichts gebracht hat. Aus interner Quelle weiß ich, dass die meisten Schwestern nicht mal Interesse hatten, Ihr Wissen aufzufrischen. In der Anästhesie wurde mir bestätigt, dass sie nichts für den Vorfall können. Ihnen wäre ein solcher Blutzucker Absturz neu gewesen...

Autor: 
Matthias Widner