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Accu-Chek Spirit - ein Erfahrungsbericht

Ich bekam die Pumpe im Februar 2005 im Austausch mit der H-Tron die ich im November 2004 erhalten hatte. Der Hersteller bot mir einen kostenlosen Tausch mit der Spirit an. Diesen nahm ich natürlich dankend an.

Größe:

Die Größe ist sehr handlich, ungefähr so groß wie ein Handy, vielleicht ein bisschen breiter. Die Größe jedenfalls ist alles andere als störend. Zumindest in die Hosen der männlichen Zeitgenossen sollte die Pumpe sehr gut passen.

Das Reservoir fasst 300 Einheiten und reicht damit bei mir für ca. 5 Tage. Ich denke 300 Einheiten ist groß genug, ein kleineres Reservoir fände ich wiederum störend. Bei dem Produkt eines Mitbewerbers gibt es kleinere Reservoire, diese sind vor allem für Personen geeignet die weniger als 50 IE pro Tag verbrauchen. Meiner Empfindung nach ist der Größenunterschied aber auch hier verschwindend gering.

Äußeres Erscheinungsbild:

Die Pumpe hat vorne ein Display, dieses ist zu klein. Ein größeres wäre wünschenswert und auch eine bessere Auflösung sinnvoll. Die Menüführung hingegen gefällt mir mäßig. Einmal sieht man weder den letzten noch den folgenden Menüeintrag, sondern stets nur den aktuellen. Dies führt dazu, dass man oft zu weit blättert. Zudem wird nicht erklärt wie man im Menü zurück gehen kann, dies macht man, indem man die obere Taste vorne an der Pumpe und die obere Taste an der Seite gleichzeitig drückt. Dies habe ich allerdings nur durch Zufall erfahren. Wo wir gleich beim nächsten Teil wären, die Tasten, einmal gibt es 2 Tasten die vorne auf der Pumpe sind. Die untere ist zum Bestätigen und im Grundmenü zum Anzeigen der verbleibenden Menge Insulin im Reservoir. Die obere ist dazu da, durchs Menü zu „zappen“, beziehungsweise um in das Menü zu gelangen.

An der rechten Seite ist die obere Taste dazu da, das Licht einzuschalten, ferner kann man mit den Tasten die Höhe des Bolus' auswählen. Die seitlichen Tasten sind so markant, dass man die Pumpe ohne weiteres in der Hose bedienen kann. Dies ist wirklich ein Pluspunkt für diese Pumpe. So kommt man sehr gut ohne Fernbedienung aus. Dies kann aber zu Nachlässigkeiten in der Therapie führen. Aber dafür ist ja jeder selber verantwortlich und nicht der Hersteller.

An der linken Seite ist das Batteriefach und das Infrarot Fenster. Der Batteriefachdeckel ist extrem schlecht verarbeitet. Das Plastik ist viel zu weich. Man kann es mit einem mitgelieferten Schlüssel oder mit einer Münze öffnen. Ich hatte im Urlaub mal das Problem, dass sich der Deckel nicht mehr öffnen ließ und die Batterie leer war. Mit halfen dann nur Schraubstock, Hammer und Schraubendreher, aber die ist sicherlich nicht der Sinn der Erfindung. Hinten, bzw. unten finden sich Angaben zu dem Herstellungszeitpunkt, der Seriennummer und was ich sehr gut finde die Telefonnummer der Kunden-Hotline.

Sehr schlecht verarbeitet sind auch die seitlichen Gummis. Diese lösen sich mit der Zeit auf, dies führt nicht nur zu einer äußerlichen Verschlechterung der Pumpe, sondern ist für die Wasserdichtheit sicherlich auch nicht förderlich. Dieser Mangel muss auf jeden Fall verbessert werden. Immerhin soll man diese Pumpe zwei Jahre tragen.

Das Menü:

Man kann hier zwischen drei Menü Modi wählen. Zum einen gibt es das Anfängermenü. Wenn dieses ausgewählt ist, hat man nur sehr wenige Menüpunkte zur Verfügung, fraglich ist wer dieses braucht. Man könnte es unter Umständen auch „Kindersicherung-light“ nennen.

Die zur Verfügung stehenden Menüpunkte im „Anfängermodus“:

  • Standartbolus
  • Temporäre Basalrate
  • Information
  • (1 Basalratenprofil)
  • Zeit & Datum
  • Setup Menü Anfänger
  • Auswahl Benutzermenüs

Als zweiten Modus gibt es das „Profimenü“, dieses habe ich von Anfang an genommen, mir hat es nicht geschadet. Wenn jemand technisch nicht völlig unbegabt ist, oder mit der Pumpentherapie vertraut ist kann hier eigentlich nichts falsch machen.
In diesem Modus stehen zusätzlich folgende Menüpunkte zur Verfügung:

  • Verzögerter Bolus
  • Multiwave Bolus
  • insgesamt 5 verschiedene Basalratenprofile
  • Wecker
  • Setup Menü Profi

Der eigentliche Clue an dieser Pumpe und das finde ich im Vergleich mit gleichwertigen Geräten einmalig ist das „Individuelle Menü". Mit der Software der Firma und einem speziellen Infrarot Gerät kann man sein eigenes Menü kreieren. Natürlich stellt das Profi Menü das Maximum verfügbarer Einträge dar, man kann allerdings auf viele Einträge verzichten, die man ohnehin nicht nutzen würde. Das erspart viel blättern. Wobei man das Menü ohnehin recht selten nutzt, ich jedenfalls.

Die notwendige Software und die dazugehörigen Peripherie Geräte gibt es kostenlos in einem, zeitlich scheinbar unbegrenzten, Anwendertest.

