Skip to main content

Accu Chek Mobile - Das besondere Handy

Einleitung und die Details in Kurzform

Als ich das Gerät das erste Mal in den Händen hielt, dachte ich, einen neuen Nachfolger des Accu-Chek Compact Plus in den Händen zu halten. Doch bei genauerem Hinsehen ist nur das äußere Design ähnlich, denn das Accu-Chek Mobile birgt ein paar interessante Neuerungen, die natürlich auch Gegenstand des folgenden Berichtes werden sollen:

  • Firma: Roche Accu-Chek
  • Gerät: Mobile
  • Messmethode: Reflexionsphotometrische Bestimmung aus frischem Kapillarblut
  • Blutmenge: 0,3 µl
  • Messbereich: 10-600 mg/dl oder 0,6-33,3 mmol/l
  • Messzeit: 5 Sekunden (abhängig von der Konzentration)
  • Temperatur: 10 - 40°C
  • Speicherkapazität: 500 Messungen mit Uhrzeit und Datum; Durchschnittswerte für 7,14 und 30 Tage
  • Batterie: 2 Alkali – Mangan – Batterien (1,5 V, AAA, LR 03, AM4 oder Micro); Pufferbatterie 3 V Lithium Knopfzelle Typ CR1025
  • Schnittstelle: Infrarot

Lieferumfang in der Apotheke

Das Set umfasst folgende Bestandteile:

  • 1 Messgerät
  • 1 Testkassette mit 50 Tests
  • 2 x AAA Baterien
  • 1 Accu-Chek FastClix Mobile Stechhilfe
  • 2 Accu-Chek FastClix Lanzettentrommeln mit je 6 Lanzetten
  • Gebrauchsanweisung nebst einer Kurzanleitung

Das Gerät selbst ist in eine separate Plastverkleidung, die es erstmal gilt zu öffnen. Sofort fiel mir der Geruch, ähnlich wenn man ein neues Handy erhält auf. Das Gerät muss erst einmal von einer ganzen Reihe Schutzfolien befreit werden, bevor es in Betracht genommen werden kann, doch mehr möchte ich im nächsten Abschnitt auf die Optik und Verarbeitung des Gerätes eingehen, denn es wurde noch mehr geliefert. Die Testkassette versteckt sich im originalen Verpackungskarton unter einer eingeknickten Zwischenwand ein wenig höher. Bevor man also die gesamte Verpackung zerstört, hilft es die Falte zurückzunehmen, so dass ein Schacht entsteht und der kleine, separat eingepackte Karton heraus fällt.

Optik und Verarbeitung

Das Gerät ist mit den Maßen 123 x 66 x 28 mm recht groß und Klobig. Trotzdem wirkte es im Test recht handlich und lag mit 150g Gewicht recht gut in der Hand. Das mag vor allem daran liegen, dass das Kombinationsprinzip, Gerät, Messstreifen und Stechhilfe in einem Gerät zu haben, schon seit längeren bekannt ist.

Menüführung

ImageUm das Gerät außerhalb des Messvorganges zu starten muss man fünf Sekunden auf den mittigen Startknopf drücken. Die nun sichtbaren Menüpunkte, zwischen denen man mit den Hoch-/Runtertasten wechseln kann, heißen:

