Skip to main content

Einleitung Erfahrungsberichte

Erstellt in

"Diabetes eine komplizierte, teure, chronische, lebensbeeinträchtigende Gesundheitsstörung, die es erfordert, dass man sein Leben umstellt. Diabetes ist keine leichte Krankheit; allein deswegen, weil jeder sagt, dass man 'gut mit ihr leben kann'. Natürlich können wir gut damit leben, aber es ist nicht einfach, und unser Leben wird beeinträchtigt; Diabetes kostet auch viele Leben. Der einzige Weg, wie Menschen gut mit Diabetes leben können, ist, dass sie lernen, dass sie trainieren, dass sie sich selbst stark machen - und das alles führt zu einem normalen Leben. Man erreicht dies aber nur, wenn man unterstützt wird - und die Unterstützung fehlt vielen: Man braucht Trainer und andere Menschen, die wissen, was es heißt, tagein, tagaus mit Diabetes zu leben."

Maria L. de Alva, Interview im Diabetes Journal 9/97.

Erfahrung eines Diabetikers

Was denken Sie, wenn Sie diese Wörter lesen? Ich denke, wenn Sie etwas mit Diabetes in Berührung gekommen sind, oder selbst Diabetiker/in sind, werden Sie mir zustimmen, dass Maria L. de Alva vollkommend Recht hat. Ich kann nur von meiner Person ausgehen, wenn ich beschreiben soll, wie ich Diabetes empfinde. Seit '98 leide ich schon unter dieser Krankheit. Es gab Momente, in denen ich sie komplett vergessen konnte und Momente wo ich mich wieder wach rütteln mußte, um nicht zu viel zu "versauen" - Sie entschuldigen.

In der Schulzeit hatte ich mit Diabetes keine Probleme. Es waren ja auch nur 8 Monate die mich zum Zeitpunkt der Manifestation vom Abitur trennten. In dieser Zeit entstand auch die Idee dieser Homepage und der Software MD DiabetesIndex. Nach und nach belas ich mich in Büchern und konnte mich trotz mangelnder Schulung mit meiner neuen Rolle als Diabetiker zurechtfinden. Ich schreib gerade "zurechtfinden", wenn ich einen Blick auf das Zitat der Frau de Alva werfe, muß ich dieses Wort zurücknehmen : In Greifswald, meiner Heimatstadt gab es kaum gleichaltrige Typ-1-Diabetiker, mit denen man sich hätte austauschen können. Die SHG Greifswald ist sehr engagiert, doch wird ihr Angebot fast nur von Typ-2-Diabetiker/innen wahrgenommen. Es sind einfach zu wenige Typ-1-ler da, um eine eigene Regie führen zu können. Und der zweite Kritikpunkt war der klinische Stil der SHG. Was soll ich mich einmal die Woche mit anderen Leuten über Diabetes in klinisch wirkenden Räumen unterhalten? Ich hatte schon vom Krankenhaus genug. Warum kann man die Treffen nicht in kleinen Cafés veranstalten? Diesen Eindruck hatte ich auch in anderen Städten, wo ich die Selbsthilfegruppen besuchte. Also fiel bei mir der Fakt des Trainers weg. Eine Sache, die weitreichende Folgen hatte.

Nach meiner Schullaufbahn ging ich, mehr gezwungen als freiwillig - ich wurde ja auf Grund des Diabetes ausgemustert, und konnte nicht 1 Jahr mit dem Zivi Dienst verbringen - auf die Uni in Rostock. Das erste Jahr war für mich die Katastrophe. Der komplett andere Lebensstil eines Studenten veränderte auch mein Diabetes - zum schlechten. Zum anderen fehlte mir der Halt aus meiner Heimatsstadt - auch von meiner dortigen Diabetologin, mit dieser Veränderung klar zu kommen. Nicht mehr gekannte Probleme traten wieder auf: Ich vergass viele Werte aus der BE Tabelle; Meine Werte schwankten, bedingt durch den unterschiedlichen Tagesablauf vom Bodenlosen ins Unermessliche. Ich muß dazu sagen, dass ich selbst daran nicht unschuldig war, es dauerte lange bis ich eine Diabetologin fand, die meiner Meinung nach fähig war, ich arbeitete Nachts, wobei oft viel Alkohol floß.