Ich denke die meisten Menüpunkte sind selbsterklärend, der verzögerte Bolus gibt die Insulinmenge über einen vorher festgelegten Zeitraum ab, und der Multiwave Bolus ist praktisch ein Mix aus normalem und verzögertem Bolus. So dass die Menge X sofort injiziert wird, und die Menge y über den Zeitraum z. Sehr praktisch ist dies bei sehr fettreichen Gerichte, beispielsweise Pizza.

Insulin:

Es gibt vorgefertigte Ampullen von der Firma Insuman, wer andere Insuline benutzt sollte sich allerdings nicht abschrecken lassen, man kann ganz einfach selber Plastik Ampullen (sog. Plastic Cartridges oder auch Reservoir) befüllen, das ist sogar billiger und geht sehr schnell. Hierfür kann man Fläschen erwerben. Seit kurzem hat jedes Reservoir die eigene Aufziehhilfe.

Katheter:

Die Pumpe ist mit einem Luer-Lock-Anschluss ausgestattet. Dieses ist ein standardisierter Anschluss der u.a. auch in Kliniken Anwendung findet. Mit diesem ist man nicht an die Katheter der Hersteller Firma gebunden, sondern kann frei von allen Insulinpumpen Herstellern wählen. Aber vorsichtig bei den Kathetern der Firma Medtronic, in deren Pumpen kommt z.T. ein eigener Anschluss zur Anwendung, daher muss man bei der Bestellung von Kathetern darauf achten, dass man die für einen Luer-Lock-Anschluss bestellt.

2-Pumpen-System:

Die Firma Accu-Chek arbeitet bei ihren Pumpen mit einem 2-Pumpen-System. Das bedeutet, man bekommt zwei Insulinpumpen, wobei jede zwei Jahre benutzt werden kann. Bei der Konkurrenz bekommt man eine Pumpe, die eine vierjährige Garantie hat, aber trotzdem länger benutzt werden kann. Der Vorteil von zwei Pumpen liegt auf der Hand. Sollte eine Pumpe defekt sein, brauche ich nicht auf ein Ersatzgerät zu warten, sondern kann direkt meine Zweitpumpe in Betrieb nehmen, was gerade im Urlaub sehr viel Stress vermeiden kann. Die erste Pumpe gibt acht Wochen vor Ablauf der Laufzeit ein Signal, dass sie nur noch acht Wochen läuft, es macht nun Sinn die Zweitpumpe zu benutzen und die Erstpumpe ins Regal zu legen und diese als Ersatzpumpe zu nutzen. So hat man die ganzen vier Jahre immer eine Ersatzpumpe. Der Nachteil ist, nach vier Jahren hat man keine funktionierende Pumpe mehr, weil sich beide Pumpen jeweils nach zwei Jahren automatisch abschalten.

Das Zwei-Pumpen-System gibt es bei dem Nachfolgemodell Accu-Chek Combo nicht mehr!

Kundenservice:

Der Kundenservice musste ich leider als absolut inkompetent kennenlernen. Den Spruch, dass der Kunde König sei kennt man dort nicht einmal vom Hören-Sagen. Ich wurde mit meinen Problemen immer nur alleine gelassen. Sicherlich wurde bei Fehlern direkt ein Austausch veranlasst, wenn man sich aber darüber beschwert, dass man die Pumpe pausenlos einschickt erhält man von einer absolut demotivierten Mitarbeiterin die Antwort, dass es ein technisches Gerät sei, welches eben nicht zwei Jahre halten könne. Wie auch immer, mein Anspruch an technische Geräte ist anders. Aufgrund dessen, und einer Beschwerde darüber an die Geschäftsleitung hatte ich danach das Vergnügen mit der Geschäftsführerin des Kundendienstes (jedenfalls denke ich nicht, dass sie die Geschäftsführerin der Gesamtfirma war) zu telefonieren. Diese hatte aber auch nicht viel besseres zu tun als den Fehler bei mir zu suchen, denn bei dem Produkt. Eine Lösung des Problems hätte mir mehr geholfen. Ich möchte in diesem Bericht aber auch nicht verschweigen, dass ich von anderen weiß die ausschließlich gute Erfahrungen mit dem Kundenservice gemacht haben.

Zubehör:

Es gibt auch sehr praktisches Zubehör, hier seien vor allem die Pumpentaschen erwähnt. Vieles kann auch über die Krankenkasse verordnet werden.

Fazit:

Ich habe nun nach ungefähr drei Jahren die Pumpe zurück gegeben, weil sie die Fehler zu stark häuften. Ich habe dafür den Hersteller gewechselt. Auffällig ist, dass die Pumpe technisch stark zurück liegt. Hier ist einmal das Display relevant und natütlich die Tatsache, dass es keine Möglichkeit für kontinuierliche Blutzuckermessungen (CGMS) gibt. Die Pumpe kann auch von Messgeräten keine Blutzuckerwerte per Funk empfangen oder den benötigten Bolus errechnen oder den zu der abgegebenen Insulinmenge gehörenden KE Wert aufzeichnen. Das zwei-Pumpen-System an sich ist sehr praktisch, es sollte den Hersteller aber nicht dazu verleiten zu fuschen, weil die Patienten ja immer eine Zweitpumpe zur Verfügung haben. Meiner Erfahrung nach spielt die Pumpe im Mittelfeld, man sollte sich gut überlegen, ob eine andere Pumpe nicht vielleicht besser geeignet ist. In der Zwischenzeit gibt es auch sehr gute Alternativen. Wer aber ein einfach zu bedienendes dafür aber wenig Innovatives Gerät sucht ist hier auf jeden Fall richtig.

Autor: 
Jan Twachtmann