  • Messen : selbsterklärend: Wechsel zum Messvorgang
  • Ausschalten: Ebenfalls selbsterklärend
  • Speicher: Hier kann man zwischen mehreren Untermenüs auswählen: Zum einen ist es möglich, wie bei anderen Geräten auch, alle Werte, bzw. Durchschnittswerte anzeigen zu lassen. Hinter der Option „Daten senden“ verbergen sich die Möglichkeiten der tabellarischen Übertragung zum PC oder zum Auswertungstool. Was sich dahinter verbirgt, würde den Rahmen sprengen und bedarf einer Studie des Handbuches. Interessant ist, dass das Gerät bei Untätigkeit sich äußerst schnell abschaltet, bei einer ungewollten Anwahl der Übertragung dies aber subjektiv empfunden länger versucht. Der letzte Punkt in diesem Menü ist das Anzeigeformat, das zwischen der Listenpräsentation und den einzelnen Werten differenzieren kann.
  • Einstellungen: Die meisten Leute schrecken vor diesem Namen zurück, gleichwohl Messgeräte bis dato nicht zu Begleitern gehörten, die komplizierte Settings (Einstellungen) hatten. Im Mobil kann man die Zeit, das Datum, die Erinnerungsfunktion, die Zielbereiche für die einzelnen Tageszeiten, die Lautstärke, die Helligkeit des Displays und die Sprache einstellen. Wem diese, im Vergleich zur Konkurrenz, vielfältigen Möglichkeiten zu viel sind, sollte das Handbuch zur Hilfe nehmen.
  • Extras: Zusätzlich zu den Einstellungen gibt es noch die „Extras“. Als Punkt Eins begrüßt dem User der Anzeigentest, der aufgrund der noch recht neuen Display-Technologie (Siehe neue Animas 2020 oder OneTouch Ping) aber durchaus brauchbar zu sein scheint. Gleich in Folge kann der User noch mal nachschauen, bis wann seine Testkassette haltbar ist. Gegebenfalls leitet das Gerät den User auch an, das Gerät zu reinigen oder die Kassette zu wechseln.
    Insgesamt war unsere einhellige Meinung, dass die Menüführung ganz gut geglückt sei. Sie ist zwar deutlich komplexer als bei seinen kleineren Kollegen, verwirrte aber keinen unserer Testbenutzer. Dies soll nicht heißen, dass alle Funktionen wirklich als „sinnvoll“ betrachtet wurden, im Gegenteil.

Messen

Beim ersten Messen muss man als Erstes die mitgelieferte Testkassette in das Gerät einlegen. Intuitiv war dies nicht möglich, doch zum Glück liefert Accu-Chek eine Kurzanleitung und eine äußerst ausführliche Gebrauchsanweisung. Nach einem Blick in das erstgenannte Faltblatt ist das Öffnen der rückseitigen Kassettenabdeckung jedoch sehr einfach und schnell verinnerlicht. Zum Glück gibt es nur eine Möglichkeit, die Kassette einzulegen, so dass ich hier nicht viel falsch machen konnte. Im Gegensatz zu den „Messstreifen“ ist es möglich, die Lanzettentrommeln, von denen zwei mitgeliefert wurden, intuitiv einzulegen. An dieser Stelle fiel mir schon positiv auf, dass die Stechhilfe im Gegensatz zu anderen Einzelkonkurrenzprodukten statt fünf oder sechs Einstechtiefen 11 Einstellungen hat. Hinzu kommt, dass in einer Lanzettentrommel gleich 6 Lanzetten zusammengefasst sind, die recht leicht zu wechseln sind.

Der Messvorgang ist jedoch wieder nicht gerade intuitiv, wenn man diese All-in-One Geräte von Roche das erste Mal verwendet. Als ersten Schritt muss man die Verkleidung am unteren Ende des Gerätes hochschieben. Sofort startet das Menü, zeigt an, wie viele Messungen mit der Kassette noch möglich sind und fordert den Patienten auf, Blut aufzutragen. Die Stechhilfe spannt man durch ein runterdrücken des Kolben auf der rechten Geräteseite. Das Testgerät war dabei jedoch ungewöhnlich laut, was die Nutzung in ruhigen Räumen erschwert. Des Weiteren fiel bei Tests auf, dass sich das Gerät nach einer kurzen Weile wieder deaktiviert, dabei den „Messstreifen“ jedoch als gebraucht tituliert und somit „verschwendet“. Die Behebung dieses Fehlers, bspw. durch die programmierte Verlängerung der Wartezeit, ist uns leider nicht möglich gewesen. Daher wurde hier einer der ersten schwerwiegenden Negativpunkt gefunden.

