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Erfahrungsbericht MSP GlucoSmart Swing

Einleitung
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Der Name “Smart Swing” eröffnet mal eine neue Kategorie bei der Betitelung von Blutzuckermessgeräten. Die Firma MSP stand auch in der Vergangenheit für einige innovative Ideen, die mal mehr oder mal weniger Erfolg versprachen. In wiefern das “Smart Swing” intelligenten Schwung in das Leben der Diabetiker bringt, soll im folgenden Testbericht genau untersucht werden.

GlucoSmartSwingDaten
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Hersteller / Firma: MSP bodmann GmbH
Gerätename: GlucoSmart Swing
Messdauer: 5 Sekunden
Blutprobenmenge : 0,5 µl
Speicher: 500 Werte mit Datum und Uhrzeit
Kalibrierung : Automatisch
Messmethode: Elektrochemisch
Messbereich: 10 bis 900 mg/dl (0,55 - 50 mmol/l)
Energieversorgung: Lithium Batterie (CR2032)
Größe: 49 mm Breite; 93,5 mm Länge; 17,5 mm Höhe
Temperaturbereich: +10 bis +40 °C
Besonderes: Großer Messbereich, hygienischer Teststeifenauswurf
Schnittstelle: "Computerschnittstelle zum optionalen USB Adapter"
Internetspräsentation: http://www.glucosmart.com

Lieferumfang und Dokumentation
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Im Karton findet der Käufer eine Hartplasteschale, die auf den ersten Blick an eine Handy-Verpackung erinnert. In ihr kann man eine deutschsprachige Bedienungsanleitung, eine eingeschweisste Polyestertasche für das Gerät, eine Kurzanleitung für Unterwegs, das Testgerät, 25 Messstreifen und eine Stechhilfe finden. Damit ist der Lieferumfang vollkommen ausreichend aber nicht außergewöhnlich umfassend. Das Handbuch umfasst mit 56 Seiten alle möglichen Antworten in gut erklärter Art und Weise. Besonders einfallsreich, aber nicht zwingend als positiven Punkt zu bewerten, empfand ich die Kopiervorlagen für zwei unterschiedliche Arten des Blutzuckertagebuches. Nicht nur, dass in einem Tagebuch die doppelte Beschriftung der Y-Achse (mmol/l und mg/dl) fehlt, ich vermisste auch den Hinweis auf die digitale Kopiervorlage auf der Internetpräsentation der Firma (http://www.glucosmart.com). Insgesamt verdient diese Kategorie folglich nur vier von fünf Sternen.

Optik
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Das Gerät liegt gut in der Hand und ist mit seiner Größe (siehe Daten) recht leicht zu verstauen. Auf der silberfarbenden Front heben sich die drei Bedienelemente (+ und - zum Scrollen im Tagebuch und für die Einstellungen sowie der Einschaltknopf) optisch gut ab. Das Display ist eine normale LED-Anzeige, die für stehstarke Patienten gut zu lesen ist.

Verarbeitung
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Der Transport des Gerätes erfolgte bei mir durchgehend ohne die entsprechende Tasche. Die Lasche war schon nach dem Auspacken zu weit gedehnt, so dass das Gerät nicht richtig stecken blieb. Die Teststreifendose ließ sich sehr schwer öffnen, woran man sich eventuell gewöhnen müsste. Ansonsten ist die Verarbeitung des Gerätes und der Teststreifen äußerst robust und ausreichend. Allein die Auswurftaste an der Seite des Gerätes ist umständlich zu erreichen, wenn man das Gerät zum Testen in der Hand hielt. Da ich somit keine gravierenden Nachteile bei der Verarbeitung feststellen konnte, setzt sich das gute Urteil auch in dieser Kategorie fort.

