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Die Animas Reloaded

Einleitung

Die Animas IR 2020 ist nun schon meine dritte Insulinpumpe. Die zweite Pumpe war das Vorgängermodell IR 1200, welches hier ebenfalls vorgestellt wurde. Doch bevor ich von meiner Erfahrung mit der Pumpe anfange, möchte ich erklären, warum ich bei der Animas blieb. Um Hintergründe über meinen Diabetes zu erfahren, sollte der Leser den Bericht der IR 1200 lesen.

Warum ich bei der Firma Animas blieb

Aus schon im ersten Bericht beschriebenen Gründen, kam für mich eine Pumpe aus dem Hause Roche nicht mehr in Frage. Die Auswahl bestand somit nur aus den folgenden Geräten:

  • Mylife OmniPod
  • Animas IR 2020
  • Minimed Paradigm Veo 554/754
  • DanaDiabeCare R

Zwischen den ersten beiden entschieden die folgenden Gründe:
Ich hätte liebend gerne die OmniPod ausprobiert, vor allem, da sie kein Katheterschlauch besitzt, sondern direkt an der Haut sitzt. Gesteuert wird das Gerät durch eine Art „Handy“ – dem „Persönlichen Diabetes Manager“. Das Reservoir von 2 ml (200 I.E.) ist dabei fast mit dem der Animas identisch. Alleine der 45 Grad Einstechwinkel und der Zwang, bei jedem Katheterwechsel, die gesamte Einheit „Pod“ zu tauschen ließ mich dann dagegen entscheiden.

Zwischen der Animas und der Paradigm entschieden die Gründe:

  • Die Paradigm hat keinen Luer-Anschluss (Anm. Luer ist ein bis dato internationaler Standard der Katheteranschlüsse am Insulinreservoir. Ich kann alle Katheter auf einen Luer-Anschluss schrauben, nur Medtronic Paradigm Reihe musste ja mal wieder aus der Reihe tanzen)
  • Die Animas ist ein wenig kleiner und handlicher
  • Das Reservoir der 554 war mir zu wenig (176 IE) und der 754 zwar groß genug, doch dadurch ist mir die Pumpe wieder zu sperrig (300 IE).
  • Ein Vorteil ist die drahtlose Verknüpfung zwischen der Paradigm und dem Blutzuckermessgerät Contour Link von Bayer Ascensia bzw., im Falle der Veo-Variante, dem dauerhaften Blutzuckersensor, der in Deutschland jedoch nicht von der Krankenkasse finanziert wird.

Ich gebe zu zwischen der Animas und der Paradigm lagen nur Millimeter. Das Argument mit der Übertragung des Blutzuckerwertes zur Pumpe ist im Hause Animas ebenfalls schon eingeflossen. Seitdem Animas zu dem gleichen Mutterkonzern wie der bekannte Blutzuckermessgerätehersteller LifeScan (siehe auch „OneTouch Ultra“) gehört, wurde versucht die beiden Linien zu vereinen, wodurch bis dato nur eine in den USA unter dem „innovativen“ Namen „OneTouch Ping“ veröffentlichte Insulinpumpe erschien.
Dem Vergleich zu DanaDiabeCare R braucht man gar keine Zeilen zu widmen, da diese Pumpe zwar sehr klein und günstig ist, doch eine Reihe von fehlenden Funktionen und die veraltete Technik, ließ mich diese Option schnell negieren.

Technische Details

Die Pumpe hat die Abmessungen von 76 x 51 x 19 mm und ist ca. 86g schwer. Im Vergleich zur Vorgängerpumpe Animas IR 1200 hat sie eigentlich nur eine wirkliche Verbesserung:
Das Display ist farbig, in der Helligkeit einstellbar und nun auch von der Seite gut lesbar. Dies mag für den Leser trivial erscheinen, doch vor allem die einstellbare Helligkeit und die bessere Lesbarkeit erhöht den Komfort im Kino oder bei Vorträgen, bei denen man fremde Lichtquellen leicht als störend empfinden kann. Ansonsten wurde vor allem das Gehäuse verstärkt - die IR1200 ist mir am Batteriefach eingerissen – und die Gummiverkleidung besser angeklebt, da sie sich bei dem alten Modell nach einiger Zeit löste.