Obwohl ich mein Leben in den Griff bekam (nachdem mein HbA1c 7,4 erreichte), entzogen und entziehen sich noch immer einige Mankos meinem Einfluss. Es ist in der Uni oft unabdingbar den ganzen Tag, von morgens 7.30 Uhr (ja...einige Studenten stehen so früh auf) bis 19 Uhr ohne Pause von Seminar zu Seminar bzw. Vorlesung zu eilen. Wenn meine Diabetologin nun sagt, dass es sich einrichten lassen muß, dass ich aufgrund meines Basalinsulins zwischen 11 und 14 Uhr etwas esse, muß ich abblocken. Sie versteht es nicht.

Ich könnte noch viel viel mehr schreiben. So zum Beispiel, wie absurd ich Berichte von Diabetikern finde, die trotz Ihrer Krankheit den Mont Blanc erklamen. Es ist ja schön und gut - auch ich finde Ihre Leistung bemerkenswert - aber warum muß man in den Zeitschriften dazu Überschriften lesen wie "Trotz Diabetes Hochleistungssportler". Es fehlt nur noch, dass man kleingedruckt darunter lesen kann: "Das können Sie auch, wenn Sie nur wollen". Solche Berichte - die höchstwahrscheinlich unter dem guten Vorsatz des Ansporns geschrieben wurden - verunsichern eher. Man fragt sich wahrscheinlich : "Wenn das für andere so einfach ist, warum schaffe ich es nicht?" - und zweifelt an seinem Selbstbewustsein.

Um nochmal in eine andere Richtung zu gehen - heute unterhielt ich mich mit einer Apothekerin, die mir erzählte, wie wenig die meisten Ärzte bereit sind mit den Apotheken zu kooperieren. Natürlich sind es nicht alle Ärzte, aber es ist defenitiv kein Einzelfall. Von vielen Apotheker hörte ich schon solche Töne, nach denen die Ärzte Angst hätten, die Apotheken würden die Pflicht der Beratung zu ernst nehmen, und den Patienten mit Falschinformation ausstatten, bzw. das jeweilige Therapiegebilde durch andere Beratung zum Einsturz bringen. Ich selbst erlebte eine solche Situation, als ich eine frisch manifestierte Diabetikerin privat schulte, und merkte, dass die Beratung des behandelnden Arzt sehr oberflächlich war. Ich erkannte den Arzt, als er mich beim nächsten zufälligen Treffen auf der Diabetesstation des Uniklinikums zurecht wies. Ich kann heute noch belegen, dass ich nie fachlich falsche Auskünfte gab. Aber dieses Erlebnis blieb zum Glück ein Einzelfall.

So, dies war nur ein Ausschnitt meines Diabetikerlebens. Schreiben Sie uns Ihren Erfahrungsbericht! Schreiben Sie sich die Probleme von der Seele!

Eingeschickte Kommentare:

Katja (P.Incognita@gmx.de) (06.02.2004)

Ich kann diesen Bericht nicht vollends nachvollziehen. Ich hatte während meines Studiums in den 80er Jahren ebenfalls einen vollen Studienplan, und meinen Diabetes stellte ich damals mit 2(!) Spritzen am Tag ein, die natürlich alle Hauptmahlzeiten abdeckten und eine Reihe von Zwischenmahlzeiten erforderlich machten. Aber Zwischenmahlzeiten waren nie ein Problem, auch nicht während der fünfstündigen Diplomklausuren. Ich hatte immer genügend zu essen dabei, wie ich es auch schon in der Schulzeit gehandhabt hatte. Ich weiß noch, daß ich als Teenager mit 5 Äpfeln in der Schultasche - für jede Pause einen - meine Schultage bestritt, weil ich keine Pausenbrote mochte.