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Erfahrungsbericht CareLink mit ComLink

Dieser Artikel bezieht sich auf das Auslesen der Paradigm 522/722, hierfür wird ein Internetzugang und Microsoft Windows benötigt sowie das ComLink Kabel. Auslesen kann man auch den Guardian Real-Time und die Link Blutzuckermessgeräte.

Erfahrungsbericht:

Seit kurzer Zeit habe ich die Paradigm 722. Für mich ist die Fähigkeit einer Pumpe, ausgelesen zu werden, absolut eine Bedingung. Daher habe ich mich natürlich dafür entschieden das Online Programm der Firma MedTronic CareLink zu benutzen (es gibt leider nicht die Alternative ein anderes Programm zu verwenden). Im Folgenden möchte ich meine Erfahrungen hiermit schildern.

Das Registrieren geht sehr leicht von der Hand und sollte vor allem auch bei Anfängern absolut problemlos funktionieren. Man wird mit einem sehr gut erklärenden Assistenten durch den Prozess geführt.

Nach dem Registrieren hat man die Möglichkeit Daten aus der Pumpe, dem Messgerät oder dem Guardian Real-Time hochzuladen. Auch hier wird man wieder durch einen Einstellungsassistenten geführt. Diese Funktion funktioniert allerdings sehr sehr schlecht. Ich habe die Pumpe ordentlich eingestellt und mit dem ComLink verbunden, trotzdem waren die ersten 15 Versuche erfolglos. Ich habe danach die Hotline angerufen, dort wurde mir gesagt, ich müsse versuchen die Pumpe und das ComLink näher zusammen zu stellen und weiter von möglichen Störquellen wegsitzen. Also weg von Computern, Handy's etc. Wobei hier natürlich angemerkt werden muss, dass jedes Kabel nur eine beschränkte Reichweite hat. Als weiteren Tipp wurde mir gesagt, ich solle doch einmal beides in Alufolie wickeln um Störsignale abzuhalten. Selbstverständlich habe ich zuerst den ersten Tipp ausprobiert und festgestellt, dass es nicht funktioniert. Die Software hat es glatt geschafft das Ganze noch einmal bei 100% abzubrechen. Ich habe mich nun entschieden, das Hochladen noch einmal mit dem Alufolien-Tipp zu probieren. Dies funktionierte auf Anhieb, ist allerdings schon sehr verwunderlich warum sich MedTronic nicht für Sender, respektive Empfänger entscheidet die mit, in der heutigen Welt absolut normalen, Störsignalen klarkommen. Dies ist auch bei anderen Herstellern kein Problem. Ohne Belege dafür zu haben muss man wohl den Spartrieb als Grund hierfür vermuten. Das Hochladen an sich ist sehr langsam und schwerfällig.

Man kann auch selber Daten in das Tagebuch eintragen, dies erscheint mir aber nicht direkt notwendig. Wenn man den BolusExpert, sowie ein entsprechendes Messgerät benutzt hat man am Ende ein vollwertiges Tagebuch.

Als dritte Möglichkeit kann man sich das - mühsam - hochgeladene Tagebuch unter dem Menüpunkt Berichte ansehen, bzw. ansehen ist das falsche Wort, man kann dies herunterladen. Als Dateiformat verwendet MedTronic das PDF Format, dies ist ein großer Pluspunkt. Man hat hier auch sehr viele Möglichkeiten Daten zu erhalten, man kann aber auch einfach nur das Tagebuch als Liste ausdrucken. Allerdings braucht man hierfür viel Toner und Papier. Ein Bericht über 45 Tage braucht bei mir 44 Seiten. Man kann sich auch schöne Grafiken ansehen, zu den Werten und zu den Pumpeneinstellungen. Ich musste aber feststellen, dass der Server stark überlastet war, was dazu führte, dass ich zu Anfang nicht auf meine Daten zugreifen konnte.

Ich persönlich finde dieses Tagebuch recht unübersichtlich und es wird relativ viel Platz mit unnützen Informationen und Zwischenräumen verschwendet. Die Einstellungen für den BolusExpert beispielsweise muss man nicht bei jeder Injektion erneut aufzählen, hier würde es reichen dies einmal pro Bericht zu tun, oder natürlich zusätzlich dann, wenn hier Änderungen gemacht wurden. Vor allem auch die KE-Faktoren müssen nicht jedes Mal aufgeführt werden, hier würde auch eine Liste mit den Zeiträumen am Anfang ausreichen, jeder der des Lesens mächtig ist, sollte dann selber sehen können welcher Faktor der Rechnung zugrunde liegt. Wünschenswert wäre von meiner Seite aus eine Ausgabe in der Art wie die selbstgeschriebenen Tagebücher auch sind. So kann man auch deutlich an Platz sparen. Allerdings kann man positiv hervorheben, dass hier schön die Daten aus dem BolusExpert wiedergegeben werden, man also eine genaue Übersicht bekommt was wie wieso gespritzt wurde und welche Menge vorgeschlagen war.