Das Insulinreservoir muss leider immer noch aufgezogen werden. Es ist ein spezielles Reservoir mit 2 ml Fassungsvermögen (200 I.E./U100). Man kann das Insulin im Bolus in folgenden Funktionen "pumpen":

  • Normal, Audio, Combo, Langbolus
  • Bolusbereich: 0,05 - 35 Einheiten in 0,05 IE Schritten

Die Basalrateneinstellung (Anm. des Autors: Basalinsulin ist wie "Standgasinsulin", welches immer dann dem Körper zugefügt wird, wenn er nichts verdaut/isst)

  • 12 verschiedene Basalraten an einem Tag
  • 4 alternative Basalratenmuster – d.h. für vier verschiedene Tagesabläufe geeignet.
  • Basalschritte ab 0,025 Einheiten pro Stunde einstellbar
  • 1/2 stündlich einstellbar

"Pumpe & Wasser" ist ein heikles Thema, doch die Animas soll wasserfest nach IPX8 sein, d.h. bis zu 2,4 m über 24 h. Die Datenübertragung erfolgt über eine Infrarotschnittstelle, die ich ebenfalls leider noch nicht ausprobiert habe und die Garantie beträgt 4 Jahre auf die eine Pumpe im Set.

Weitere Besonderheiten:

  • Genaue Insulinrestanzeige mit Warnung: Einstellbare Warntöne /-vibrationen bei einem Restvolumen von 10 bis 50 Insulineinheiten (10er Schritte).
  • Sehr große Bildschirmanzeige: 992 mm2 Fläche für 9 Textzeilen ermöglichen gute Lesbarkeit und wenig Blättern

Bisherige Erfahrung

Bisher arbeitete die Insulinpumpe genauso zuverlässig, wie ihre Vorgängerin. Der zusätzliche Menüpunkt „Anfang“, der den Benutzer direkt vom Menü zum „Status“ zurückkehren lässt, mag lächerlich wirken, ist aber vor allem bei der Fragestellung, wie viel Insulin noch vorrätig oder wie spät es sei, ganz praktisch. Bei der alten Pumpe wartete ich immer eine Weile, um diese beiden Fragen zu beantworten zu können. ^^ ;)
Ansonsten bin ich wie mit der alten Insulinpumpe voll und ganz zufrieden. Bis auf ein Zwischenfall nach sechs Monaten. Kaum ist die Pumpe ein paar Monate alt, fällt schon ein Knopf ab. Kein Verkleidungselement, sonder der Knopf für den Audio-Bolus, mittig an der rechten Kante angebracht. Also rief ich bei der betreuenden Firma an, die mir völlig unkompliziert und unbürokratisch eine Ersatzpumpe lieferten. Einfach die Daten in das neue Modell eingetragen und die alte Pumpe per Retoure-Schein zurückgeschickt. Nun hab ich halt eine blaue Pumpe, die ein halbes Jahr jünger ist.

Internetinformationen

Da die Animas 2020 in Deutschland nur von anderen Firmen vertrieben wird, müssen Sie für weitere Informationen die englischsprachige Seite http://www.animas.com aufrufen. Doch diese beschreibt hauptsächlich den Nachfolger OneTouch Ping. Falls Sie weitere Infos benötigen, rufen Sie sich entweder die englische Supportseite
http://www.animas.com/support/animas-2020-insulin-pump auf, oder kontaktieren einen deutschen Vertrieb, wie bspw. http://www.mediqdirekt.de/ , von denen ich die Pumpe geliefert bekommen habe.

Fazit
”Never change a running system”. Naja, manchmal muss man es trotzdem ändern, denn in Deutschland wird nur eine vierjährige Garantie auf medizinische Hilfsmittel erteilt. Da ich mit der Vorgängerpumpe bis auf die sich einmal lösenden Gummiverkleidungen und dem eingerissenen Batteriefach, welches einen reibungslosen Austausch der Pumpe inklusive eines Leihgerätes zur Folge hatte, zufrieden war, wählte ich wieder die Animas - Reihe. Natürlich ist die neue Ausgabe IR 2020 „rundum erneuert“, doch eine merkbare Verbesserung der Insulinpumpe sieht man nur bei dem farbigen Display. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb bereue ich es nicht, mindestens die nächsten vier Jahre mit dem Gerät zu verbringen und gebe ihm souveräne vier Sterne.

PS: Der offizielle Preis, der übrigens zum Vorgängermodell identisch geblieben ist, von 3680 € ist äußerst beeindruckend, ist aber fast identisch zu anderen Modellen und lässt Rückschlüsse zu, wie hoch der Gewinn an diesem Gerät, bzw. der Verlust für das Gesundheitssystem ist.

PPS: Dieser Text wurde auch auf anderen Plattformen veröffentlicht.