Dazu trägt der Diabetiker sein Blut auf die Fläche am unteren Ende des Gerätes auf. Diese eigenartig anmutende Form der Testfläche ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber eigentlich sicherer als die dünnen externen Blutzuckermessstreifen. Der erste richtige Versuch war gleich mit einem E3 – Fehler, d.h. Messgerätfehler, bedankt worden. Beim zweiten Anlauf wurde das Ergebnis dann recht schnell präsentiert. Alles super. Eine Vergleichsmessung mit dem gleichen Blutstropfen und dem Contour von Bayer Ascensia ergab fast das gleiche Ergebnis.

Weiterhin ist uns der Akustikmodus positiv aufgefallen. Das heißt, dass das Gerät per Signaltöne das Messergebnis angibt, wenn man beispielsweise in dunklen Räumen misst und nicht das durchaus helle und eventuell störende Display anschalten will. Die zweite Möglichkeit dieser Funktion ist natürlich die Nutzung von Diabetikern mit Sehbehinderung. Wenn man sich gut mit der Signalreihenfolge auseinandergesetzt hat, kann man die Werte auch richtig verstehen. Für den besseren Lerneffekt bietet Roche auch an, ein Lernprogramm auf CD zu liefern, welches wir im Test jedoch nicht untersucht haben.

Zusammenfassend wirkt der Messvorgang nur beim ersten Mal etwas komplex. Wenn man von der kurzen Wartezeit zum Auftragen des Blutstropfens mal absieht, hat man sich recht schnell mit dem Gerät arrangiert. Vor allem die fest integrierte Stechhilfe jedoch provozierte unterschiedliche Bewertungen: Von einer sehr einfachen Hilfe bis hin zur „lautesten und komplizierten“ Stechhilfe, die eine „Fingerakrobatik“ notwenig macht.

Preis

Das Starter-Set rangiert je nach Online-Shop zwischen 48 und 56 €. Damit ist es schon sehr teuer und vom Preis-/Leistungsverhältnis nicht zu empfehlen. Besonders, wenn der indirekte Vorgänger, das Compact Plus für weniger als 10 Euro inklusive einer 17er Trommel zu haben ist. Die Testkassetten gibt es in mehreren Größen. Während die 100er Variante nicht unter 65 € gesichtet wurde, kosten 50 Testfelder – muss man ja schon so betiteln – um die 32 Euro, was im normalen Rahmen liegt.

Meinung, Kritik und Fazit

Das Mobil aus dem Hause Roche Accu-Chek stellt eine neue Runde im Segment der All-in-One-Geräte dar. Ich schreibe mit Absicht nicht das Wort „Generation“, da sich die Neuerungen gegenüber dem Vorgänger in Grenzen halten und die Erweiterungen hauptsächlich auf dem Gebiet der Datenübertragung stattfand, die von niemanden untersucht wurde / werden wollte. Die Vergrößerung auf 50 Messungen und das verbesserte Display stellen dagegen die hauptsächlichen Neuerungen im täglichen Gebrauch dar. Da das Gerät jedoch Teststreifen einfach für ungültig erklärt, wenn man nicht schnell genug, das Blut aufgetragen hat, besonders da die Stechhilfe manchmal als „Finger-Akrobatik erforderndes Monster“ empfunden wurde, ist eine Höchstbewertung unmöglich. Das zweite negative Argument ist der hohe Gerätepreis, während der dritte Malus, die recht lauten Betriebsgeräusche vor allem im Vergleich mit dem Vorgänger fast verschwimmen.

Insgesamt erhält das Mobile somit gerade noch so vier, d.h. 3,7 von fünf Sterne.

PS: Dieser Bericht wurde ebenfalls auf DiabetesIndex.de veröffentlicht.

Autor: 
Matthias Widner