Man kann die Daten dann als letzten Schritt auch in dem CSV-Format herunterladen, dieses kann z.B. von Microsoft Excel geöffnet werden.

Negativ hervorheben muss man auf jeden Fall, dass der Benutzer der Insulinpumpe, für den die Pumpe gerade mit einer CGMS Funktion sinnlos ist ohne eine Auslesemöglichkeit, nocheinmal mindestens EUR 47,90-- in die Hand nehmen muss um seine Pumpe auszulesen. Hierzu sei aber angemerkt, dass dieses Kabel seriell ist und nur an einen Com Anschluss angeschlossen werden kann, moderne Computer verfügen gar nicht mehr über diesen Anschluss. In dem Fall muss der Nutzer noch einen Umwandler auf USB dazuerwerben, oder direkt ein USB Auslesekabel für den stolzen Preis von EUR 100,-- erwerben. Andere Hersteller bieten die Auslesekabel kostenfrei an, ich denke dies sollte bei Kosten für eine Pumpe von ca. EUR 3.500,-- auch normal sein.

Ebenfalls muss man mit absolutem Unverständnis erwähnen, dass das Auslesen mit dem CareLink Programm nur mit Microsoft Windows, sowie dem Internet Explorer möglich ist. Das Programm funktioniert Online zudem mit dem plattformunabhängigen Java, es verschließen sich mir jegliche sinnvollen Gründe warum Betroffene mit Mac OSX oder Linux von der Benutzung ausgeschlossen werden. Darüber hinaus ist der Internet Explorer auch nicht der beliebteste Internetbrowser. Ungefähr die Hälfte der Internetgemeinde verwendet den Browser Mozilla Firefox, auch hier gibt es keine Gründe warum Benutzer dieses Browsers ausgeschlossen werden.

Fazit:

Ich muss einen großen Nachbesserungsbedarf feststellen. Zum einen finde ich es nicht gerechtfertigt für dieses Kabel fast EUR 50,-- zu verlangen. Für diese Pumpe ist ein Auslesekabel eigentlich unverzichtbar. Das Auslesen selber funktioniert außerordentlich schlecht. Es klingt lächerlich, wenn ich schreibe, dass ich meine Pumpe immer in Alufolie einwickeln muss um die Pumpe auslesen zu können. Dies klingt für den Standard Leser sicherlich nach dem technichen Mittelalter. Störsignale von Monitoren oder Handy's gehören in unserer hochtechnisierten Welt einfach dazu. Empfehlen kann man sicherlich die Pumpe und das ComLink in einen Bunker zu legen, das Kabel nach außen zu führen und dort die Pumpe auszulesen - nicht sonderlich praktikabel. Man kann nur hoffen, dass MedTronic das Problem erkennt und ein neues Kabel herstellt und dies an alle Kunden (möglichst kostenlos) versendet. Gerade wenn ich mir nicht technisch-versierte Anwender vorstelle sind hier Probleme vorprogrammiert.

Darüber hinaus verschlingt der dann erstellte Bericht viel zu viel Platz. Wenigstens gibt dieser die Eingaben des Bolus Experten sehr schön wieder, er könnte aber ruhig auf unnützige, bzw. redundante Daten verzichten. Bei der regelmäßigen Anwendung muss wohl ein ökologisch umsichtiger Anwender in seinem Garten einen Wald als Nachschub pflanzen. So viel Papier verbrauchen die Berichte.

Leider hat man nicht die Möglichkeit andere Programme zu benutzen, da MedTronic meines Wissens die Zusammenarbeit mit den Herstellern verweigert. Nur wem hilft es, wenn jeder Hersteller seine eigenen Ausleseprogramme entwickelt die untereinander nicht kompatibel sind. Für eine gute Auswertung muss ich die Daten übereianderlegen können. Ich hoffe das MedTronic auch hier umdenkt.

Die fehlende Plattformunabhängigkeit, ohne das sachliche Gründe dafür sprechen, ist ein weiterer dicker Minuspunkt.

Man könnte bei fünf verfügbaren Sternen also allenfalls zweieinhalb vergeben.

UPDATE:

Ich habe mir nun den USB Stick zum Auslesen besorgt. Ich kann dies nur jedem anraten. Mit diesem Gerät kann man auf das Einwickeln in Alufolie verzichten und die Pumpe wird auch ausgelesen, wenn sie nicht direkt neben dem USB Stick liegt. Ein Abstand von einem Meter (in meiner "unfreundlichen Umgebung") ist kein Problem.

So macht das Auslesen Spaß, dennoch denke ich, dass das Internetportal überarbungsbedürfig ist, vor allem die Ausgabe.

Nach meinem Update würde ich wohl 3 1/2 von 5 Sternen vergeben.

Autor: 
Jan Twachtmann