Stechhilfe
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Leider machten wir in der Vergangenheit immer wieder die Erfahrung, dass die Verarbeitung der Stechhilfe von Geräten, die an sich gut sind, zu wünschen übrig ließ. Die Hilfe zur Blutentnahme entsprechend des Smart Swing aus dem Hause MSP lässt eine Fortsetzung dieser Erfahrung leider schon vermuten. Die weiße und vollständig aus Plaste bestehende Stechhilfe lässt sich wie viele andere auch in fünf Stechtiefen individuell einstellen. Das Umschalten erfordert zwar einen gewissen Kraftaufwand, obwohl damit auch verhindert wird, dass die Justierung beim längeren Gebrauch nicht ausleiert. Durch einen Schraubverschluss gelangt man zum Lanzettenträger, der leider auch aus Plaste ist und nicht starr geführt wird. Aufgrund seiner Halterung ist zu vermuten, dass die Lanzette im Langzeittest nicht mehr zielgenau nach vorne schießt, sondern geringfügig in ihrer Bahn abweicht. Dadurch wird folglich die Geschwindigkeit des Einstichs gebremst und der Charakter der Schmerzfreiheit, bzw. Blutmenge entsprechend der eingestellten Tiefe vermindert. Dies ist nur eine Hypothese, analog zu anderen ähnlich aufgebauten und schon in Langezeittests untersuchten Stechhilfen. Trotzdem verorte ich die Version aus dem Hause MSP mit einem mittelmäßigen Urteil von drei Sternen.

Messen
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Wenn man das Gerät einschaltet, verlangt es die Einführung des Teststreifens. Nach ein paar Sekunden erinnert es an diesen Zustand und schaltet sich nach nochmaligem akustischen Erinnern automatisch wieder ab.

Der eigentliche Messvorgang kann somit nach zwei Ausgangszuständen gestartet werden. Entweder das Gerät ist durch den Einschalter, wie erwähnt, schon gestartet worden oder startbereit deaktiviert. In beiden Fällen erkennt man die Messbereitschaft anhand eines großen Blutstropfen am unteren Rand des Gerätes. Das Blut wird rechtsseitig an den Teststreifen rangehalten und sehr schnell eingezogen. Danach beginnt die kurze Messphase von fünf Sekunden. Die Vergleichsmessungen mit einem Contour USB der Firma Bayer ergaben im normoglykämischen Bereich einen fast identischen Wert. Nach dem Messung kann man den Streifen mit Hilfe der seitigen Auswurftaste schnell und hygienisch entsorgen.

Zusammengefasst ist im Messverfahren kein Malus des Gerätes zu entdecken. Natürlich ist die unkonventionelle Bluteinfuhr von der Seite ist nicht unbedingt für jedermann geeignet und auch die Annahmestelle auf dem Teststreifen, anhand eines kleinen roten Halbkreises zu entdecken, ist zu hoher Wahrscheinlichkeit nicht im Sinne der sehverminderten Diabetiker barrierefrei. Trotzdem möchte ich dem Gerät aufgrund der Parameter und dem schnellen unkomplizieten Einzug, der Auswurftaste und den fast identischen Messwerten mit einem Vergleichsgerät fünf von fünf Sterne geben.

Preis
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GlucoSmartSwing TeststreifenLeider ist dieses Argument immer wichtiger für die Diabetiker und Diabetikerinnen. Fünfzig Teststreifen kosten im Moment zwischen 18 und 24 Euro und liegen damit signifikant unter den Produkten der großen Herstellern wie Bayer oder Roche AccuChek, die selten unter 24 Euro zu erstehen sind. Das Messgerät ansich ist im Internethandel seltener anzutreffen. Wenn es kommerziell vertrieben wird, muss man ebenfalls dafür 24 Euro bezahlen.
Abschließend möchte ich dem Bereich somit ein “gut” aussprechen und hoffen, dass MSP den anderen Hersteller auf Dauer als Vorbild gilt, wenn es darum geht, das chronische Leider der Diabetiker kommerziell nicht allzu sehr auszunutzen.

Meinung, Kritik und Fazit
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Die Aussage, dass das GlucoSmart Swing Leben in meinen Diabetes-Alltag gebracht hätte, wage ich zu bezweifeln. Es ist wieder ein gutes Beispiel, wie eine weniger bekannte Firma mit guten Ideen auf den sonst so gesättigten Markt erscheint und dafür (zu) wenig Echo erfährt. Der Preis, die Auswurftaste, die Möglichkeit zwischen mg/dl und mmol/l umzuschalten, die Gleichwertigkeit bei Parallelmessungen mit dem Bayer Contour und die Parameter des Blutbedarfes, des überaus großen Messbereiches und der Geschwindkeit sind positive Eigenschaften am GlucoSmart Swing. Negativ dagegen empfand ich Stechhilfe, das nicht beleuchtete Display und die (nutzlose) Tasche. Da dies aber nicht elementare Bestandteile des täglichen Blutzuckermessens betrifft, bzw. die Stechhilfe ja auch von anderen individuell besser geeigneten Herstellern genutzt werden kann, verdient das Gerät insgesamt das Urteil “gut”.